Nach Freilassung: Vergewaltiger stellt sich Anklage

Tatort Goethestraße: An seinem 18. Geburtstag verging sich der Mann an einer ihm völlig unbekannten Frau (32). Am Dienstag begann der Prozess. Der Angeklagte kam spät, aber er kam.  
| John Schneider
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Sein Gesicht verbirgt er hinter Aktendeckeln: Hans P. (Name geändert) kam in Begleitung seines Anwalts Ulrich Ziegert.
jot Sein Gesicht verbirgt er hinter Aktendeckeln: Hans P. (Name geändert) kam in Begleitung seines Anwalts Ulrich Ziegert.

Tatort Goethestraße: An seinem 18. Geburtstag verging sich der Mann an einer ihm völlig unbekannten Frau (32). Am Dienstag begann der Prozess. Der Angeklagte kam spät, aber er kam.

München – Die spannende Frage am Dienstag im Justizzentrum: Kommt er oder kommt er nicht? Und der angeklagte Vergewaltiger Hans P. (19, Name geändert) machte es tatsächlich spannend, ließ sich über zwanzig Minuten Zeit bevor er den Gerichtssaal betrat. Dann erschien er in Begleitung seines Anwalts, das Gesicht verborgen hinter Aktendeckeln.

Vor der Jugendkammer muss sich der Schüler wegen Vergewaltigung einer 32-jährigen Münchnerin verantworten. Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil die Justiz den Mann vor wenigen Wochen frei lassen musste (AZ berichtete). Es war nicht gelungen, in angemessener Zeit, den Prozessauftakt zu starten. Der Grund: Personalmangel und Überlastung der Gerichte.

Knapp ein Jahr saß der mutmaßliche Vergewaltiger Hans P. bereits in Stadelheim in Untersuchungshaft. Unangemessen lang, stellte das Oberlandesgericht aufgrund von Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts fest. Nicht das einzige Versäumnis der Justiz in diesem Fall: Es wurde auch vergessen, dem Opfer über die Freilassung ihres Peinigers zu berichten.

Dem Baden-Württemberger werden Vergewaltigung, Körperverletzung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Laut Anklage soll er am 7. Juli vergangenen Jahres, seinem 18. Geburtstag, zugeschlagen haben.

Das Tatgeschehen: Unter dem Vorwand, er wolle einen Freund im 5. Stock besuchen, betrat Hans P. am frühen Morgen mit seinem 32-jährigen Opfer das Haus in der Goethestraße. Als die Frau in den Aufzug einsteigen wollte, griff sie der junge Mann an, würgte sein Opfer und griff ihr in die Hose.

Die Frau wehrte sich vehement gegen den Angreifer, schrie um Hilfe. Der Sex-Täter zerrte sie daraufhin aus Angst vor Entdeckung in den Keller. Dort stieß er sie mehrfach zu Boden und vergewaltigte sie. 30 Minuten dauerten die Qualen und die Todesangst. Das Opfer trug unter anderem Hämatome und Schürfwunden davon.

Der Frau gelang die Flucht, weil sie vorgab, sich übergeben zu müssen. Er war einverstanden, in den Hinterhof zu gehen, packte sie auf dem Weg an den Haaren und am Hals. Sie konnte sich aber losreißen und rief erneut um Hilfe. Passanten auf der Goethestraße wurden auf die beiden aufmerksam. Der Vergewaltiger floh.

Fünf Wochen später wurde er gefasst. Der 18-Jährige hatte einen Fehler gemacht. Die Bacardi-Brille, die er zuvor aus einer Disco mitgenommen hatte, ließ er am Tatort liegen. Die Ermittler verfolgten den Weg zurück und kamen so auf Hans P. als Tatverdächtigen. Bei den Vernehmungen soll er bereits geredet haben.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit räumte der junge Mann auch die Taten „im wesentlichen“ ein, so Prozessbeobachter. Auch wenn er sein eigene, beschönigende Version der Geschehnisse habe. Die Frau war jedenfalls ein Zufallsopfer.

Für den Prozess sind vier Verhandlungstage vorgesehen. Ein Urteil könnte demnach am 22. September gefällt werden.

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