NS-Dokuzentrum: Wissenschaftler verklagt die Stadt

Streit ums NS-Dokuzentrum in München: OB Dieter Reiter soll den Kläger in seiner Ehre verletzt haben. So lief der Prozess.
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Das NS-Dokuzemtrum in München. Kläger Konrad Löw (kleines Bild) fühlt sich in seiner persönlichen Würde verletzt.
jot, dpa Das NS-Dokuzemtrum in München. Kläger Konrad Löw (kleines Bild) fühlt sich in seiner persönlichen Würde verletzt.

München - Konrad Löw (86) fühlt sich in seiner Ehre verletzt. Aber nicht nur das. Was OB Dieter Reiter in einem Brief geäußert habe, erscheint dem Wissenschaftler "existenzvernichtend". Deswegen hat er am Verwaltungsgericht gegen die Stadt München geklagt.

Darum geht der Streit: Der 86-jährige Politologe und Buchautor hatte in seinem Buch "München war anders" die Konzeption des NS-Dokuzentrums kritisiert. Unter anderem fehlen ihm dort die Aussagen von bestimmten NS-Gegnern und jüdischen Zeitzeugen.

Wissenschaftler fühlt sich in seiner Würde verletzt

In einem Brief an einen Dritten hatte der OB erklärt, dass die vom Kläger in seinem Buch geäußerten Thesen von allen am Dokumentationszentrum beteiligten Fachleuten als falsch abgelehnt werden. Dort finde entgegen der Ansicht des Klägers sehr wohl eine Diskussion statt, "jedoch auf wissenschaftlichem Niveau".

Damit werde ihm ein solches Niveau abgesprochen, ärgert sich Löw. Reiter zitierte in dem Brief den renommierten Antisemitismusforscher Wolfgang Benz. Der habe Löws Zitate als "willkürlich zusammengeklaubt" bezeichnet. Diese Aussagen soll Reiter widerrufen. Ein Entschuldigungsbrief des OB hat Löw zwar bereits erreicht, aber nicht zufriedengestellt. Der OB hatte erklärt, dass es nicht seine Absicht war, die persönliche Würde Löws zu verletzen.

In der Sache bleibt die Stadt hart. An der Konzeption seien auch Zeitzeugen beteiligt gewesen. Das Dokuzentrum soll aber zuerst an die Verbrechen der NS-Diktatur erinnern. Und die Stadt München habe in der NS-Zeit als "Hauptstadt der Bewegung" große Bedeutung gehabt, war "Täter-Stadt".

Das Verfahren wird nun schriftlich fortgeführt. Das Gericht empfahl einen erneuten Entschuldigungsanlauf des OB. Falls das nicht klappt, muss das Gericht entscheiden.

Lesen Sie hier: August Baron von Finck: Patriarch und Phantom - Münchens heimlicher Herrscher

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