Münchner Masken-Ärger: FFP2-Schutz für Bedürftige in schlechtem Zustand

Der Freistaat verteilt an Bedürftige Masken, die sie besser vor Corona schützen sollen - doch in welchem Zustand? Eine Hartz-IV-Bezieherin aus München ist fassungslos.
| Imsa
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Ein Paket von Bayerns Gesundheitsministerium für Bedürftige - die Masken kamen laut Empfängerin lose an, die Plastikhülle lag daneben
Ein Paket von Bayerns Gesundheitsministerium für Bedürftige - die Masken kamen laut Empfängerin lose an, die Plastikhülle lag daneben © privat

München - Eigentlich sollte es für Edith Keller ein Stück Sicherheit für den Alltag sein. Doch als die 74-Jährige, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, den Umschlag vom bayerischen Gesundheitsministerium öffnet, ist die Enttäuschung groß, schildert sie der AZ. Keller bezieht Grundsicherung und hat daher Anspruch auf kostenlose FFP2- oder vergleichbare Masken, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) - nach Druck unter anderem von Sozialverbänden - entschieden hat.

FFP2-Masken für Münchner Bedürftige sind nicht eingeschweißt

Tatsächlich sind in dem Paket der Münchnerin fünf KN95-Masken, die einen ähnlichen Schutz wie jene vom Typ FFP2 bieten sollen - allerdings, sagt Keller, sind sie nicht eingeschweißt, sondern liegen lose im Paket. Die Plastikverpackung liegt geöffnet dabei, so die 74-Jährige. "Ich finde das einfach schäbig", sagt sie. "Als Grundsicherungsempfänger kommt man sich da vor wie ein Bürger zweiter Klasse."

Sie fürchtet, dass die Masken nun nicht mehr sicher zu benutzen sind. Bekannt ist auch, dass derartige Masken unbrauchbar werden, wenn sie mit Nässe in Berührung kommen.

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Doch wie kann es sein, dass vom Gesundheitsministerium gestellte Masken in so einem Zustand ankommen? Das bayerische Ministerium erklärt auf AZ-Anfrage, die Masken könnten nicht aus dem bayerischen Zentrallager stammen, denn dort seien ab dem 19. Januar ausschließlich FFP2-Masken "in der pro Person vorgesehenen Stückelung (5 Stück) in der Umverpackung des Herstellers an die Kreisverwaltungsbehörden ausgeliefert" worden.

Landratsämter haben teilweise auf Restposten zurückgegriffen

Allerdings, so ein Ministeriumssprecher, hätten Landratsämter und kreisfreie Städte auch die Möglichkeit gehabt, bei der Verteilung der Masken auf lokale Bestände aus vorangegangenen Lieferungen des Freistaates zurückzugreifen - sprich: Restposten. Und dort könnten auch KN95-Masken dabei sein. Weiter heißt es, dass "sämtliche durch das Pandemiezentrallager verteilte Schutzartikel im Vorfeld formal und immer wieder in Stichproben auch technisch vom LGL geprüft und als ordnungsgemäß eingestuft waren".

Stutzig macht auch, dass es sich um KN95-Masken handelt. Diese nach chinesischem Standard produzierten Masken sind zwar von der Staatsregierung zugelassen, jedoch ist es hier schwieriger, die Schutzwirkung zu beurteilen, als bei FFP2-Masken. Erst kürzlich wurde bekannt, dass in München 28.000 falsche FFP2-Masken verteilt wurden, auf denen der KN95-Standard aufgestanzt war. Man versuche, möglichst schnell den Umtausch zu organisieren, sagte die Sprecherin des Münchener Sozialreferats, Hedwig Thomalla.

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KN95-Masken entsprechen nicht zwingend EU-Norm

Die Prüfstelle Dekra erläutert, dass die KN95-Masken zwar den FFP2-Masken ähnlich sind, aber nicht zwingend die strengen Testanforderungen der europäischen Norm EN 149 erfüllen. Zu Beginn der Pandemie durften sie via Schnelltestverfahren Marktfähigkeit erlangen, seit 1. Oktober 2020 ist das aber nicht mehr erlaubt.

Wenn die im Schnellverfahren zugelassenen Masken aber vor diesem Stichtag auf den Markt kamen, dürfen sie noch ein Jahr lang vertrieben werden. Für Edith Keller jedenfalls bleibt das Gefühl, Ramschware erhalten zu haben. Sie ist froh, dass sie auf die kostenlosen Masken aus der Apotheke zurückgreifen kann - mit Gutscheinen des Bundesgesundheitsministeriums.

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