Münchner Sicherheitskonferenz: Drohnenpiloten riskieren Gefängnisstrafe

Während der Sicherheitskonferenz wird die Stadt zur Festung. Tausende Polizisten schirmen den Tagungsort ab. Auch der Himmel wird zur Sperrzone. Die Sicherheitsbehörden haben Drohnen im Visier
von  Ralph Hub
Ein Beamter eines SEK-Kommandos der Polizei simulieren die Bekämpfung einer Drohne. Mit einem Jammer nimmt er dabei das Fluggerät am Himmel ins Visier. Das System könnte auch demnächst während der Sicherheitskonferenz zum Einsatz kommen.
Ein Beamter eines SEK-Kommandos der Polizei simulieren die Bekämpfung einer Drohne. Mit einem Jammer nimmt er dabei das Fluggerät am Himmel ins Visier. Das System könnte auch demnächst während der Sicherheitskonferenz zum Einsatz kommen. © Boris Roessler

Die Polizei warnt davor, während der Ende nächster Woche startenden 62. Münchner Sicherheitskonferenz Drohnen aufsteigen zu lassen. Über der Stadt gilt eine Flugverbotszone mit einem Radius von mehr als fünf Kilometern. Hobbypiloten, die sich nicht daran halten, riskieren massiven und vor allem völlig unnötigen Ärger, betont das Präsidium.

Drohnen werden immer öfter zum Sicherheitsrisiko

Am Münchner Flughafen wurden im vergangenen Herbst mehrmals Drohnen gesichtet. Dutzende Passagiermaschinen mussten umgeleitet und Flüge annulliert werden. Start- und Landebahnen blieben aus Sicherheitsgründen gesperrt. Einige der Drohnen wurden im Bereich der Nord- und der Südbahn von Zeugen beobachtet. Die Fluggeräte verschwanden, noch bevor sie identifiziert werden konnten.

Ein Hinweisschild "Drohnen verboten" steht am Gelände des Flughafens München.
Ein Hinweisschild "Drohnen verboten" steht am Gelände des Flughafens München. © Enrique Kaczor

Sperrbereich am Münchner Himmel

Die Abwehr von Drohnen ist auch ein wichtiger Aspekt beim Schutz der 62. Münchner Sicherheitskonferenz. Die Deutsche Flugsicherung hat eine Flugverbotszone rund um den Konferenzort, das Hotel Bayerischer Hof, erlassen. Sie gilt zwischen Donnerstag, 12. Februar, 7 Uhr, und Sonntag, 15. Februar, 19 Uhr. Die Sperrzone am Himmel erstreckt sich in einem Radius von drei nautischen Meilen, das sind rund 5,5 Kilometer, gerechnet wird vom Sendlinger-Tor-Platz aus. „Die Flugverbotszone umfasst damit ein Gebiet, das sich vom Olympiapark bis zum Perlacher Forst erstreckt“, erklärt Polizeisprecher Ralf Kästle.

Ein speziell ausgebildeter Polizist zeigt während der Vorstellung des Münchner Sicherheitskonzepts zur Fußball-Europameisterschaft 2024 in der Allianz Arena eine kontrollierte Landung einer Drohne mithilfe eines Jammers.
Ein speziell ausgebildeter Polizist zeigt während der Vorstellung des Münchner Sicherheitskonzepts zur Fußball-Europameisterschaft 2024 in der Allianz Arena eine kontrollierte Landung einer Drohne mithilfe eines Jammers. © Peter Kneffel

So funktioniert ein Jammer bei der Drohnenabwehr

Möglichkeiten, Drohnen abzufangen, gibt es inzwischen etliche: Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei verfügen über sogenannte Jammer zur Bekämpfung von Drohnen. Die Geräte sehen aus wie eine Bazooka. Man nimmt damit eine anfliegende Drohne ins Visier. Der Jammer stört elektronisch die Funkverbindung zwischen Drohne und Controller, wodurch die Drohne zur Landung gebracht werden kann. In München wurde das System anlässlich der Fußball-EM im Sommer 2024 bei einer Präsentation in der Allianz Arena der Öffentlichkeit vorgestellt.

Polizei schweigt zu taktischen Details

Auch während der Sicherheitskonferenz könnten SEK-Beamte Jammer jederzeit zum Einsatz bringen. Auf den Dächern der Gebäude rund um den Konferenzort im Bayerischen Hof sind wie auch in früheren Jahren Scharfschützen postiert. Von da oben hätten auch SEK-Beamte mit einem Jammer freie Sicht und damit ideale Bedingungen, um Drohnen abzufangen. Im Präsidium hält man sich zum Thema Jammer allerdings derzeit bedeckt. „Über Einzelheiten der Polizeitaktik machen wir keine Angaben“, sagt Ralf Kästle.

