Münchner engagieren sich für Münchner

Freiwilligendienst ist wichtig und beliebt in München. Die AZ zeigt, wo man helfen kann und stellt Helfer vor.
| Daniel von Loeper
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Freiweillige Helfer in München.
Daniel von Loeper Freiweillige Helfer in München.

München - München engagiert sich: Rund 19 000 gemeinnützige Vereine und Initiativen gibt es in der Stadt. Etwa die Hälfte davon sind ehrenamtlich tätig. 346 000 Münchner arbeiten freiwillig bei der Feuerwehr, in Flüchtlingsprojekten oder unterstützen andere Projekte in ihrer Freizeit.

„München ist eine engagierte Stadt“, sagt Michelle Rotter von der Förderstelle für Bürgerschaftliches Engagement. Das liegt daran, dass Stadt und Initiativen gut vernetzt sind. Freiwillig anpacken möchten vor allem Berufstätige, sagt Rotter: „Aber auch immer mehr Studenten und teilweise ganze Schulklassen.“ Ihre Motivation: Sie wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben und Projekte aktiv mitgestalten.

Neben dem klassischen Ehrenamt bei der Feuerwehr oder im Sportverein gibt es immer häufiger Menschen, die sich kurzzeitig einsetzen wollen. „Sie engagieren sich ein Jahr für eine Initiative, suchen sich dann aber wieder etwas anderes“, erklärt Rotter. Flexibel helfen lautet die Devise.

Wer selbst Zeit und Lust hat, anzupacken, kann sich an eine der drei großen Freiwilligenagenturen in München wenden. Sie vermitteln Interessierte an passende Projekte. Tatendrang München (4522411-0 ), Freiwilligenagentur der Caritas mit mehreren Münchner Zentren (590682311), Stiftung „Gute Tat“ München und Region (45475004).

In der Stadtinformation im Rathaus findet zudem regelmäßig eine Informationsveranstaltung statt, bei der sich von 11 bis 18 Uhr Organisationen vorstellen. Wegen der Sommerpause ist der nächste Termin erst am 21. Oktober. Wer in seinem Stadtviertel aktiv sein möchte, kann das in Sozialbürgerhäusern tun (Engagement-Hotline: 233 48 454).

Brauchen Sie noch weitere Inspiration? Hier erzählen Menschen, wo und warum sie sich engagieren.

 

Im Sport geht es nicht ohne Ehrenamtliche

Maximilian Sindram (33, r.) beim Judo-Training im Englischen Garten vorm Japanischen Teehaus mit Vereinskollege Holger (39).   Foto: Daniel von Loeper

Maximilian Sindram (33), Geo-Informatiker: „Der Stadtteil Neuperlach ist ein großer sozialer Brennpunkt – vor allem für junge Leute. Im gesamten Sportbereich geht es gar nicht ohne die Ehrenamtlichen. Ich engagiere mich im Judo-Verein Kodokan an der Quiddestraße. Uns geht es im Judo-Training für Jung und Alt außerdem um Werte wie Aufrichtigkeit, Mut und Selbstbeherrschung. Ich brenne für das Judo. Mitgliederbeiträge verwenden wir für Ausflüge oder auch für Wettkämpfe. Kleinere Beträge, die ich bekomme, spende ich regelmäßig komplett in unsere Jugendkasse. Seit einigen Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich im Sport, weil es mir Spaß macht. Und die Bewegung ist gut für Körper und Geist. Mein Fazit: Es lohnt sich auf alle Fälle für jeden, etwas zu bewegen.“

 

Umweltretter

Foto: Daniel von Loeper

Leonhard Balz (18), Abiturient: „Seit einem Jahr arbeite ich ehrenamtlich für die Umweltorganisation Greenpeace. Aus Liebe zur Natur, aus Verantwortungsbewusstsein und auch aus Voraussicht. Viele der Themen von Greenpeace betreffen uns direkt, wie zum Beispiel der Klimawandel. Ich bin in einer Jugendaktionsgruppe. Wir treffen uns jeden Mittwoch, um unsere Aktionen und Ideen zu besprechen. Mein Abitur habe ich gerade bestanden, jetzt will ich schauen, wie ich im Umweltbereich mehr bewegen kann. Mich beschäftigen vor allem das Artensterben und die Energiewende. Alle drei bis vier Wochen machen wir eine Aktion zum Wachrütteln.“

