Neubaugebiet im Nordosten: Pferdesport oder Polizistenbude?

Zu den Planungen gebe es keine Alternative, so die Bauministerin. Es soll nicht nur für Staatsbedienstete gebaut werden.
| Gaby Mühlthaler
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Einer der Entwürfe für das neue Quartier im Nordosten, wo einmal bis zu 30.000 Bürger leben sollen.
Einer der Entwürfe für das neue Quartier im Nordosten, wo einmal bis zu 30.000 Bürger leben sollen. © rheinflügel severin / bbz landschaftsarchitekten

München - Im Nordosten Münchens wird ein Neubaugebiet entwickelt. Der Widerstand der Landwirte ist ohnehin groß. Nun heizen Pläne des Freistaats auf der dortigen Olympia-Reitanlage den Konflikt an.

Großer Streit um die SEM Nordost

An den Plänen für die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Nordost (SEM Nordost) scheiden sich die Geister. Planungsreferat und Stadtrat wollen im 600 Hektar großen Bereich an der nordöstlichen Stadtgrenze Wohnungen für bis zu 30.000 Menschen und 10.000 neue Arbeitsplätze schaffen, während Bürger aus dem vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Gebiet die Zerstörung ihres Umfelds und ihrer Existenz befürchten.

Landwirte fürchten um ihren Grund

Sie haben sich in der "Initiative Heimatboden" organisiert, denn Landwirte säen und ernten dort seit Generationen und wollen das auch in Zukunft tun. Mit der vom Stadtrat ausgewiesenen "Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme" wurden die Bodenpreise eingefroren, verkaufsunwillige Grundbesitzer können enteignet werden.

Stadtspitze und Stadtrat betonen, dies sei das letzte Mittel, doch bei den Betroffenen schrillen die Alarmglocken. Im Mai stellte das Planungsreferat klar, dass die SEM ein Mehrgenerationenprojekt sei und der Entwurf des Düsseldorfer Architekturbüros Rheinflügel Severin und der Berliner BBZ Landschaftsarchitekten, der nun verfolgt wird, dazu die nötigen Spielräume lasse.

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Kommt eine mosaikartige Entwicklung?

Mosaikartig könnten Bereiche entwickelt werden, andere dann Jahrzehnte später. Wer Bauer in nächster Generation bleiben wolle, könne das tun, andere könnten verkaufen. Der Bund Naturschutz hält die Bebauung von nur 91 Hektar (10.000 Bürger) für verträglich.

Neue Pläne - neuer Ärger

Neuen Ärger gibt es, weil das Planungsreferat das Gebiet nun über die Olympia-Reitanlage erschließen und der Freistaat dort geförderte Wohnungen bauen will. Der Truderinger Bezirksausschuss (BA) hat dem gegen die Grünen-Fraktion mehrheitlich zugestimmt, der Bogenhauser BA hat abgelehnt.

Truderings Grünen-Sprecher Herbert Danner ist empört: "Das widerspricht dem Ergebnis des Wettbewerbs, in dem vollständig auf die Überplanung der Reitanlage verzichtet wurde!" Die habe wertvollen Baumbestand und sei dem Pferdesport gewidmet. Die neue Verkehrsführung greife in wertvolle Flächen ein.

München braucht bezahlbaren Wohnraum

Auf Anfrage des Landtagsabgeordneten Markus Rinderspacher (SPD) stellt Bauministerin Kerstin Schreyer (CSU) klar: "Die Realisierung von Wohnungen auf dem Gelände der Olympia-Reitanlage ist alternativlos". Der Grund: München brauche bezahlbaren Wohnraum, genau hier habe der Freistaat aber nur wenig geeignete Flächen.

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Der Bund, neben Freistaat und Landeshauptstadt Partner des Konsortialvertrags von 1972, der die Grundlage für die Nutzung von Teilflächen des Areals bilde, habe Wohnungen zugestimmt. Dennoch könnten Reiterstaffel sowie Pferdesport- und zucht berücksichtigt werden. "Ziel ist daher, eine für alle Nutzungen verträgliche Lösung zu finden", schreibt Schreyer.

2030 läuft der Pachtvertrag aus

Für die bestehende Anlage gebe es weder Denkmal- noch Artenschutz, die ökologisch bedeutsamen Flächen entlang des Hüllgrabens und den alten Baumbestand werde man bei der Planung berücksichtigen. Der Pachtvertrag mit der Olympia-Reitanlagen GmbH - Pachtzins 341.500 Euro pro Jahr - laufe Ende 2030 aus.

Nicht nur für Staatsbedienstete soll gebaut werden

Bauen sollen die staatlichen Wohnungsbaugesellschaften Bayernheim und Stadibau nicht nur für Staatsbedienstete. Für einen etwaigen Grundstückstausch sei man offen, zur möglichen Erschließungsstraße und einer Tram-Trasse durchs Gelände könne man erst Stellung nehmen, wenn über die künftige Nutzung der Fläche entschieden sei, so die Ministerin.

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