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Nach totalem Surfverbot an der Eisbachwelle: So reagiert die Surfcommunity

Das Surfen auf dem Eisbach ist vorerst verboten, das gab die Stadt am Mittwoch bekannt. Ein Ende für die Welle im Englischen Garten ist dies aber nicht.
von  André Wagner
Die Eisbachwelle am Freitagvormittag (6.2.). Bislang türmt sich nur eine Miniwelle auf einer Seite auf. Surfen bleibt erstmal weiter verboten.
Die Eisbachwelle am Freitagvormittag (6.2.). Bislang türmt sich nur eine Miniwelle auf einer Seite auf. Surfen bleibt erstmal weiter verboten. © Daniel von Loeper

Seit die Eisbachwelle vor über 100 Tagen der Bachauskehr zum Opfer fiel, wird daran gearbeitet, den Münchner Hotspot für Surfer zurückzubringen. Vergangenen Mittwoch (4. Februar) fand ein erster "Vorversuch" der Surfer unter Leitung des Strömungsexperten Robert Meier-Staude an der Eisbachwelle statt. Erste Ergebnisse des Versuchs wurden bei einem Treffen von Vertretern der Stadt, dem Wasserwirtschaftsamt und der Surfcommunity im Rathaus erörtert. Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass noch weitere Vorversuche notwendig seien, um beurteilen zu können, welche Maßnahmen nötig sind, die beliebte Eisbachwelle wieder in Gang zu bringen.

Die Eisbachwelle steht – teilweise

Inzwischen gibt es einen ersten Erfolg: Wie die Stadtverwaltung mitteilt, steht die Welle am Eisbach teilweise wieder – und zwar ohne Einbauten. Es wurde auch schon wieder gesurft. Ein kleiner Erfolg auf dem Weg zurück zur alten stehenden Eisbachwelle. Allerdings sei man sich gemeinsam mit der Surfcommunity einig, dass die Situation vor Ort noch zu gefährlich ist. Es bestünde aktuell Lebensgefahr. Der Grund: Zum größten Teil handele es sich noch um Weißwasser, das nicht surfbar sei. Die Walze trägt nicht zuverlässig und kann Surfende unter Wasser ziehen – ein Freischwimmen sei kaum möglich.

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Lebensgefahr: Surfen auf der Eisbachwelle bis auf Weiteres verboten

Da hier die unmittelbare Gefahr des Ertrinkens bestehe, ist das Surfen auf der Eisbachwelle während der Vorversuchsphase aus Sicherheitsgründen weiterhin verboten, wie auch einer gemeinsamen Erklärung von OB Dieter Reiter (SPD) und Vertretern der Münchner Surfcommunity zu entnehmen ist.

Die Eisbachwelle am Freitagvormittag (6.2.). Bislang türmt sich nur eine Miniwelle auf einer Seite auf. Surfen bleibt erstmal weiter verboten.
Die Eisbachwelle am Freitagvormittag (6.2.). Bislang türmt sich nur eine Miniwelle auf einer Seite auf. Surfen bleibt erstmal weiter verboten. © Daniel von Loeper

Aus diesem Grund hat die Stadt München am Mittwoch in einer neuen Allgemeinverfügung das Surfen auf der Eisbachwelle verboten. Wörtlich heißt es: "Das Befahren des Eisbachs mit kleinen Fahrzeugen ohne eigene Triebkraft (insbesondere Surfbretter) im Bereich der Eisbachwelle am Haus der Kunst von der Prinzregentenbrücke bis 50 m nördlich der Prinzregentenbrücke in der Landeshauptstadt München ist bis auf Weiteres verboten."

Verbot soll Leben von Surfern und Rettungskräften schützen

In einer öffentlichen Mitteilung betont die Stadt, dass das Verbot vor allem dem Schutz der Surfer diene. Aber es geht nicht nur um die Liebhaber des adrenalingeladenen Hobbys: Mit dem temporären Verbot sollen auch die Rettungskräfte, die sich bei den Einsätzen selbst in Lebensgefahr begeben müssten, geschützt werden.

Nach Totalverbot: Surf Club veröffentlicht offenen Brief

Bei der Münchner Surfcommunity kam die neue, verschärfte Allgemeinverfügung, die das Surfen auf der Eisbachwelle nun vollständig verbietet, wie zu erwarten, alles andere als gut an. In einem offenen Brief zeigt der Surf Club München sein Unverständnis über das vollständige Surf-Verbot.

In dem Schreiben, welches an OB Dieter Reiter, den Stadtrat, die OB-Kandidaten sowie die Münchner und Münchnerinnen adressiert ist, stellt der Verein klar, dass die Surferinnen und Surfer in München niemals darum gebeten hätten, das Surfen auf der Eisbachwelle einzustellen. Es wird darauf hingewiesen, dass die bisherige Lösung über Jahrzehnte funktioniert hätte – mit klaren Regeln, gegenseitiger Rücksichtnahme und einem hohen Maß an Eigenverantwortung.

Die Argumentation der Stadt, dass durch das Weißwasser Lebensgefahr bestünde, könne der Surf Club nicht nachvollziehen, da, nach eigener Ansicht, "talentierte Surferinnen und Surfer auch unter schwierigeren Bedingungen mit höherem Weißwasseranteil surfen können."

Der Surf Club fordert jetzt die unverzügliche Aussetzung der Allgemeinverfügung vom 10. Februar 2026 sowie Transparenz über die Entscheidungsgrundlagen.

FDP-Stadtrat: "Paragraphen-Reiter hat mit der heutigen Allgemeinverfügung klar gesagt, wo er steht"

Auch FDP-Stadtratskandidat und Klinikchef Aljoscha Lubos, der die Eisbachwelle mit 500.000 Euro aus eigener Tasche unterstützen will, stößt das Totalverbot sauer auf.
"Paragraphen-Reiter hat mit der heutigen Allgemeinverfügung klar gesagt, wo er steht: Er ist gegen die Eisbachwelle. Er ist gegen Kultur. Er ist gegen das Münchner Lebensgefühl." 

Weiter kritisiert Lubos: "Ich sage klar: Dieses Verbot ist ein politisches Armutszeugnis. Wer nicht den Mut hat, für Freiheit, Lebensgefühl und Münchner Identität einzustehen, der sollte nicht an der Spitze dieser Stadt stehen."

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