 

Der Ersatzopa

Ex-Polizist Karl Lichtenegger. Foto: Daniel von Loeper

Karl Lichtenegger (67), Pensionist: „Als ich 2008 in Pension ging, habe ich mir vorgenommen, mich einen Tag in der Woche ehrenamtlich zu engagieren. Dann bin ich auf den Oma-Opa-Service im Evangelisch-Lutherischen Dekanat München (www.oma-opa-service.de) gekommen. In München gibt es etwa 120 ältere Menschen, die sich als Opa oder Oma ehrenamtlich engagieren. Und es braucht noch mehr. Seit fünfeinhalb Jahren betreue ich ehrenamtlich den mittlerweile siebenjährigen Paul – einmal die Woche für etwa vier Stunden. Pauls Mutter ist alleinerziehend. Wir unternehmen oft etwas, Fußball spielen zum Beispiel oder den Hauptbahnhof anschauen. Als ehemaliger Polizeibeamter weiß ich auch, wie man Grenzen setzt. Im Straßenverkehr muss man beispielsweise gut aufpassen.“

 

Held der Isar

Hartmut Keitel will die Vermüllung des Stadtflusses nicht hinnehmen. Foto: Daniel von Loeper

Hartmut Keitel (49), Fotograf: „Ich bin Vater und ich will, dass mein Kind sich am Isarufer austoben kann. Momentan engagiere ich mich fünf Stunden die Woche im Verein „Deine Isar“, den ich initiiert habe. Während der Schulzeit sind es bis zu zehn Stunden. Wir machen Plakate, Kinowerbespots und verschiedene Aktionen. Hauptberuflich bin ich Fotograf und mache Werbung. Als Freiberufler lebt man immer etwas am Abgrund und braucht gute Nerven. Ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ich habe mich früher schon viel politisch betätigt. Zum Beispiel wenn es darum ging, eine Atomanlage zu verhindern.

Nach der Renaturierung der Isar stieg die Besucherfrequenz sprunghaft an und die Vermüllung nahm zu. Da packte mich die Wut und ich habe gesagt: Mir reicht‘s. Ich mache jetzt etwas. Ich habe mir mein erstes Plakat von der Seele geschrieben: 'Ihr Asischweine steckt euch eure zerbrochenen Bierflaschen in den Arsch, dann werdet ihr merken, dass auch Arschlöcher Gefühle haben.'

Politisch war das natürlich unkorrekt – doch es war passend für meine Gefühle. Den Müll liegenzulassen, wie es OB Dieter Reiter angedroht hat, finde ich eine gute Idee – aber nur als temporäre Maßnahme. Dazu habe ich schon 2012 dem Baureferat vorgeschlagen, für ein Wochenende mit der Müllräumung auszusetzen.

Am Sonntag hätten dann die Münchner die Gelegenheit, die Verwüstungen an der Isar mit eigenen Augen zu sehen. Denn wer kann sich unter der Angabe ,Vier Tonnen Müll’ schon vorstellen, wie das am Tatort Isar aussieht?“

 

Mit Spürnase und Einsatzbereitschaft

Stefanie Tschyschewsky hilft mit ihrem Hund, vermisste Menschen zu finden. Foto: Daniel von Loeper

Stefanie Tschyschewsky (33), Polizistin: „Ich bin hauptberuflich Polizeibeamtin und ich will meinen Hund sinnvoll auslasten. Über die Rettungshundestaffeln bin ich beim Arbeiter-Samariter-Bund gelandet. Ich will helfen, vermisste Personen zu finden. Zweimal die Woche bin ich ehrenamtlich mit meinem Hund unterwegs. Ich mache etwa 25 Einsätze im Jahr, dazu kommen Fortbildungen, die ich besuche, und Sanitätslehrgänge. Insgesamt sind das weit über 500 ehrenamtliche Stunden. Ich mache das inzwischen seit vier Jahren. Es passt ganz gut zu meinem Beruf als Polizeibeamtin – und es hat wirklich mit Helfen zu tun.“

 

