Nach Zoff um Stolpersteine: Stelen zur Erinnerung an Münchner NS-Opfer

Jahrelang gab es in München Zoff um die Stolpersteine. Jetzt beschließt der Stadtrat die Alternative, die den Konflikt befrieden soll.
| Felix Müller
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Kleine Messingtafeln auf den Gehwegen, sogenannte Stolpersteine. Das kleine Bild zeigt, wie die Stelen aussehen könnten.
Stadt München Kleine Messingtafeln auf den Gehwegen, sogenannte Stolpersteine. Das kleine Bild zeigt, wie die Stelen aussehen könnten.

München - Es war ein Streit, für den es keine Lösung zu geben schien. Die Seiten standen sich unerbittlich gegenüber. Jene Initiativen, die unbedingt auch in München Stolpersteine auf öffentlichem Grund verlegen wollten, kleine Messingtafeln auf den Gehsteigen, die an den letzten Wohnorten an von den Nazis verschleppte und ermordete Menschen erinnerten.

Und die Gegner der Tafeln, unter ihnen die Israelitische Kultusgemeinde (IKG). Sie lehnten die kleinen Mahnmale ab, weil Menschen achtlos darauf herumtrampelten, sie leicht verdreckt würden. Und, weil der Künstler Gunter Demnig in die Kritik geriet. Zum Beispiel, weil er in anderen Städten auch gegen den Willen von Angehörigen Steine verlegt hatte.

Nach Zoff ein Kompromiss

Der Münchner Stadtrat einigte sich schließlich auf einen Kompromiss. Im Juli 2015 entschied er, mit Erinnerungstafeln und Stelen an verschleppte und ermordete Münchner zu erinnern. Jetzt liegt der Entwurf vor, wie sich die eigens einberufene Jury die Tafeln vorstellt. Nach AZ-Informationen will Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) den Stadtrat bald den Start des Projekts beschließen lassen.

Möglichst sollen an den Hauswänden Erinnerungstafeln angebracht werden, dazu müssen die Eigentümer zustimmen. Die Edelstahltafeln können vertikal wie horizontal angebracht werden. Es handelt sich um Schilder aus Edelstahlblech.

Auf den Schildern sollen per Laser gelocht der Wohnort, der Vor- und Nachname, das Geburtsjahr, der Geburtsort und Angaben zum Schicksal des Betroffenen (tot, ermordet, Schicksal unbekannt) angebracht werden. Außerdem schlägt Küppers vor, dass auf Wunsch von Angehörigen ein Porträt "als gerastertes Bildelement" angebracht wird.

Allerdings soll auf Anregung des Stadtarchivs noch einmal untersucht werden, wie mit dem Einwand umzugehen ist, dass in vielen Fällen keine Angehörigen mehr gefunden werden können und somit viele Opfer der Nazis nicht mit einem Bild erinnert werden könnten.

Statt Wandtafeln auch Stelen möglich

Alternativ zu den Wandtafeln sollen 1,80 Meter hohe Stelen vor Häusern aufgebaut werden können, auf denen eine vergoldete Edelstahlhülle (Größe: 6 mal 6 Zentimeter) integriert wird: Das Porträt und die Schrift verteilen sich auf zwei Seiten.

Der Stadtrat soll zunächst die Finanzierung von 100 Stelen und 100 Wandtafeln beschließen. Auch Initiativen können die Finanzierung selbst übernehmen. Auf das Engagement der Münchner setzt die Stadt ohnehin: Anwohner-Gruppen, Schulklassen, Einzelpersonen sollen die Gedenkorte in den Vierteln initiieren – damit in der eigenen Nachbarschaft die Erinnerung wachgehalten wird.

Die Initiative Stolpersteine verlegt an diesem Samstag Steine (auf privatem Grund): um 14 Uhr an der Pestalozzistraße 36, um 14:45 Uhr an der Baumstraße 4, um 15:30 Uhr an der Landwehrstraße 20.

Lesen Sie auch: AZ-Kommentar - Stelen statt Stolpersteine? Noch kein Durchbruch

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