August Baron von Finck: Münchens heimlicher Herrscher - er regiert die Altstadt

Der Andechser kommt weg - dahinter steckt August Baron von Finck. Er ist Patriarch, Phantom und regiert die Altstadt.
| Kimberly Hoppe
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Traditionslokal vor dem Aus: Der Andechser am Dom schließt zum 30. Juni.
Daniel von Loeper Traditionslokal vor dem Aus: Der Andechser am Dom schließt zum 30. Juni.

München - Er ist der Mann der Extreme: extrem reich, extrem scheu, extrem mächtig. August Baron von Finck junior (87) ist Münchens heimlicher Herrscher.

Dass das Traditionslokal Andechser am Dom und damit die Familie um Wirt Sepp Krätz nach 23 Jahren weichen muss - vermutlich für eine Modekette - geht auf sein äußerst pralles Konto.


August Baron von Finck 2009 bei einem seiner seltenen Auftritte. Foto:dpa

Offiziell plant die Nymphenburg Immobilien AG einen Neubau auf den Grundstücken der Weinstraße 7 und Weinstraße 7a - und diese AG gehört zum Portfolio des Multi-Milliardärs Finck. Wie sooo viel mehr.

Der Junior ist, ganz wie sein Vater, der legendäre Bankier August von Finck senior (†81, Merck Finck & Co.) bekannt dafür, das Vermögen stetig neu zu investieren - und dabei meist auch noch zu vermehren.

Fincks Dynastie wächst weiter

Der Münchner Geld- und Gold-Dynastie gehör(t)en beispielsweise: Ländereien, Banken, Stahlwerke, Brauereien (wie früher Löwenbräu), Versicherungskonzerne, Energieunternehmen, Wasserrechte (Petrusquelle) und Hotelketten (Mövenpick). Vor einigen Jahren erwarb der Junior Anteile am Gold-Konzern Degussa.

Nach AZ-Informationen bekam August von Finck, der von ganz engen Freunden Gustl genannt wird, für den Andechser am Dom an Pacht monatlich um die 60.000 Euro.

Nach einer Neuvermietung kann er ein Vielfaches verlangen. Monatsmieten von einer deutlich sechsstelligen Summe sind in der Münchner Altstadt heutzutage überhaupt nicht ungewöhnlich, wissen Experten. Dass nun wieder ein Stück Münchner Tradition stirbt, mag viele aufregen. Doch die Modeketten sind bereit, diese irren Summen zu zahlen.

"Er könnte eine Republik zum Einsturz bringen"

Offiziell lief Krätz' Pachtvertrag bis 2019, nun muss er schon zum 30. Juni raus. Auch hinter dem Immobilien-Deal mit dem Löwenbräukeller steckt August Baron von Finck. Dort wird Edi Reinbold, Wirt vom Franziskaner, der ebenfalls zum Finckschen Imperium gehört, zum 1. April einziehen. Offiziell läuft der Franziskaner-Pachtvertrag bis 2022, spätestens dann rechnen auch hier viele Münchner mit einer Shopping Mall. Und mit dem Ende eines weiteren Traditionsbetriebs. Kein Zweifel, der Baron wirkt stadtbildprägend.

Wer so ein sagenhaftes Imperium besitzt, der hat auch politische Macht. Der Baron (sein Jagdfreund war Franz Josef Strauß) ist wie sein Vater medien- und menschenscheu, möchte selbst nicht in der Öffentlichkeit auftauchen und bewegt sich am liebsten mit dem Heli fort. 1999 ist der vierfache Vater - seiner Frau Francine gehört Schloss Seeseiten am Starnberger See - in die Schweiz gezogen.

Einer, der ihn kennt, aber keinesfalls namentlich erwähnt werden möchte, sagt zur AZ : "August kann machen, was er will. Das macht er sehr gut. Er könnte auch eine Republik zum Einstürzen bringen."

Wie reich von Finck in Wahrheit ist, kann niemand genau sagen. Wahrscheinlich nicht mal er selbst. Zu verwirrend ist sein riesiges Geflecht an Besitz und Beteiligungen. Die Forbes-Liste 2015 zählte ihn mit einem Vermögen von 7,7 Milliarden Dollar auf Platz 172 der reichsten Menschen. Insider vermuten, dass er noch reicher ist.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren