Neue Online-Plattform "Sowon": Die Immobilienbörse für Arme

71.500 geförderte Wohnungen gehören der Stadt, 240 werden monatlich frei. Welche sind jetzt wo zu haben – und was kosten sie? Die AZ hat sich die neue Online-Plattform "Sowon" angeschaut. Ein Einblick.
| Irene Kleber
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Foto, Lage, Größe und Miete auf einen Blick: So sieht die Online-Plattform Sowon aus.
Sowon/muenchen.de Foto, Lage, Größe und Miete auf einen Blick: So sieht die Online-Plattform Sowon aus.

Es ist eine Fundgrube, in die nicht jeder Einblick hat: die neue städtische Internet-Plattform „Sowon“ (Soziales Wohnen Online), die als eine Art "Immoscout für Arme" alle Sozialwohnungen anzeigt, die die Stadt gerade zu vergeben hat.
135 Stück sind das in diesen Tagen – vom Neubau-Apartment in Riem für 263,16 Euro Warmmiete bis zur Vier-Zimmer-Wohnung in Sendling (855,72 Euro). Nur Münchner mit einem Wohnungs-Berechtigungsschein und persönlichem Zugangscode dürfen darin stöbern. Die AZ hat exklusiv einen Blick in die Datenbank geworfen – und stellt hier einige freie Wohnungen vor.

Wie viele Sozialwohnungen gibt’s?
Aktuell 71.500. Darunter alter Bestand wie die ehemaligen Arbeiterwohnungen (um 1930), die es in den meisten Vierteln gibt, Häuser aus den 60er Jahren und immer mehr Sozial-Neubauten, die gegen den "Wohnwahnsinn" entstehen. Alle sind verwaltet von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften Gewofag und GWG. Damit ist fast jede zehnte Wohnung in München eine Sozialwohnung.

Wie viele Münchner sind berechtigt?
11.500 Haushalte haben so wenig Geld, dass sie beim Wohnungsamt als "sozialwohnungsberechtigt" geführt werden. Davon haben 8.300 die höchste Dringlichkeitsstufe – vor allem Rentner, Alleinerziehende, kinderreiche Familien.

Was wird pro Jahr vergeben?
2016 sind nur 2.900 Sozialwohnungen frei geworden, vor allem solche für Singles. Während Alleinsucher also im besten Fall zwei Jahre auf eine Wohnung warten müssen, brauchen Familien drei bis fünf Jahre Geduld.

Intern gab es bislang häufig Frust und Ärger bei der Vergabe, warum?
Das System war bisher sehr umständlich: Wurde eine Wohnung frei, dann wurde sie den jeweils fünf Bedürftigsten auf der Warteliste zugewiesen (entsprechend deren Einkommen, Haushaltsgröße und Lage-Wünschen). Häufig aber lehnten die Sucher den Vorschlag ab – mit der Folge, dass massenhaft Arbeitsstunden der 45 Mitarbeiter vergeudet wurden und Sozialwohnungen teilweise vier oder fünf Wochen leer standen.

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"Wir mussten wie ein Makler für manche Wohnungen bis zu 14 Leute anschreiben, bis sich einer dafür entschieden hat", berichtet Thomas Klimm von der Sozialen Wohnraumversorgung im Wohnungsamt. "Mal passte die Lage nicht, dann die Größe oder die Ausstattung".

Wie gut funktioniert das neue System über Sowon?
"Viel schneller und transparenter für alle", sagt Klimm. "Weil die Leute sich jetzt selbst nur noch auf die infrage kommenden Wohnungen bewerben, in die sie auch gerne einziehen würden." 500 Bewerber hätten seit Anfang November schon neue Mietverträge unterschrieben.

Wie groß ist die Chance, eine Wunsch-Wohnung zu ergattern?
Das kann man auf Sowon abschätzen, denn die Zahl der Interessenten für eine Adresse wird angezeigt. Das waren für eine Familienwohnung am Westfriedhof (3,5 Zimmer, Balkon) letzte Woche zum Beispiel 547 Bewerber. Für ein Ein-Zimmer-Apartment in Sendling (Baujahr 1955, Gasetagenheizung) dagegen exakt nur: einer.

