Nachts, wenn alle Hemmungen fallen: Münchner machen auf eigene Faust kräftig Party

Clubs, Bars und Discos sind noch immer dicht. Mangels Alternativen sind viele nachts auf den Straßen unterwegs, um zu feiern und zu trinken.
| Ralph Hub
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Ein 18-Jähriger tanzt auf einem Streifenwagen am Hauptbahnhof, während die Menge ringsum begeistert grölt und Beifall klatscht.
Ein 18-Jähriger tanzt auf einem Streifenwagen am Hauptbahnhof, während die Menge ringsum begeistert grölt und Beifall klatscht. © Bundespolizei

München - Das Nachtleben in der Stadt erwacht aus der Totenstarre nur quälend langsam. Manche coronabedingten Einschränkungen sind aufgehoben, doch vielen geht die Rückkehr zur Normalität nicht schnell genug. Die Polizei richtet sich für den Sommer auf heiße und einsatzträchtige Nächte ein - vor allem an den kommenden Wochenenden.

Auf Mallorca läuft die Party längst, im Bierkönig wird gefeiert wie eh und je. Maskenpflicht und Ausgangssperre sind aufgehoben. In Deutschland wartet man dagegen vergebens darauf, dass es wieder losgeht: Nachtclubs und Discos bleiben geschlossen.

Außengastro ab 22 Uhr zu - Party geht weiter

Biergärten und Lokale, die im Außenbereich Gäste bewirten dürfen, müssen um 22 Uhr die Leute auf die Straße setzen. Doch die wenigsten haben um diese Uhrzeit Lust, sich ins Bett zu legen. Die Party geht dann auf der Straße weiter, abseits der Bereiche, in denen nachts ein striktes Alkoholverbot gilt, wie in der Fußgängerzone, am Viktualienmarkt, dem Gärtnerplatz oder dem Wedekindplatz. Doch selbst dort feierten am Mittwochabend rund 150 Leute trotz des Alkoholverbots.

Viele Nachtschwärmer weichen aus - beispielsweise ins Bahnhofsviertel. Am Mittwoch kurz nach Mitternacht parkte am Ausgang zur Arnulfstraße ein Streifenwagen der Bundespolizei. Plötzlich kletterte ein 18-Jähriger über die Motorhaube aufs Dach des 5er Touring und fing an, darauf zu tanzen.

Rund 30 überwiegend junge Leute standen um den Wagen herum, klatschten, jubelten und feierten den Tänzer aus Obergiesing. Die Polizei nahm den 18-Jährigen und einige seiner Begleiter wenig später im Zwischengeschoss des Hauptbahnhofs fest. Ein Alkoholtest ergab bei ihm knapp über ein Promille. Den Schaden am BMW in Höhe von einigen Tausend Euro muss er bezahlen.

Mehr als 1.000 Feierwütige im Uni-Viertel

Auch im Uni-Viertel geht es ab. Mehr als 1.000 Menschen feierten in der Nacht auf Donnerstag zwischen Odeonsplatz und LMU. Rund 250 Leute drängten sich am Eingang zum Hofgarten. Die Stimmung war ausgelassen, Musik dröhnte. "Etliche Personen waren erheblich alkoholisiert", so Polizeisprecher Ronny Ledwoch, "fielen durch Ruhestörungen auf oder hielten sich nicht an die vorgegebenen Abstände zueinander."

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Hunderte Personen feiern im Bereich der Ludwigstraße

Gegen 1.45 Uhr nachts löste die Polizei schließlich die Feier auf. Bei rund 150 Personen mussten die Beamten mit sanftem Druck nachhelfen. Erst um 3.30 Uhr war am Hofgarten wieder Ruhe. Vier Feiernde kamen in Polizeigewahrsam, elf weitere wurden angezeigt wegen Verstößen gegen die Coronamaßnahmen, sechs Personen erhielten eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung.

Etwa zur selben Zeit feierten ein paar Hundert Meter die Ludwigsstraße hoch mehrere Hundert Personen auf den Stufen zur Ludwigskirche. Auch hier laute Musik, Alkohol und jede Menge Radau. Als die Polizei die Party gegen 1.45 Uhr beenden wollte, war es schnell vorbei mit der lockeren Stimmung.

Die Beamten forderten die Leute auf, zu gehen, doch kaum jemanden interessierte das. Die Polizisten setzten schließlich ihre Schlagstöcke ein, die sie quer vor den Körper hielten und so etwa 50 der Nachtschwärmer abdrängten. "Die Stimmung war bisweilen gereizt, etliche Leute waren wenig kooperativ", sagt Polizeisprecher Ledwoch. "Manche haben regelrecht darauf gewartet, dass die Beamten aktiv werden." Wenn der Sommer weiter an Fahrt gewinnt und die Nächte noch wärmer werden, stellt sich die Polizei darauf ein, dass es vor allem an den Wochenenden noch mehr heikle Corona-Einsätze an den Hotspots in der Stadt geben wird.

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