Nach Alarm am Flughafen: Suche nach dem mysteriösen Unbekannten

München am Tag nach der peinlichen Sicherheitspanne am Flughafen. Noch immer fehlt von dem Unbekannten, der mit seinem verdächtigen Laptop die Sicherheitskontrolle durchbrochen hat, jede Spur. Der Ruf nach Konsequenzen wird laut.
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Geduld war angesagt: Wartende Passagiere am Münchner Flughafen.
dpa Geduld war angesagt: Wartende Passagiere am Münchner Flughafen.

MÜNCHEN - München am Tag nach der peinlichen Sicherheitspanne am Flughafen. Noch immer fehlt von dem Unbekannten, der mit seinem verdächtigen Laptop die Sicherheitskontrolle durchbrochen hat, jede Spur. Der Ruf nach Konsequenzen wird laut.

Nach der gravierenden Panne am Münchner Flughafen ist eine heftige Debatte über die Sicherheit der deutschen Flughäfen entbrannt. Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) forderte eine sofortige lückenlose Aufklärung des Vorfalls. „So etwas darf an einem Flughafen nicht passieren“, sagte Zeil am Donnerstag. Der CDU-Innenpolitiker, Wolfgang Bosbach, sagte dem Sender n-tv: „Das ist der klassische Fall, der passieren kann, aber niemals passieren darf.“.

Die Gewerkschaft der Polizei verlangte, die Airport-Sicherheit komplett auf den Prüfstand zu stellen, und kritisierte die Personalpolitik bei privaten Diensten. Es gebe zu wenig Personal, das zudem schlecht bezahlt werde. „Die Sicherheit an bayerischen Flughäfen, gerade auch am internationalen Drehkreuz München, hat für mich allerhöchste Priorität“, betonte Zeil laut Mitteilung.

Bei der Handgepäckkontrolle hatte am Mittwoch das Notebook eines Passagiers einen Sprengstoff-Alarm ausgelöst. Dennoch konnte der Mann das Gerät wieder an sich nehmen und unerkannt in der Menge im Sicherheitsbereich des Airports verschwinden. Der etwa 50 Jahre alte Mann mit Brille wurde zwar von Videokameras gefilmt, jedoch bisher nicht identifiziert.

Eine derartige Sicherheitslücke könne sich ein Airport nicht leisten, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Josef Scheuring, der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag).„Wenn man jemanden kontrolliert, muss man ihn auch festhalten können.“

Bayerns FDP betonte, dass in diesem Fall auch kein Nacktscanner geholfen hätte. Das Problem sei vielmehr fehlendes oder schlecht ausgebildetes Personal. „Erneut zeigt sich, dass die Technik funktioniert. Wenn Fehler passieren, dann durch fehlende Personalausstattung“, sagte der FDP-Fraktionschef im bayerischen Landtag, Thomas Hacker, dem Bayerischen Rundfunk (BR).

Eine Auswertung der Videoaufnahmen vom Sicherheitscheck ergab bislang keine Hinweise auf die Identität des Mannes, sagte der Sprecher der Flughafenpolizei, Albert Poerschke, am Donnerstagmorgen. Die Ermittler fahnden weiter nach dem Mann. Immer wahrscheinlicher wird, dass es sich um einen eiligen Passagier handelte. Eine mögliche Spur zu dem Mann nach Spanien hatte sich zerschlagen. In Madrid hatte die Grenzpolizei eine aus München ankommende Maschine ohne Ergebnis überprüft.

  „Wie jemand nach der Kontrolle mit seinem Laptop einfach so verschwinden kann, das ist mir unerklärlich“, kritisierte auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Bayern, Harald Schneider, dem BR. Allerdings gebe es an den Flughäfen oft zu wenig Personal bei den Kontrollen. „Deshalb halte ich es für notwendig, dass das Sicherheitspersonal, aber auch die Polizei an den Flughäfen verstärkt wird.“ Scheuring beklagte in einem Interview des TV-Senders N24 auch eine zu geringe Entlohnung und „absolute Niedriglöhne“ beim privaten Sicherheitspersonal. „Wir haben heute die Situation, dass wir dort Löhne haben von 7,50 Euro bis 10, 11 Euro – absolute Niedriglöhne - und einen irren Druck auf die Beschäftigten. Und das kann nicht zu mehr Sicherheit führen.“

  Nach der Panne war ein Teil des Münchner Airport-Terminals II am Mittwoch stundenlang gesperrt gewesen, mehr als hundert Flüge verspäteten sich oder wurden annulliert. Tausende Passagieren waren betroffen. „Bis Mitternacht man hat versucht, so viele Verspätungen wie möglich abzuarbeiten“, sagte Flughafensprecher Robert Wilhelm. Für zwei Starts und zwei Landungen nach Mitternacht habe es Sondergenehmigungen gegeben. Dennoch mussten Fluggäste in München übernachten. „Es sind nicht alle Leute weitergekommen.“ Für rund 20 Transitpassagiere auf der Durchreise, die kein Visum für Deutschland hatten und deshalb nicht ins Hotel gehen konnten, wurden Feldbetten am Flughafen aufgestellt.

dpa

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