Nach Teufelsrad-Ärger: Weitere Figuren auf der Wiesn verhüllt

Nach der Debatte um freizügige Deko-Damen am Teufelsrad auf der Wiesn muss auch das Fahrgeschäft Happy Sailor zwei Figuren neu gestalten. Die eine bekommt einen Muschel-BH, die andere eine neue Kopfbemalung. Was die Schaustellerin dazu sagt.
Irene Kleber |
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Das Fahrgeschäft Happy Sailor aus dem Jahr 1979 ist mit Piraten und Meerjungfrauen dekoriert – und kommt mit veränderten Figuren auf die Wiesn.
Das Fahrgeschäft Happy Sailor aus dem Jahr 1979 ist mit Piraten und Meerjungfrauen dekoriert – und kommt mit veränderten Figuren auf die Wiesn. © via imago-images.de

Die Aufregung um die übermalten Kunststoff-Damen am Teufelsrad (AZ berichtete) ist kaum abgeklungen, da kommt raus: Auf der Wiesn, die in gut zwei Wochen am 19. September beginnt, werden noch mehr historische Figuren verhüllt oder überpinselt sein.

Auch beim Rundfahrgeschäft Happy Sailor hat die städtische Gleichstellungsstelle zwei Figuren offenbar als anstößig und nicht mehr zeitgemäß identifiziert. Zum einen geht es um den Schiffskapitän, der zur Seemanns- und Piratengestaltung mit Juwelen in einer Schatzkiste gehört. Betreiberin Verena Krug (48) hat den Kapitänskopf im Juli von einem Fachbetrieb übermalen lassen. Nicht ganz freiwillig freilich.

"Mit der Zusage der Stadt für die kommende Wiesn hat man mich aufgefordert, den Kapitän bitte so nicht mehr aufzustellen", erzählt Verena Krug, die einer großen Münchner Schaustellerfamilie angehört, der AZ. "Der sei mit den schlitzigen Augen zu charakteristisch." Zuerst hatte "T-Online" darüber berichtet. Das für die Wiesn zuständige Wirtschaftsreferat habe "die karikaturhafte Überzeichnung asiatischer Gesichtszüge" an der Kapitänsfigur moniert, heißt es in dem Bericht.

So sah die alte Kapitänsfigur mit Zöpferlbart am Wiesn-Fahrgeschäft Happy Sailor aus.
So sah die alte Kapitänsfigur mit Zöpferlbart am Wiesn-Fahrgeschäft Happy Sailor aus. © Verena Krug, Happy Sailor

"Immer als humorvolle Dekofigur verstanden"

Der Kapitän gehört seit Jahrzehnten zu dem Rundfahrgeschäft vom Typ Seesturmbahn aus dem Jahr 1979, bei dem sich drehende Gondeln auf rasante Berg- und Talfahrt gehen. Verena Krug und Dirk Högerle hatten es erst vor ein paar Jahren übernommen und restauriert – und kamen damit 2025 zum ersten Mal auf die Wiesn.

"Den Kapitän habe ich immer als humorvolle Dekofigur verstanden", sagt die Schaustellerin. "Ich empfinde die Figur überhaupt nicht als rassistisch." Zur Umgestaltung entschlossen habe sie sich trotzdem – auch weil man mit Blick auf künftige Zulassungen die Wünsche der Stadt schon besser berücksichtigen sollte, wie sie sagt. Ein Trost für sie: "Die Übermalung hat 800 Euro gekostet, aber ich finde den neuen Kapitän ziemlich cool, auch wenn ich mich vorher geärgert habe."

Die Meerjungfrau am Happy-Sailor-Fahrgeschäft von 1979 – hier noch halbnackert.
Die Meerjungfrau am Happy-Sailor-Fahrgeschäft von 1979 – hier noch halbnackert. © via imago-images.de

"Finde ich persönlich nicht anstößig"

Dass auch ihre halbnackerte Meerjungfrau am Fahrgeschäft noch Ärger bringen könnte, habe sich schon auf der letzten Wiesn angebahnt. Da habe man sie freundlich vorgewarnt, dass eine Art Busen-Kontrolle vorbeischauen werde und dass sie der Figur besser etwas anziehen soll. "Also hab ich unserer Meerjungfrau einen Muschel-BH übergezogen, das ist ja schnell gemacht." Wobei sie auch diese Figur persönlich nicht anstößig finde. "Es gibt Frauen, die ihre Babys in der Öffentlichkeit stillen, wo ist denn da ein Problem, wenn man mal einen Busen sieht?"

Auf der Wiesn wird man die Figur aber nur noch obenherum verhüllt sehen. Die Betreiberin hat ihr einen Muschel-BH angezogen.
Auf der Wiesn wird man die Figur aber nur noch obenherum verhüllt sehen. Die Betreiberin hat ihr einen Muschel-BH angezogen. © Verena Krug, Happy Sailor

Schausteller in sechster Generation

Das Teufelsrad, von dem zuletzt so viel die Rede war, habe übrigens früher mal der Bruder ihrer Oma betrieben. Auch ihre Mutter, die Tante und einige Onkel seien Wiesn-Schausteller. "Unsere Familie macht das in sechster Generation", sagt Verena Krug. "Ich finde, man darf unterschiedliche Auffassungen dazu haben, was zeitgemäß ist, und ich will mit niemandem Streit. Die Menschen sollen einfach nur bei uns Spaß haben."

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