Ein Scharfschütze der Polizei sichert die Umgebung während der 61. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC).
Ein Scharfschütze der Polizei sichert die Umgebung während der 61. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). © Boris Roessler

Drohnensichtungen auch auf der Wiesn

Drohnen tauchen auch jedes Jahr während der Wiesn am Himmel auf, und das trotz Flugverbotszone rund um die Theresienwiese. Die Polizei erwischt jedes Jahr etliche Piloten, die Drohnen aufsteigen lassen. 2025 waren es rund 20.

An der Theresienweise wurden während des Oktoberfestes rund 20 Drohnenpiloten von der Polizei erwischt.
An der Theresienweise wurden während des Oktoberfestes rund 20 Drohnenpiloten von der Polizei erwischt. © Silas Stein

Piloten orten, Drohne beschlagnahmen

Die Polizei schießt die Drohnen während der Wiesn allerdings nicht ab. Das könne am Boden mehr Schaden als Nutzen anrichten, heißt es im Präsidium. Meist versuchen die Polizisten, die Piloten, die sich oft ganz in der Nähe ihrer Fluggeräte aufhalten, zu orten. Die Beamten können die Piloten dann dazu zwingen, ihre Drohne zu landen. Das Fluggerät wird anschließend beschlagnahmt und der Besitzer angezeigt. Ähnlich könnte es auch während der Sicherheitskonferenz laufen.
Vom Flugverbot über München nicht betroffen sind Hubschrauberflüge von Behörden oder vom Rettungsdienst. Die Verbotszone reicht vom Boden bis in 3000 Meter Höhe. Die Flugverbotszone gilt ohne Ausnahme für private Drohnen, wie Polizeisprecher Ralf Kästle gegenüber der AZ betont. In der City sind sie während der dreitägigen Sicherheitskonferenz komplett verboten.

Die Bereiche, wo in München Drohnen aufsteigen dürfen, sind klar geregelt.
Die Bereiche, wo in München Drohnen aufsteigen dürfen, sind klar geregelt. © Peter Kneffel

Wo Drohnenflüge prinzipiell verboten sind

Allgemein sind die Regeln für Drohnen am Münchner Himmel sehr streng. Ralf Kästle: „Generell gilt im Stadtgebiet: kein Überflug von Menschenmengen, sowie an Einsatzorten von Polizei und Rettungsdienst, im Bereich der Justizvollzugsanstalt Stadelheim, über Bahnanlagen, Behörden, Wohngrundstücken und über Naturschutzgebieten.“
Private Drohnen müssen außerdem immer in Sichtweite des jeweiligen Piloten bleiben, und sie dürfen die maximale Flughöhe von 120 Metern nicht übersteigen.
Um als Pilot ganz sicherzugehen und späteren juristischen Ärger zu vermeiden, sollte man sich generell im Internet auf „Digitale Plattform Unbemannte Luftfahrt“ (kurz dipul) vor einem geplanten Drohnenflug über Beschränkungen informieren (https://www.dipul.de/homepage/de /)
Drohnenpiloten, die sich nicht an die Regeln halten, Flugverbotszonen verletzen und dabei von der Polizei erwischt werden, riskieren hohe Geldstrafen und im Extremfall sogar Gefängnis. Das Luftverkehrsgesetz sieht Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren vor. Bei Fahrlässigkeit droht eine Gefängnisstrafe von bis zu sechs Monaten oder eine Geldstrafe.

So groß ist die Flugverbotszone am Münchner Airport

Der Drohnenbetrieb ist wegen des polizeilichen Einsatzes während der Sicherheitskonferenz nach Informationen des Bundesverkehrsministeriums rund um den Münchner Flughafen vom 12. Februar, 6 Uhr, bis zum 15. Februar, 22 Uhr, eingeschränkt.
Das für Drohnen gesperrte Gebiet entspricht laut Ministerium der Kontrollzone am Flughafen München. Der gesperrte Bereich erstreckt sich von Hohenkammer im Landkreis Freising im Nordwesten bis Langenpreising im Landkreis Erding im Nordosten, von Unterschleißheim im Südwesten und bis Garching im Süden, von Zolling im Landkreis Freising im Norden und im Südosten bis Bockhorn im Landkreis Erding.

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