NSU-Prozess: Nun will auch Ralf Wohlleben aussagen

Erst kündigt Beate Zschäpe eine Aussage an, jetzt will wohl auch Ralf Wohlleben reden. Damit hätten nach zweieinhalb Jahren Prozessdauer alle Angeklagten ihr Schweigen aufgegeben – bis auf einen.
| dpa
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Er versteckt sein Gesicht nicht: Der Angeklagte Ralf Wohlleben (38) betritt am elften Verhandlungstag den Gerichtssaal.
dpa Er versteckt sein Gesicht nicht: Der Angeklagte Ralf Wohlleben (38) betritt am elften Verhandlungstag den Gerichtssaal.

München - Nicht nur Beate Zschäpe will jetzt im NSU-Prozess reden: Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" plant auch der mitangeklagte mutmaßliche Terrorhelfer Ralf Wohlleben eine Aussage. Das meldete das Magazin am Donnerstag. Wohlleben-Verteidigerin Nicole Schneiders lehnte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur eine Stellungnahme dazu ab.

Wohlleben wird beschuldigt, die wichtigste Tatwaffe des "NSU", die Pistole vom Typ "Ceska", beschafft zu haben. Die Bundesanwaltschaft hält ihn außerdem für die "steuernde Zentralfigur" hinter dem "Nationalsozialistischen Untergrund".

Mit der "Ceska" sollen die mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt neun türkisch- und griechischstämmige Gewerbetreibende in Nürnberg, München, Hamburg, Rostock, Kassel und Dortmund erschossen haben. Diese Morde gelten als rassistisch motiviert. Die Anklage hält die Verwendung der immer gleichen Waffe für eine verschlüsselte Form der Selbstbekennung. Beim zehnten NSU-Mord, dessen Opfer die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn war, wurden andere Waffen verwendet.

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Zschäpe muss sich in dem Prozess als Mittäterin verantworten. Sie habe zwar nicht selber geschossen, die Taten aber mitgeplant und gebilligt. Sie sei außerdem Mitglied der terroristischen Vereinigung namens "NSU" gewesen, meint die Bundesanwaltschaft. Gemeinsam mit Mundlos und Böhnhardt war sie 1998 in den Untergrund abgetaucht. In den Jahren danach soll der NSU seine Taten verübt haben.

Im NSU-Prozess haben bisher nur zwei der Angeklagten ausgesagt. Der ebenfalls als Waffenbeschaffer angeklagte Carsten S. hatte schon zu Beginn ein volles Geständnis abgelegt. Holger G., der das Trio mit Papieren und einer Tarnlegende versorgt haben soll, beschränkte sich bisher auf eine von ihm selbst vorgetragene Erklärung.

Der einzige Mitangeklagte, der nach den beiden erwarteten Aussagen noch schweigen würde, ist André E. Auch er soll das Trio während der gesamten Zeit im Untergrund bis zum Auffliegen am 4. November 2011 unterstützt haben. Im Prozess fiel er mehrfach mit provokativen Aufschriften auf seiner Kleidung auf, etwa mit dem Spruch "Brüder schweigen". Seine Verteidiger waren am Donnerstag zunächst nicht für Nachfragen zu erreichen.

Lesen Sie hier: Fünfter Anwalt will Zschäpe auch im Gericht vertreten

Offen blieb zunächst, wann Zschäpe und Wohlleben aussagen könnten. Zschäpe wollte eigentlich vergangenen Mittwoch eine Erklärung verlesen lassen. Ihr Anwalt Mathias Grasel hatte außerdem angekündigt, dass sie Fragen des Senats zulassen werde. Der Termin war aber verschoben worden, nachdem Wohlleben einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht stellte. Eine Gerichtssprecherin sagte am Donnerstag, über diesen werde bis zum Beginn der nächsten Verhandlung am Dienstag entschieden.

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