Münchner Kulturstrand: Im Sand verlaufen?

Am 11. Mai entscheidet der Stadtrat über den Kulturstrand. Was 2006 als sommerliches Happening begann, ist längst zum Politstreit und Behördenkleinkrieg geworden.
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Strandfeeling mitten in der Stadt – in München gestaltet sich das ein bisserl schwierig, und das aus vielen Gründen.
Daniel von Loeper Strandfeeling mitten in der Stadt – in München gestaltet sich das ein bisserl schwierig, und das aus vielen Gründen.

Am 11. Mai entscheidet der Stadtrat über den Kulturstrand. Was 2006 als sommerliches Happening begann, ist längst zum Politstreit und Behördenkleinkrieg geworden.

Eigentlich hätten die Sattelschlepper schon am nächsten Montag anrollen sollen. An Bord: 52 Tonnen Sand. Seit dem Jahr 2006 hat sich der Isarbalkon an der Corneliusbrücke allsommerlich in einen Kulturstrand verwandelt. Mit Liegestühlen, Bar und Musik – eine Urlaubskulisse inmitten der Stadt. Doch heuer steht das Projekt der Urbanauten auf der Kippe.

Erst am 11. Mai wird der Stadtrat über den Kulturstrand entscheiden. Dabei hatten die Veranstalter geplant, am 6. Mai loszulegen. Dass aus dem Termin nichts wird, ist jetzt schon klar. „Wir gehen davon aus, dass vor dem 18. Mai gar nichts geht“, sagt Benjamin David von den Urbanauten. Der Aufbau dauert dann nochmal fünf Tage. Das heißt: Frühestens am 23. Mai würde der Stadtstrand öffnen.

Wenn er denn öffnet. Im Vorfeld der alles entscheidenenden Stadtrats-Abstimmung ist Kritik laut geworden. Die CSU hat beantragt, dass das Gremium gegen die Veranstaltung stimmen soll. Und auch aus der SPD gab es skeptische Stimmen (AZ berichtete).

Der Streitpunkt: Als der Stadtrat den Urbanauten 2009 die Corneliusbrücke erneut überließ, stellte er eine Bedingung. Beim nächsten Mal, so lautete die Hausaufgabe für die Betreiber, sollten sie Alternativ-St(r)andorte vorschlagen, an denen die Veranstaltung künftig im Wechsel stattfinden könnte. Das taten die Urbanauten auch. Doch die Verwaltung lehnte alle ab – bis auf einen. Den alten. Also den Standort, den die Stadt ja eigentlich nicht mehr wollte.

Was folgt daraus? „Stadtratsauftrag nicht erfüllt“, ließ die Referentenrunde bereits verlauten. Und SPD-Fraktionschef Alexander Reissl erklärte, dass eine Ablehnung als Konsequenz „nicht unlogisch“ wäre. Das Meinungsbild in der Fraktion steht noch nicht. „Wir wollen ernst nehmen, was da in der Isarvorstadt passiert“, sagt Reissl und verweist auch auf den Bezirksausschusses, der sich dafür eingesetzt hatte, dass der Strand abwandert. Damit die Anwohner ein Jahr Ruhe haben.

Einen Fürsprecher haben die Urbanauten in den Grünen. „Ich hoffe sehr, dass sich die großen Fraktionen durchringen können, für den Strand zustimmen“, sagt Fraktionschef Sigi Benker. Er kann die Kritik an den Veranstaltern nicht verstehen: „Sie haben sich redlich um Alternativ-Standorte bemüht.“

Auf der Alternativen-Liste standen: vier Plätze an der Isar, aber auch die Hackerbrücke, der Platz vor der Oper und die Verkehrsinseln an Isar- und Siegestor. Die Behörden sahen entweder Probleme mit Naturschutz oder mit Verkehrs-Sicherheit. Dass alle Ersatz-Vorschläge abgelehnt wurden, hat die Urbanauten überrascht. Im Herbst und Winter habe man mit Referaten und Stadträten Vorgespräche geführt. Die acht Standorte, die dann ins Spiel gebracht wurden, seien das Ergebnis daraus gewesen.

Noch immer verstehen die Veranstalter nicht ganz, warum etwa der „Vater-Rhein-Brunnen“ an der Isar nicht in Frage kommt. Der liege nämlich nur „formaljuristisch“ im Landschaftsschutzgebiet. „Die Fläche ist heruntergekommen und wird von der Stadt auch nicht mehr gepflegt“, sagt Urbanaut David. Ergo: Ein Ort für einen Strand. „Leider werden von den Urbanauten nur Plätze vorgeschlagen, die bereits bestens frequentiert und mit Münchner Sehenswürdigkeiten bestückt sind“, hatte OB Christian Ude dagegen bemängelt. So unterschiedlich werden Plätze also beurteilt.

Der Ältestenrat hatte übrigens beraten, ob man die Strand-Debatte vorverlegen solle – damit die Veranstalter am Wunsch-Termin für den Start festhalten können. Doch eine Mehrheit war dagegen. So bleibt es beim 11. Mai.

Julia Lenders

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