Nach tödlichem Streit um Handy: Messerstecher wegen Mordes vor Münchner Gericht

Ein 23-Jähriger muss sich wegen Mordes vor dem Landgericht verantworten.
| John Schneider
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Der Angeklagte und sein Anwalt Peter Schneider.
Der Angeklagte und sein Anwalt Peter Schneider. © Daniel von Loeper

München - "Alles war voller Blut." Der 20-jährige Azubi im Zeugenstand wird den schrecklichen Moment, als sein 17-jähriger Freund vor einer Tankstelle in Stachus-Nähe erstochen wurde, wohl nie wieder aus dem Kopf bekommen.

Der Mann, der damals zugestochen haben soll, ein heute 23-jähriger Afghane, sitzt am Freitag auf der Anklagebank des Landgerichts. Er gibt den Messerangriff zu. Aber seine Version des Tathergangs vom Karfreitag 2019 unterscheidet sich stark von dem Ergebnis der Ermittlungen.

Streit um beschädigtes Handy eskaliert

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass zwei Gruppen in Streit geraten waren, weil einer der Beteiligten glaubte, das spätere Opfer habe ihn gegen seinen Willen mit einem Smartphone gefilmt. Die beiden Kontrahenten konnten zunächst getrennt werden.

Doch als das Opfer nachschaute, erkannte es, dass das Display des Handys bei dem Gerangel zerbrochen war. Sein Freund war "sehr traurig", berichtet der Zeuge. Also wollte die Gruppe um den 17-Jährigen den Übeltäter zur Rede stellen und ihn fragen, ob er für den Schaden aufkommt oder ob die Polizei gerufen werden muss.

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Auch Zeuge wird bei Messerstecherei am Stachus verletzt

Bei diesem zweiten Aufeinandertreffen sei dann der Angeklagte dazugestoßen. Es kam zum Streit und der 23-Jährige soll das arglose Opfer dabei laut Anklage mit einem Messer zwei Mal in den Oberkörper und mehrere Male in die Beine gestochen haben.

Auch der Zeuge hatte etwas abbekommen. "Meine Hose fühlte sich plötzlich warm und feucht an", sagt er. Es stellte sich heraus, dass er selber drei Stichverletzungen aufwies.

Drei Wochen später erlag sein Freund den Verletzungen. Einen Tag zuvor war der geflüchtete Täter in Paris festgenommen worden.

Nach tödlichem Messerangriff: Täter gibt Opfer Mitschuld

Der Angeklagte berichtet beim Prozessauftakt, dass er kurz vor der Tat erfahren habe, dass Vater und Bruder in Afghanistan ums Leben gekommen seien. Danach habe er mehrere Bier und Ecstasy-Tabletten konsumiert.

Er gibt dem Opfer eine Mitschuld. Der 17-Jährige habe zugeschlagen. Der Angeklagte will dann von vier Männern mit Schlägen und Tritten traktiert worden sein. Daraufhin habe er ein Klappmesser gezogen und zugestochen. "Ich wusste nicht, was ich da eigentlich tue", sagt er. Der Prozess wird fortgesetzt.

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