OB-Kandidatin Habenschaden rechnet mit Schwarz-Rot ab

Beim Parteitag der Grünen rechnet die OB-Kandidatin Katrin Habenschaden mit Schwarz-Rot im Rathaus ab. Und erklärt, warum sie mit Stirnband in den Wahlkampf zieht.
| Emily Engels
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Beim Stadtparteitag der Grünen v.l. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, OB-Kandidatin Katrin Habenschaden und Katharina Schulze (Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag).
Daniel von Loeper Beim Stadtparteitag der Grünen v.l. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, OB-Kandidatin Katrin Habenschaden und Katharina Schulze (Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag).

München - Die Warteschlange für den Eingang des Saales im ersten Stock der Kolping-Akademie reichte am Dienstagabend weit aus dem Gebäude heraus. In dem Saal, in den all diese Menschen hereinwollten, starteten die Grünen mit ihrem Parteitag ins politische Jahr. Für viele Mitglieder hatte das bereits einige Stunden vorher begonnen. Am Nachmittag trafen sich die Ortsverbände am Wiener Platz, um unter dem Motto "Grün klingelt" den offiziellen Start des Haustürwahlkampfes einzuläuten.

Die grüne OB-Kandidatin Katrin Habenschaden kündigt ihn später beim Parteitag als "größten grünen Haustürwahlkampf, den München je gesehen hat" an. Und hat sich bestens für ihn ausgerüstet. "Ich habe mich mit Skiunterwäsche eingedeckt und meine Mama hat mir zu Weihnachten drei Stirnbänder gestrickt", sagt die 42-Jährige.

Habenschaden spricht von "riesengroßer Chance"

Überhaupt wird sie in ihrer Rede eher ungewöhnlich persönlich. Sie erzählt von ihrem Weihnachtsfest bei der Familie in Nürnberg und ihrer 92-jährigen Oma, die sie gefragt habe: "Wann hörst du mit der Rennerei durch die ganze Stadt auf?" Ihre Antwort: "Oma, damit fang ich jetzt erst so richtig an."

Habenschaden spricht von einer "riesengroßen Chance", die ihre Grünen bei der Kommunalwahl im März hätten. Sie sagt: "Ich bin bereit für den Wahlkampf meines Lebens!" Ihre Parteifreunde scheinen es auch zu sein. Während Habenschadens Rede reagieren sie immer wieder mit lauten Lachern oder unterbrechen ihre OB-Kandidatin mit tosendem Applaus und Jubelrufen.

Habenschaden: "Das Ende von rot-schwarz ist bald da"

Habenschadens Hauptmotivation, sich zur Wahl zu stellen, scheint nicht nur der Erfolg ihrer Partei bei der vergangenen Landtagswahl (Grüne in München: 30,3 Prozent) und der Europawahl (31,2 Prozent) zu sein, sondern auch die derzeitige schwarz-rote Regierung. "Ich kann nicht mehr mit ansehen, wie CSU und SPD im Rathaus ohne einen gemeinsamen Plan für München so vor sich hinregieren – das Ende dieses Bündnisses ist bald da", prognostiziert sie.

Danach analysiert Habenschaden, was in den vergangenen Jahren alles schiefgegangen sei. Sie teilt dafür die Amtsperiode von Schwarz-Rot in zwei Phasen ein. Die erste habe sich über etwa vier Jahre hingezogen. Habenschaden bezeichnet sie als die "Phase der großen Entscheidungsunwilligkeit". Alles sei damals vertagt und verschoben worden.

Die zweite Phase begann - Habenschadens Analyse zufolge – nach den Wahlen. "Da fand dann plötzlich das große ‘Ergrünen’ der SPD in den Bereichen Verkehrspolitik und Klimaschutz statt", sagt sie. Zuletzt hatten die Grünen der SPD bei diesen Themen – etwa, beim Radverkehr – immer wieder Ideenklau vorgeworfen.

"Entscheidungen mit Relevanz" nicht mehr von Schwarz-Rot

Die CSU kommt bei ihr nicht besser weg. Habenschaden hat gleich mehrere Spitznamen für sie: "Bremser der Verkehrswende", "Einzelstellplatzfestklammerer", "Klimakrise-Ignorierer". Insgesamt, kritisiert sie, seien "Entscheidungen mit Relevanz" überhaupt nicht mehr von Schwarz-Rot, sondern von anderen politischen Mehrheiten im Rathaus gefällt worden.

Doch was will sie – sollte sie gewählt werden – besser machen? Katrin Habenschaden beruft sich darauf, dass sie "näher dran" sei an den Münchnern. "S-Bahn-Frust, Kita-Sorgen, zwei Jobs, um als Familie über die Runden zu kommen – ich verstehe die Münchner Probleme, weil ich sie am eigenen Leib erfahren habe", sagt sie. Und verpasst noch schnell dem amtierenden OB Dieter Reiter einen Seitenhieb: "Das ist viel wichtiger als eine jahrzehntelange Verwaltungserfahrung."

Zum Parteitag ist auch Parteiprominenz gekommen: Warum Habenschaden besser qualifiziert wäre fürs OB-Amt erklärt Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth der AZ so: "München braucht eine faszinierende, kluge Frau wie Katrin Habenschaden an der Spitze. Ihr würde es gelingen, die großen Herausforderungen dieser Stadt endlich anzupacken."

Lesen Sie hier: München fühlt sich sicher – und will grillen dürfen

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