Münchner Stadtverwaltung wegen DFB-Skandals durchsucht: Andere Städte lehnten EM-Tickets gleich ab

Der DFB-Skandal erreicht die Münchner Stadtverwaltung. Wegen Korruptionsverdachts bei der EM-Ticketvergabe wird eigentlich gegen zwei Männer aus NRW ermittelt. Doch am Mittwoch wurde auch das Sportreferat in der Bayerstraße durchsucht. Pikant: Die Stadt hat sich bei den Tickets offenbar anders verhalten als andere deutsche Städte. Die AZ erklärt die Lage.
Felix Müller
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Auch in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main gab es Durchsuchungen.
Auch in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main gab es Durchsuchungen. © Florian Wiegand/dpa

Auch das noch! Mitten in der sportlichen Mega-Krise wird der DFB von einem weiteren Skandal erschüttert. Am Mittwoch durchsuchten Ermittler die Frankfurter DFB-Zentrale wegen Korruptionsverdachts in Zusammenhang mit der Fußball-EM 2024 – und auch an der Münchner Bayerstraße unweit des Hauptbahnhofs rückten sie an.

Am Vormittag hatte es aus Rathauskreisen nach Bekanntwerden von bundesweiten Razzien in der Sache noch Gerüchte gegeben, Ermittler seien im Rathaus selbst. Das zumindest stellte sich als falsch heraus. Um 12 Uhr bestätigte ein Sprecher des städtischen Sportreferats an der Bayerstraße der AZ: "Hier sind gerade drei Staatsanwältinnen im Haus – plus Polizisten." 

Ausgelöst wurden die bundesweiten Durchsuchungen – betroffen waren auch mehrere Stadtverwaltungen in anderen Ausrichterstädten der 2024er-EM bundesweit – durch Ermittler in Nordrhein-Westfalen. Die Staatsanwaltschaft Bochum und das LKA NRW ermitteln wegen des Verdachts der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung.

Durchsuchung in Münchner Stadtverwaltung

In der Münchner Stadtverwaltung gab man sich am Mittwoch zunächst demonstrativ entspannt. Lesart: Ermittelt wird hier ja nicht gegen einen unserer Leute. Tatsächlich hieß es am Mittwoch aus NRW, ermittelt werde gegen einen 66-jährigen Deutschen aus Gelsenkirchen und einen 46-jährigen Franzosen. Zur Ausrichtung des Turniers sei die Euro 2024 GmbH als Tochtergesellschaft der UEFA Events SA und der DFB EURO GmbH gegründet worden. Deren früherer Sitz war die DFB-Zentrale in Frankfurt. Der DFB wollte sich angesichts der laufenden Ermittlungen zunächst nicht weiter äußern. Ein Sprecher stellte aber klar, dass sich die Ermittlungen nicht gegen den Verband richten.

Wie lange die Entspanntheit in München anhält, muss sich nun zeigen. Dem Vernehmen nach durchsuchten die Ermittler an der Bayerstraße zum Beispiel E-Mails nach Hinweisen auf Vergehen. In einer offiziellen Stellungnahme der Stadt vom Mittwochnachmittag wurde betont, das Sportreferat unterstütze "die Ermittlungsbehörden vollumfänglich". "Derzeit" seien keine "konkreten" Vorwürfe gegen städtische Mitarbeiter Teil der Ermittlungen.

Ob das auch so bleibt? Die Ermittler haben zumindest den Verdacht, dass Tausende EM-Tickets zu Vorzugspreisen an Stadtverwaltungen gingen. Diese seien von einigen Städten genutzt und unterschiedlich verwendet worden, teilten Staatsanwaltschaft und LKA Nordrhein-Westfalen mit.
Die Beschuldigten hätten bislang keine Gelegenheit gehabt, sich zu den Vorwürfen zu äußern, hieß es am Mittwoch. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Andere Städte lehnten direkt ab

Der 66-Jährige soll als ehemaliger Beschäftigter der Stadt Gelsenkirchen zum EM-Halbfinale Spanien gegen Frankreich nach München eingeladen worden sein. Er habe dadurch im Rahmen seiner Amtsausübung einen finanziellen Vorteil von rund 2400 Euro erlangt.
Er sei bereits wegen Betrugsverdachts sowie des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt polizeilich in Erscheinung getreten und inzwischen nicht mehr für die Stadt Gelsenkirchen tätig. Nach den Ermittlungen sei davon auszugehen, dass vergleichbare Einladungen auch an EM-Projektleitungen weiterer Gastgeberstädte ausgesprochen wurden, hieß es.

Ferner habe sich der Verdacht einer strukturierten Vorteilsgewährung durch die Euro 2024 GmbH ergeben. Diese soll mehrere Tausend Eintrittskarten zur internen Verwendung an die zehn Austragungsstädte vergeben haben. Ob und in welchem Umfang diese Karten und Einladungen zu Spielbegegnungen angenommen wurden, sei ebenfalls Gegenstand des Verfahrens.

Der städtische Umgang mit EM-Tickets war 2024 in München schon mal politisch Thema geworden. Die Stadtratsfraktion der Linken hatte den Umgang der Stadt mit Euro-Tickets im Rathaus auf die Tagesordnung gebracht. Die Antwort des Sportreferats auf eine Anfrage im Stadtrat ist online noch einsehbar. Sportreferent Florian Kraus (Grüne) betonte damals, man habe zwar ein Ticket-Kontingent der Uefa angenommen, doch unter den städtischen Mitarbeitern seien nur Kaufoptionen verlost worden. Sie hätten dann den regulären Preis bezahlt. Nur 60 Mal hingegen seien bei den Münchner Spielen kostenlose Tickets ausgegeben worden – an "hochrangige Vertretungen" etwa des Freistaats.

Dass es auch anders geht, wurde 2024 schon deutlich. Damals wurde bekannt, dass Städte wie Hamburg, Frankfurt und Leipzig die Tickets der Uefa nicht angenommen hatten. Leipzig verwies explizit darauf, dass der örtliche Antikorruptionsbeauftragte abgeraten habe. Durchsuchungen gab es am Mittwoch aber trotzdem auch dort.  

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  • Boandl_kramer gerade eben / Bewertung:

    Es ist noch gar nicht so lange her, da hat die Münchner Linkspartei beantragt, die Stadt möge Veranstalter dazu verpflichten ein gewisses Kontingent an Tickets zu stark subventionierten Preise an Menschen mit wenig Geld abzugeben. Das hätte man mit solchen "geschenkten" Tickets ja tun können.

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  • OLGI vor 20 Minuten / Bewertung:

    Bargeld gibt's ja nicht für Tickets sondern oben drauf!

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  • rotweiss vor 2 Stunden / Bewertung:

    Beamte sind loyal zum Staat ! Das sagt schon sehr viel aus !

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