Nach Busunfall in Trudering: Stadtteil trauert um 13-Jährige

Auf der Feldstraße, Höhe Nummer 39, wo der Bus der Linie 194 am Samstagnachmittag gegen einen Mauervorsprung gedonnert ist, sind die Bahnen eng. Die Straße sowie der Stadtteil wirken dörflich. Ein Stück Aludecke flattert im Wind. Die zerstörte Tür des Busses liegt seitlich an der Wand mit zerborstener Scheibe.
Wie in einem Dorf kennen sich viele Truderinger hier zumindest flüchtig. Umso größer sind die Anteilnahme und die Trauer. Kaum ein Passant geht unbeteiligt an der Unfallstelle vorbei, wo sich bis zu sechs Menschen verletzt haben und eine 13-Jährige ihren Verletzungen erlegen ist. Ein Großteil der Verletzten sind Teenager und Kinder.

Mutmaßlich war ein medizinischer Notfall des 38-jährigen Busfahrers die Ursache, weshalb der Mann die Kontrolle über das tonnenschwere Fahrzeug verloren hat. Von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) kam die Information. Die Polizei konnte sie bis Sonntagabend nicht bestätigen.
Das abgebrochene Mauerdreieck wirkt wie ein Mahnmal
"Wahnsinn, welche Wucht dahinter gesteckt haben muss", sagen manche Passanten vor Ort am Sonntag. Sie blicken dabei auf das halb gerammte Gebäude der Stadtwerke und auf den abgebrochenen Mauervorsprung, der in Dreiecksform wie ein Mahnmal auf dem feuchtkalten Boden liegt. Auf ihm steht am Sonntagnachmittag ein Kerzen- und Blumenmeer.
Eine große Schwermut liegt in der Luft. Die meisten Passanten sind noch sprachlos. Drei Frauen stehen zusammen. Eine Vierte kommt hinzu. Umarmungen, sie schluchzen. Tränen fließen. Sie kannten die Teenagerin, sagen sie. Aber für weitere Sätze fehlt ihnen die Kraft.
Ein Mittdreißiger kommt mit seiner Tochter zum Mauerdreieck. Es sind Alex und Leonie. Er bekreuzigt sich. "Als ich von dem tödlichen Unfall gehört habe, hatte ich kurz Sorge, dass auch meine Tochter betroffen sein könnte", sagt er. Auch sie fahre oft mit der Hauptverkehrsader.

"Mit 13 fängt doch das Leben gerade erst an"
Auch Oliver bleibt kurz stehen, ein Medienschaffender. "Der Gedanke ist schrecklich", sagt er. Eine Seniorin kommt hinzu, sie heißt Renate, wohnt in der Gegend. Sie lässt sich erzählen, was hier passiert ist. Schockiert hält sie den Atem an. "Das arme Kind, die armen Eltern. Mit 13 fängt das Leben gerade mal an", sagt sie, als Gudula mit einem Holzkreuz in der Hand ankommt.

Gudula (86) hat bis vor 23 Jahren als Erzieherin für Drei- bis Sechsjährige gearbeitet. "Das Kreuz hat vor 25 Jahren ein Kind in meiner Gruppe gebastelt", sagt sie, "als ich von dem Unfall hörte, hatte ich das Bedürfnis, es hier aufzustellen."
Die 13-Jährige geriet womöglich zwischen Bus und Mauer
Derweil gibt es neue Erkenntnisse zum Unfall. Die verunglückte 13-Jährige saß offenbar auf dem Sitz hinter dem Busfahrer. Beim Aufprall geriet sie wohl zwischen Mauer und Bus, was zu den tödlichen Verletzungen geführt haben könnte.

Ein Senior verdrückt eine Träne. "Zehn Meter weiter vorne wäre der Bus ins Gebüsch gefahren", sagt er. Er glaubt, dass hier der Aufprall im Gehölz nicht tödlich gewesen wäre.