Hilfe im Gefängnis

Erwin Rumpel: „Gut zuhören.“ Foto: Daniel von Loeper

Erwin Rumpel (68), Rentner: „Ich helfe HIV-Kranken im Jugendknast. Ich will etwas zurückgeben, weil ich viele Freunde an die Krankheit verloren habe. Solange Häftlinge im Jugendknast nicht fragen ,Opa, was machst denn du hier?’, solange werde ich es weiter machen. Die infizierten oder erkrankten Menschen im Gefängnis haben keine Lobby. Für Häftlinge sind wir Ehrenamtlichen oft die einzigen sozialen Kontakte nach draußen. Alle zwei Wochen mache ich mit einem Mitarbeiter Haftbesuche von Betroffenen. Das System der Justiz ist leider sehr schwerfällig. Häftlingen helfen zu wollen, ist zugegebenermaßen eine psychisch und physisch anstrengende Geschichte. Man muss gut zuhören können.“

 

Eins? Nein, sieben Ehrenämter!

Peter Veth (64), Bademeister: „Ein Drittel meiner Zeit verbringe ich mit meinen sieben Ehrenämtern, weil es mein Leben extrem bereichert. Es gibt mir ein irres Gefühl der Ausgeglichenheit und eine befriedigende Wertschöpfung. Meine besten Freunde habe ich in meinen Ehrenämtern gefunden. Ohne Ehrenämter würde unsere Gesellschaft zusammenbrechen. Das sieht man an Hilfsbedürftigen und Notleidenden.

Was ich tue: Ich bin im Rechtsausschuss der Bayerischen Taekwondo Union, Fachwart und Inklusionsbeauftragter im Diözesanverband München und Freising, beratendes Vorstandsmitglied in der Schlaganfall-Selbsthilfegruppe, Ausbilder zum Rettungsschwimmer beim Roten Kreuz, beratendes Vorstandsmitglied in der Selbst-Aktiv in der SPD Oberbayern, die sich um Themen kümmert, die Menschen mit Behinderung betreffen. Es geht mir darum, Menschen mit Behinderung in ihre Selbstständigkeit zu führen. Und ich leite eine Gruppe zu Angst und Depressionen. Außerdem gebe ich Schwimmunterricht für Schwerstbehinderte.“

 

Sie bringen Grün in die Stadt

Alexander Rossner und Nicole von Berg engagieren sich bei Green City. Foto: Daniel von Loeper

Alexander Rossner (52), Jurist: „Ich bin ehrenamtlich im Vorstand bei Green City, weil es mir Spaß macht und weil Green City für ein lebens- und liebenswertes München unverzichtbar ist.“

Nicole von Berg (41), Assistentin: „Es gibt mir ein gutes Gefühl, mich ehrenamtlich zu engagieren. Mir liegt daran, etwas in Bewegung zu setzen. Bei Green City ist das super möglich. Wir haben einen starken Gemeinschaftssinn. Mir gefallen Aktionen zur Begrünung der Stadt. Wenn man nicht ganz blind durch die Gegend läuft, dann findet man immer Möglichkeiten, sich für etwas einzusetzen. Demenz ist so ein Thema, das mir etwas Angst macht. Aus diesem Grund backe ich immer wieder Kuchen und spende diesen an den Verein Carpe Diem am Candidplatz. Dort bekommen Demenzkranke und ältere Menschen Unterstützung.“

 

Kochen für Stricher

Marion Bütow: „Ich freue mich, meine Potenziale zu leben.“ Foto: Daniel von Loeper

Marion Bütow (65), Rentnerin: „Ich arbeite als Rentnerin freiwillig bei Marikas, einer Anlaufstelle für junge männliche Stricher. Manchmal sagen die Jungs ,Mama’ zu mir. Das rührt mein Herz. Doch manchmal nerven sie auch. Ich koche einmal die Woche mittwochs mit meinem Mann Franz für die Jungs. Wir bereiten Essen zu, das die Münchner Tafel zur Verfügung gestellt hat. Wir essen gemeinsam und reden miteinander. Manchmal spielen wir noch Brettspiele oder Kicker und manchmal tanzen die jungen Männer.

