Nach 17-Jahren: Der Münchner Viktualienmarkt-Schandi sagt Servus

Nach 17 Jahren am Viktualienmarkt wird Polizist Erwin Noll von seinen Marktweibern in den Ruhestand entlassen.
| Anna Rauch
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Zum Marktweib ehrenhalber haben die Standlfrauen des Viktualienmarktes ihren Schandi Erwin Noll (rechts) an seinem letzten Tag gemacht – der nimmt die Aktion mit Humor.
dpa 4 Zum Marktweib ehrenhalber haben die Standlfrauen des Viktualienmarktes ihren Schandi Erwin Noll (rechts) an seinem letzten Tag gemacht – der nimmt die Aktion mit Humor.
OB Dieter Reiter und Frau Petra bei einem Glaserl Sekt.
dpa 4 OB Dieter Reiter und Frau Petra bei einem Glaserl Sekt.
Gaudi mit Tradition: Die Marktweiber ihr ihrem Tanz-Element.
dpa 4 Gaudi mit Tradition: Die Marktweiber ihr ihrem Tanz-Element.
Echte Narren schreckt auch das schlechteste Wetter nicht.
Daniel von Loeper 4 Echte Narren schreckt auch das schlechteste Wetter nicht.

Nach 17 Jahren am Viktualienmarkt wird Polizist Erwin Noll von seinen Marktweibern in den Ruhestand entlassen.

Dass er an seinem letzten Tag noch einmal eine tragende Rolle spielen würde, das hat Erwin Noll irgendwie geahnt. 17 Jahre war der gebürtige Giesinger Kontaktbeamter am Viktualienmarkt, der Tanz der Marktweiber am Dienstag war sein letzter Einsatz vor dem Ruhestand: "Irgendwas hat man mit mir vor, aber ich weiß nicht was", sagte der 60-Jährige noch kurz vor seiner Verabschiedung.

Erwin Noll war immer "ein Schandi zum Anfassen", so sagen es die Marktfrauen. Und angefasst wird Noll auch an seinem letzten Tag viel. Immer wieder ziehen ihn Standlbetreiber und Stammgäste im bunten Faschingstreiben für Abschiedsküsse, Umarmungen und gemeinsame Fotos an sich heran. "So ein enges Verhältnis kommt irgendwann fast zwangläufig, wenn man jeden Tag im gleichen Bereich unterwegs ist", erklärt Noll seine enge Beziehung zu den Marktleuten.

Im Video: Tanzende Marktweiber heizen Viktualienmarkt ein

Den letzten Walzer tanzt der Schandi mit

Doch das war nicht immer so: "Zwei Jahre hat es schon gedauert, bis alle hier wussten, wer ich bin", erinnert sich der Kontaktbeamte. Dementsprechend hielt er sich bei seinem ersten Tanz der Marktweiber im Jahr 2000 auch eher im Hintergrund. "Damals hab ich die Tänzerinnen zur Bühne begleitet, und das war’s dann." Doch dank Nolls herzlicher Art änderte sich das schnell: "Seit meinem dritten Jahr hier ist es eigentlich Usus, dass der Schandi zumindest den Abschlusswalzer mittanzt", erzählt Noll.

Dass Nolls letzter Tag im Dienst auf Faschingsdienstag fiel – reiner Zufall. "Ich hatte gar nicht darüber nachgedacht, was das für ein Tag ist", sagt er. Die Marktfrauen fanden es allerdings recht schnell heraus und bestanden darauf, ihrem Erwin dieses Mal mehr als nur den Abschlusswalzer zu gönnen.

Und so bestätigt sich Nolls leichte Ahnung kurz vor Ende der traditionellen Darbietung: Unter großem Applaus wird der Kontaktbeamte auf die Bühne geholt.

Dort präsentiert ihm zunächst das Kabarettduo "PrimaTonnen" ein personalisiertes Ständchen. Und die eigentliche Überraschung kommt gleich danach: Die Marktfrauen reißen Noll Lederjacke und Uniformmütze vom Leib – und werfen ihm stattdessen ein Blumenkostüm mit spitzem Hut über.

So zum Marktweib ehrenhalber ernannt, tanzt Noll dann mit den Damen zum Vaya-Con Dios-Klassiker "Nah Neh Nah" und darf anschließend gemeinsam mit den Marktfrauen und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in der berühmten Linie 8 vom Weiß Ferdl Platz nehmen.

Noll will dem Viktualienmarkt treu bleiben

Ein gelungener und auch ein ein wenig rührender Abschied: "Da war ich schon das ein oder andere Mal ziemlich nah am Wasser gebaut", gibt der Markt-Schandi hinterher zu. Nach dem offiziellen Teil entledigte sich Noll dann ganz schnell seiner Uniform und verbrachte den Rest des Tages in zivil mit den Marktweibern in seinem ehemaligen Revier.

Doch auch im Ruhestand will Noll künftig nicht ganz vom Viktualienmarkt lassen. "Derzeit ist geplant, dass ich ein paar Tage die Woche in einem der Standl aushelfe", verrät er. Wo genau, sei noch offen. Feststehen dürfte allerdings, dass sich wohl viele Standlbetreiber freuen würden, ihren "Schandi zum Anfassen" als Aushilfe aufzunehmen.

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