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So läuft die Vergabe:

  • Wer sich um eine Sozialwohnung bewerben möchte, stellt beim Amt für Wohnen und Migration (Franziskanerstraße 8) persönlich oder per Post einen Wohnungsantrag.
  • Voraussetzungen: Hauptwohnsitz in München, niedriges Einkommen (es gibt verschiedene Grenzen, z.B. Single unter 12.000 Euro/Jahr), soziale Dringlichkeit.
  • Wer berechtigt ist, bekommt einen Registrierungsbescheid mit eigenen Zugangsdaten für die Online-Plattform Sowon.
  • Damit kann man nur freie Wohnungen sehen, die zur Registrierung passen (Singles sehen also kleine Wohnungen, Familien größere; manche Wohnungen sind auch an Einkommensgrenzen gebunden). Man kann sich für drei Wohnungen gleichzeitig bewerben.
  • Nach der Bewerbungsfrist erfährt man online, ob man unter den fünf dringlichsten Bewerbern ist, besichtigt die Wohnung und sagt auf der Webseite zu oder ab.
  • Der Vermieter entscheidet, wer Mieter wird.

Genauere Informationen finden Sie hier.


Berg am Laim - Hier ist eine Single-Wohnung frei:

Wiesen und Obstbäume in der ganzen Siedlung, die U-Bahn Innsbrucker Ring nebenan: In diesem Gewofag-Altbau im Münchner Osten wird am 1. Mai eine hübsche 1-Zimmer-Sozialwohnung mit Küche, Bad und WC frei (EG, kein Lift, keine Garage). Über die Plattform Sowon können Berechtigte sich online bewerben.

Wo: Berg am Laim, Siedlung an der Achentalstraße
Größe: 32 m²
Baujahr: 1939
Warmmiete: 336 Euro (inkl. 39 Euro Betriebskosten)
Kaution: 892,80 Euro
Heizung: Elektroheizung
Balkon: nein (aber großer Garten in der Anlage)
Extras: Keller, Kabelanschluss
Frei ab: 01.05.2017

2-Zimmer-Wohnung in Harlaching:

Dieser Gewofag-Altbau hat zwar keinen Lift, aber gut geschnittene Wohnungen. Im März wird eine altengerechte Sozialwohnung im Erdgeschoss frei.

Wo: Harlaching
Größe: 2 Zimmer, 46 m²
Baujahr: 1929
Warmmiete: 392,50 Euro inkl. 82 Euro Betriebskosten
Kaution: 931,50 Euro
Heizung: Elektroheizung
Balkon: nein
Extras: Keller, Kabel
Frei ab: 01.03.2017

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3 Zimmer in Aubing:

Die Fassade ist Geschmackssache, dafür hat dieses Wohnhaus viele Balkone mit Blick ins Grüne. Im 4. Stock wird eine 3-Zimmer-Sozialwohnung frei.

Wo: Aubing, Wildenrother Straße
Größe: 77,23 m²
Baujahr: 1977
Warmmiete: 621,36 Euro inkl. 71 Euro Heiz- und 155 Euro Betriebskosten
Kaution: 1.186,08 Euro
Heizung: Zentralheizung
Balkon: Loggia
Extras: Keller, Kabel
Frei ab: 01.04.2017

Apartment in Riem:

Große Fenster, Parkett, viel Licht: Im 3. Stock dieses Neubaus (Erstbezug) ist ein Apartment zu haben.

Wo: Riem, Londonstraße
Größe: 32,11 m²
Baujahr: 2016
Warmmiete: 293,16 Euro (inkl. 46,56 Euro Heizkosten und 65,18 Euro Betriebskosten
Kaution: 544,26 Euro
Heizung: Zentralheizung
Balkon: nein
Extras: Keller, Kabelanschluss, barrierefrei
Frei ab: 01.04.2017

4-Zimmer-Wohnung mitten in Sendling:

Drei große und ein kleines Zimmer: Im 1. Stock dieser Wohnanlage im Grünen wird im März eine Familien-Sozialwohnung frei.

Wo: Sendling
Größe: 4 Zimmer, 91 m²
Baujahr: 1984
Warmmiete: 855,72 Euro inkl. 168 Euro Heiz- und 177 Euro Betriebskosten
Kaution: 1.532,16 Euro
Heizung: Zentralheizung
Balkon: Loggia
Extras: Keller, Kabel
Frei ab: 10.03.2017

Villa in Obermenzing:

Ein Schmuckstück in Obermenzing: Diese alte Villa (ohne Lift) wird von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag verwaltet. Im Februar wird im 2. Stock eine 3-Zimmer-Sozialwohnung frei.

Wo: Obermenzing
Größe: 3 Zimmer, 73 m²
Baujahr: 1928
Warmmiete: 875,61 Euro (inkl. 85 Euro Heiz- und 173 Euro Betriebskosten)
Kaution: 1.852,83 Euro
Heizung: Zentralheizung
Balkon: Loggia
Extras: Kabelanschluss
Frei ab: 10.02.2017

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