Münchner Handwerker rechnet vor: Jede Minute Stau kostet extra

Die Parkausweise für Handwerker werden erheblich teurer. Wie sich dies auf die Preise auswirken wird und warum er die Kritik daran unberechtigt findet, erzählte Schreiner Martin Schmid der AZ.
| Christina Hertel
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Martin Schmid ist Handwerker. Einen eigenen Transporter hat er nicht. Wenn er einen braucht, mietet er sich einen.
Martin Schmid ist Handwerker. Einen eigenen Transporter hat er nicht. Wenn er einen braucht, mietet er sich einen. © Bernd Wackerbauer

München - Handwerker müssen bald fast dreimal so viel fürs Parken zahlen. Die Gebühr für ihre Parkausweise steigt von 265 auf 720 Euro pro Jahr. So hat es die grün-rote Stadtratsmehrheit gestern beraten und so wird sie es nächste Woche beschließen.

Parkausweise in München: Vor allem Handwerker von Preiserhöhung betroffen 

Auch die Parkausweise für Anwohner, die heute außer in der Altstadt und am Hauptbahnhof 30 Euro im Jahr kosten, würde die Koalition gerne teurer machen. Doch noch fehlen dafür die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Also trifft die Preiserhöhung nun vor allem Gewerbetreibende.

Von der Handwerkskammer, aber auch von der CSU hagelte es prompt Kritik: Diese Politik sei wirtschaftsfeindlich, das Ganze sei ein undurchdachter Schnellschuss. Als "lebensfremd" bezeichnete FDP-Stadtrat Fritz-Roth den Beschluss: "Kein Klempner wird seine Werkzeugkoffer in der Tram transportieren."

Schreiner Martin Schmid: Fahrzeug mieten statt kaufen 

Martin Schmid (34) sieht das alles anders. Er arbeitet als selbstständiger Schreiner im Westend und ist seit fast 20 Jahren Mitglied bei den Grünen. Einen eigenen Transporter besitze er gar nicht, erzählt er. Wenn er große Möbelstücke ausliefern muss, miete er einen. "Carsharing gibt es in München schließlich an jeder Ecke."

Handwerker werden nur minimal teurer

Die Befürchtung, dass die ohnehin schon teuren Handwerker wegen der höheren Parkgebühren bald noch teurer werden könnten, teilt er auch nicht. Schließlich machen Parkgebühren nach dem Preisanstieg gerade mal drei Euro am Tag aus, rechnet er vor. Auf der Rechnung falle das am Ende gar nicht ins Gewicht.

Anders als ein anderer Posten: die Kosten für die Anfahrt. Manche Handwerker verlangen dafür eine Pauschale, Schmid verrechnet seinen Stundenlohn von 60 Euro.

Eine Viertelstunde Stau, die am Mittleren Ring fast jeden Tag zusammenkomme, heißt also: 15 Euro mehr auf der Rechnung. Wären die Straßen nicht so verstopft, würde dieser Betrag geringer ausfallen.

Mehr Umstieg auf ÖPNV erhofft 

Schmid hofft deshalb, dass die Stadt die Mehreinnahmen durch die Parktickets - so wie angekündigt - in den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel steckt. Und dass dann der ein oder andere sein Auto tatsächlich abschafft. "Damit wäre München wirklich geholfen", meint Schmid. Dass die Gebühren für die Handwerker und Gewerbeleute steigen, sieht er als einen ersten Schritt, bis alle mehr zahlen müssen. Doch damit muss München noch warten. Der Freistaat muss erst die rechtlichen Voraussetzungen schaffen.

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Parken wird in München generell teurer 

Deshalb werden nun neben den Handwerker- und Handelsausweisen erst die gewerbliche Anlieger-Parkausweise teurer. Sie steigen von 120 auf 720 Euro. Auch in den Parkautomat muss man bald fast doppelt so viel einwerfen: Pro Stunde erhöht sich die Gebühr von einem Euro auf 1,90 Euro - außer in der Altstadt und rund um den Hauptbahnhof. Da bezahlt man schon heute das Maximum von 2,50 Euro pro Stunde.

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