Vorher habe ich 14 Jahre Hospizarbeit gemacht. Ich begleite außerdem Flüchtlinge bei Behördengängen. Ich freue mich, dass ich meine Potenziale leben darf. Für mich ist es in keiner Weise Anstrengung und kein Helfersyndrom – auch, wenn manches nicht einfach ist.“

 

Aktiv gegen Krebs

Traudl: „Ehrenamt ist ein Privileg.“ Foto: Daniel von Loeper

Traudl, engagiert bei der bayerischen Krebsgesellschaft: „Ich leite seit 2010 einmal im Monat ehrenamtlich eine Selbsthilfegruppe für Betroffene von familiärem Brust- und Eierstock-Krebs. Seit Schauspielerin Angelina Jolie öffentlich gemacht hat, dass sie sich beide Brüste und Eierstöcke hat entfernen lassen, ist dieses Thema viel bekannter geworden. Das Schöne an der Gruppenerfahrung ist, Wissen und Erfahrungen miteinander zu teilen. Wir sind kein Jammerhaufen. Meistens geht es bei uns lustig zu, aber manchmal auch ernst. Wir wollen Dinge konstruktiv angehen und schauen, wie man sich gegenseitig unterstützen kann. Alle in einer Gruppe tragen etwas für die Gemeinschaft bei.

Ich habe mich auch vor meiner Zeit mit der Gruppe ehrenamtlich engagiert. Wenn mich Leute als ,Gutmensch’ bezeichnen, reagiere ich allergisch. Ich empfinde es als Privileg, neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit ehrenamtlich arbeiten zu können.Ich habe schon viel mit armen Menschen gearbeitet und mich für Flüchtlinge eingesetzt. Es gibt Dinge, die man in Gemeinschaft einfach besser bewältigen kann.“

 

Hilfe für Ältere

Foto: Daniel von Loeper

Erika Stark (69) Pensionistin: „Ich war schon immer hilfsbereit. Wenn es einem selber gut geht, sollte man der Gesellschaft etwas zurückgeben. Es gibt so viele ältere Menschen, die niemanden mehr haben. Ich bin stellvertretende Ortsvorsitzende der AWO in Sendling. Der Großteil unserer Mitglieder ist über 80. Da kann man sich ausrechnen, was mit uns passiert. Es wäre schade, wenn es uns nicht mehr gibt.

Ich bin begeistert vom Alten-Service-Zentrum in der Daiserstraße, weil es dort viel Beratung und ein tolles Programm für Senioren in Sendling gibt.“

 

Ein feines Näschen

Helga Schoeler mit Hund Sissi: „Wir zaubern ein Lächeln auf die Gesichter von schwerstbehinderten Kindern.“ Foto: Daniel von Loeper

Helga Schoeler (69), Rentnerin: „Es kommt unheimlich viel zurück, wenn man sich ehrenamtlich engagiert. In der Nachbarschaftshilfe bin ich eigentlich schon immer aktiv, seit sechs Jahren gehöre ich außerdem zum Verein Streichelbande. Wir sind etwa 200 Mitglieder in München und besuchen monatlich rund 300 Menschen in Senioren-, Behinderten- und Kindereinrichtungen sowie in Schulen und Kindergärten. Bei uns gibt es nur freundliche Hunde und freundliche Mitarbeiter. Einfach großartig.

Meine Hündin heißt Sissi und ich gehe einmal in der Woche mit ihr ins Altersheim am Luise-Kiesselbach-Platz. Jeden zweiten Mittwoch im Monat besuche ich außerdem eine Gruppe für Betreutes Wohnen in Giesing. Da kommen wir zu dritt oder zu fünft jeweils mit Hund. Es gelingt uns, ein Lächeln auf die Gesichter von schwerstbehinderten Kindern zu zaubern, manche haben auch einen Migrationshintergrund.

Für Kinder, aber auch für alte Menschen und für Demenzerkrankte ist das Berühren der Hunde sehr bedeutsam und wichtig. Meine Sissi klettert zum Beispiel ganz zart aufs Knie. In unserer Gruppe gibt es einen Doggenrüden und eine Dackelmix-Hündin, die großartige Kunststücke vorführen kann. Ein liebenswerter, gediegener Cockerspaniel ist auch dabei. Meine Sissi ist Hans Dampf in allen Gassen. Sie geht von einem zum anderen. Hunde haben feine Antennen. Die Menschen, die wir eine Stunde lang besuchen, dürfen den Vierbeinern Leckerlis geben und sie streicheln und liebkosen. Ich habe in den vergangenen 35 Jahren immer wieder Hunde gehabt. Sieben Jahre lang habe ich auch ausgebildet.“

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