"Nicht den letzten Cent aus dem öffentlichen Raum herauspressen": SPD fordert Wohnungen für diesen Platz

Grau und trist sieht der Georg-Kronawitter-Platz heute aus. Das soll sich ändern. Schon lange gibt es Pläne für eine Umgestaltung. Das sogenannte Hirmer-Parkhaus soll abgerissen werden, dafür sollen drei Neubauten und eine Fußgängerzone entstehen – mit rund 50 Bäumen. Doch bevor es losgehen kann, musste der Stadtrat zuerst einem Grundstücksdeal zustimmen. Denn auch der Stadt gehört ein großer Teil der Fläche.
Vorgesehen war schon länger ein Tauschgeschäft mit der Unternehmerfamilie Inselkammer, die auf dem Areal zwei der drei Neubauten errichten will. Der Stadtrat hat am Mittwoch in einer nicht-öffentlichen Sitzung zugestimmt, dass die Stadt ihr größeres Grundstück gegen einen Aufpreis von 59,5 Millionen Euro gegen eine kleinere Fläche tauscht, wo später die Fußgängerzone entstehen soll.
Allerdings muss sich die Stadt zu einem Drittel an den Kosten für eine Tiefgarage mit vier Untergeschossen beteiligen. Das wird die Stadt wohl mindestens 40 Millionen Euro kosten – womöglich mehr. Denn es gibt den Verdacht, dass sich im Erdreich noch Kriegsmunition befindet.
Mit einem Änderungsantrag wollte die SPD erwirken, dass die Stadt mit der Familie Inselkammer die Notwendigkeit und die Größe der Tiefgarage kritisch hinterfragt. Eine Mehrheit fand der Antrag nicht. Nicht einmal die Grünen wollten an der Tiefgarage rütteln.
Grüne: "Das Projekt scheitern zu lassen, war für uns keine Option"
Grünen-Stadträtin Sibylle Stöhr erinnert daran, dass sich ihre Fraktion immer wieder für eine Reduzierung ausgesprochen habe – "und das schon sehr frühzeitig". "Das blieb allerdings immer ohne Mehrheit", sagt Stöhr. "Inzwischen sind die Verhandlungen sehr weit fortgeschritten. Wir haben lange und hart abgewogen, das Projekt insgesamt scheitern zu lassen, war für uns aber keine Option."
Und noch einen zweiten Streitpunkt gab es: Einem Masterplan von 2019 zufolge sollten auf dem Platz nicht nur Läden, Büros und Gewerbeflächen entstehen, sondern auch Wohnungen. Die SPD fürchtet, dass dieser Plan aufgegeben wird.
Dazu muss man wissen: Die Familie Inselkammer wird nur zwei der drei Gebäude bauen. Das dritte Baufeld gehört der Stadt. In der nicht-öffentlichen Beschlussvorlage schlägt das Kommunalreferat vor, es ohne weitere Auflagen für eine rein gewerbliche Nutzung an den Meistbietenden zu verkaufen.
SPD: "Nicht den letzten Cent aus dem öffentlichen Raum herauspressen"
SPD-Chef Christian Köning ist dagegen: "Stadtgestaltung muss – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – mehr können, als den letzten Cent aus dem öffentlichen Raum zu pressen."

Die SPD schlägt in einer Mitteilung vor, dass auf dem städtischen Grundstück, auf dem aktuell das Parkhaus steht, Wohnen für junge Menschen gemeinsam mit einer Hotelnutzung entsteht. Also zum Beispiel Wohnungen für das Azubi-Werk, das Wohnungen an Auszubildende vergibt.

Die Entwicklung des städtischen Grundes solle nicht nur Touristen etwas bringen, fordert Köning. "Die Münchner Innenstadt muss ein Ort für die Münchner bleiben." Da ist er sich mit Linken-Chef Stefan Jagel einig, der günstigen Wohnraum auf dem Areal fordert.
Skeptischer klingen die Grünen: "Junges Wohnen ist prinzipiell immer eine gute Idee", sagt Sibylle Stöhr zwar – und dann folgt ein Aber: "Ob es sich an diesem Ort gut umsetzen lässt und finanzierbar ist, müsste man prüfen. Ich stelle mir das allerdings herausfordernd vor." Wenn die Stadt auf ihrem Grundstück Wohnraum vorschreibt, könnte sie wohl nicht mehr den Maximalpreis erzielen. Doch gerade kann das Rathaus jeden Cent gebrauchen. Fraglich ist auch, wie günstig die Wohnungen auf dem Filetgrundstück am Ende tatsächlich werden.
Erstaunlich ist trotzdem, wie sich die Rollen im Rathaus geändert haben. 2017, damals nannte sich der Ort noch Sattlerplatz, damals waren die Grünen noch in der Opposition, kritisierte die damalige Grünen-Stadträtin und spätere Bürgermeisterin Katrin Habenschaden die "Kommerzarchitektur" rund um den Platz. Sie forderte eine Mischung aus Wohnen, Handel, Kunst, Kultur und Gastronomie. Und Habenschaden stellte damals fest: "Aufgrund des städtischen Eigentums eines großen Teils des Sattlerplatzes ist es hier möglich, die Stadtentwicklung deutlich weitergehend zu beeinflussen als sonst."