Münchner Forscher finden weitere Belege für Insektensterben

Seit 2008 ist die Zahl von Insekten auf Wiesen um 67 Prozent gesunken. Diese alarmierenden Zahlen haben Münchner Forscher veröffentlicht.
| Anja Garms
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Insekten, darunter auch die beliebte Biene, werden auf Deutschlands Wiesen immer seltener. Die Lage ist dramatisch.
Fabian Sommer/dpa Insekten, darunter auch die beliebte Biene, werden auf Deutschlands Wiesen immer seltener. Die Lage ist dramatisch.

München - Es gibt sie noch, die blühenden Wiesen, auf denen im Sommer unzählige Insekten summen und brummen. Doch es ist stiller geworden in vielen Naturlandschaften Deutschlands: Auf Wiesen und in Wäldern sind deutlich weniger Insekten unterwegs als noch vor einem Jahrzehnt, wie eine Studie unter Leitung von Forschern der Technischen Universität München (TU) belegt.

Die Wissenschaftler hatten in drei Regionen des Landes Insekten und andere Gliederfüßer wie Spinnentiere in Wäldern und Graslandschaften gezählt. Zumindest in Letzteren hänge der Tierschwund vermutlich mit der Landwirtschaft zusammen, schreiben sie im Journal "Nature".

Studie liefert starken Beleg für Insektensterben

Die Studie liefere den stärksten bisher verfügbaren Beleg für den Rückgang der Insekten, schreibt William Kunin von der University of Leeds in einem Kommentar zu der Studie. "Das Urteil ist klar. Mindestens in Deutschland ist der Insektenschwund real – und er ist so schlimm wie befürchtet."

Bisher gab es in Deutschland nur vereinzelt größere Datensammlungen zur Entwicklung der Insektenzahlen in den vergangenen Jahrzehnten. Die Daten des Teams um Sebastian Seibold vom Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie der TU erweitern das vorhandene Wissen erheblich.

Daten von Insekten aus 290 Standorten

Die Forscher hatten von 2008 bis 2017 regelmäßig Insekten und andere Gliederfüßer an insgesamt 290 Standorten in folgenden Regionen gesammelt: auf der Schwäbischen Alb in Süddeutschland, im Hainich – einem bewaldeten Höhenrücken in Thüringen – sowie in der brandenburgischen Schorfheide. Die Wissenschaftler untersuchten 150 Standorte in Graslandschaften jährlich zwei Mal. Mit Netzen sammelten sie die Tiere von der Grasfläche. Von den 140 Waldstandorten wurden 30 jährlich unter die Lupe genommen, der Rest an drei Jahren innerhalb des Jahrzehnts. Sie fingen die Insekten dort mit Fallen.

Insgesamt analysierten die Wissenschaftler Daten von mehr als einer Million Insekten und anderen Krabbeltieren, die zu mehr als 2700 Arten gehörten. Sowohl auf Wiesen als auch in Wäldern ging die Artenzahl im Studienzeitraum um etwa ein Drittel zurück.

Auch deren Gesamtmasse nahm ab, besonders ausgeprägt in den Graslandschaften - um 67 Prozent. In den Wäldern schrumpfte sie um etwa 40 Prozent. Den Einfluss des schwankenden Wetters berücksichtigten die Forscher.

"Das ist erschreckend"

"Dass solch ein Rückgang über nur ein Jahrzehnt festgestellt werden kann, haben wir nicht erwartet – das ist erschreckend, passt aber in das Bild, das immer mehr Studien zeichnen", sagt Wolfgang Weisser von der TU, einer der Initiatoren des Projekts.

Das Team stellte keinen unmittelbaren Zusammenhang mit der regionalen Landnutzungsintensität fest. Allerdings war der Insektenschwund auf solchen Grasflächen besonders ausgeprägt, die von landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen umgeben waren. Dort schrumpfte vor allem die Biomasse solcher Arten, die keine großen Distanzen zurücklegen. In den Wäldern schwanden vor allem Arten, die weite Strecken zurücklegen.

In der Verantwortung sieht sich auch der Deutsche Bauernverband. "Die Studie zeigt uns, dass die Landwirtschaft Teil der Lösung sein muss. Kaum eine Branche ist so essenziell auf die Bestäubungsleistung von Bienen und Insekten angewiesen wie wir", sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied.

Lesen Sie hier: Wohl Hunderte West-Nil-Fälle in Deutschland

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