Münchner Elisabethmarkt: Warum die "Toilette für alle" nicht für alle da ist
Sie ist eigentlich schon seit letztem Sommer da – und hat für einige Verwirrung und auch Unmut gesorgt gleich neben dem "Eis & Brotstandl" am Elisabethmarkt: die "Toilette für alle". Weil sie, anders als der Name suggeriert, eben nicht für alle Besucher da ist. Sondern exklusiv "für alle" behinderten Menschen – also auch solche mit schweren und mehrfachen Behinderungen und besonderem Pflegebedarf.
Für die aber ist das stille Örtchen direkt am Markt (das 14. dieser Art in München) ein hochmoderner und geräumiger Segen, man könnte auch sagen: ein Ferrari unter den Toiletten.

Piktogramm mit Rollstuhl
Am Montag, mit einigen Monaten Verspätung, hat Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) das Häusl mit Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) ganz offiziell eingeweiht. Nun klebt – um die Verwirrung um den Namen zu entwirren – an der Tür auch ein eindeutiger rot-weißer Aufkleber, das Piktogramm zeigt einen Rollstuhl und einen Helfer vor einer Liege.

Eintritt nur mit Spezialschlüssel
Gleich vorweg: Man kommt nur mit einem "Euro-WC-Schlüssel" hinein, den Berechtigte gegen die Vorlage eines Schwerbehindertenausweises erhalten können. Und: Die Tür lässt sich nur während der Öffnungszeiten des Schwabinger Elisabethmarkts öffnen, also von Montag bis Samstag, von 7 bis 17.45 Uhr. Die Nutzung ist kostenfrei.
Wer eine Einschränkung hat, aber keinen eigenen Schlüssel, kann sich einen beim Obst- und Gemüsestandl von Karl Huzcala abholen. "Ich habe einen Schlüssel für Notfälle", sagt er zur AZ, "aber wer keine Behinderung hat, muss auf eine der drei normalen Toiletten in den Gastro-Standln am Markt gehen."
"Da fühlen sich manche Leute diskriminiert"
In den vergangenen Monaten hat der Ausschluss von Marktbesuchern ohne Behinderung häufig Frust verursacht – auch, weil das Häusl gleich am Spielplatz liegt, an dem sich Eltern und Kinder häufig tummeln. Das hat nicht nur Händlersprecher Karl Huczala beobachten können, sondern auch Beatrice Bommer, die das "Eis & Brot"-Standl direkt neben dem Spezialklo führt. "Da fühlen sich natürlich manche Leute diskriminiert", berichtet die Standlfrau. "Andererseits", sagt sie, "wenn ich erkläre, dass Menschen mit besonderem Pflegebedarf eben eine besondere Hygiene auf der Toilette benötigen, stoße ich auch auf großes Verständnis."

Nur drei normale Klos sind zu wenig
Ein Problem aber bleibt am Elisabethmarkt: Nur drei normale Toiletten, integriert in drei Gastro-Standl, reichen an sonnigen Tagen schlicht nicht aus für die vielen Marktbesucher. "Da stehen die Leute teilweise ewig Schlange", sagt Karl Huczala, "wir hoffen, dass wir bald noch eine öffentliche Toilette bekommen, die dann auch rund um die Uhr geöffnet ist."

Pflegeliege mit "Lifter"
Und was macht diese "Toilette für alle" nun so besonders? Sie ist rund zwölf Quadratmeter groß und barrierefrei. Die Toilette ist höhenverstellbar mit klappbaren Stützgriffen an beiden Seiten. Auch das Waschbecken ist höhenverstellbar, sodass man mit einem Rollstuhl beim Händewaschen darunter fahren kann.
Ein Segen ist für Menschen, die nicht selbstständig sitzen können, die Pflegeliege im Raum, wo etwa ungestört und hygienisch Einlagen oder Katheter gewechselt werden können. Ein sogenannter Lifter an der Decke, der durch den ganzen Raum bewegt werden kann, entlastet Pfleger beim Anheben eines Menschen aus dem Rollstuhl.
12.000 Euro für die Spezialausstattung
Allein die Extra-Ausstattung rund um Liege und Lifter koste bis zu 12.000 Euro, erklärt Josefine Hille von der "Stiftung Leben pur", die sich dafür einsetzt, dass an öffentlichen Plätzen "Toiletten für alle" entstehen. Deutschlandweit ist die Spezialtoilette am Elisabethmarkt die 200., die seit 2013 in Betrieb gegangen ist. Das Sozialministerium fördert das Projekt mit 100.000 Euro pro Jahr. Weitere dieser besonderen Toiletten finden sich etwa am Kurfürstenplatz, am Marienplatz und Sendlinger Tor.
Alle Standorte finden sich auf: www.toiletten-fuer-alle.de und auf der kostenlosen "Toiletten für alle"-App.
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