Münchner Badeseen qualitativ "im grünen Bereich": ÖDP sieht das anders

Ein erfrischender Sprung ins Wasser ist in fast allen Badeseen in Bayern empfehlenswert. In München wird die Bewertung der Wasserqualität eines Sees kontrovers diskutiert.
Guido Verstegen
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Eine Frau genießt am Riemer See das schöne Wetter. (Archivbild)
Eine Frau genießt am Riemer See das schöne Wetter. (Archivbild) © Sven Hoppe/dpa
München

Der Blick auf die vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im Internet veröffentlichte Badegewässerkarte zeigt, dass in den Badeseen des Freistaats fast überall ungetrübter Spaß möglich ist. Auch die Stadt München sieht die Wasserqualität bei ihren acht Badeseen "im grünen Bereich", doch bei dieser Einschätzung spielt die Stadtratsfraktion ÖDP/Bündnis Kultur/München Liste nicht mit.

Eine Münchner Badestelle wird als "mangelhaft" bewertet

Nach einer neuen Bewertung wurden 96 Prozent der 375 EU-Badestellen in Bayern als gut oder ausgezeichnet eingestuft, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Als nur "ausreichend" wurden drei Badestellen in Unterfranken, als "mangelhaft" eine in München bewertet – die liegt am Riemer See. 

ÖDP: Welche Maßnahmen plant die Stadt mit Blick auf die Wasserqualität im Riemer See? 

Die Fraktion ÖDP/BK/ML fordert eine umfassende Aufklärung der Ursachen und hat dazu eine Stadtratsanfrage eingereicht. Besonders in den Pfingstferien sei der Riemer See für alle Daheimgebliebenen ein schönes Ausflugsziel. Umso größer dürfte jetzt die Verunsicherung sein, heißt es am Mittwoch in einer Mitteilung.

Mit der Anfrage wolle man unter anderem klären, wann die Stadtverwaltung über die mangelhafte Bewertung informiert wurde, welche Sofortmaßnahmen geplant sind, wie Badegäste über die Bewertung informiert werden und welche Konsequenzen die Stadt für die Planung weiterer künstlicher Badeseen, insbesondere in Freiham, zieht.

Ruff: "Der Riemer See hat keinen ständigen Grundwasserzustrom"

"Der Riemer See ist ein künstlich angelegtes Gewässer mit einer sehr intensiven Nutzung durch Badegäste und hat keinen ständigen Grundwasserzustrom. Solche Seen reagieren oft empfindlicher auf Einträge von Nährstoffen und Keimen als natürliche Gewässer mit größeren Zu- und Abflüssen", sagt der Fraktionsvorsitzende Tobias Ruff.

Hält ein Rauchverbot für denkbar: Tobias Ruff.
Hält ein Rauchverbot für denkbar: Tobias Ruff. © Sigi Müller

Schon in den vergangenen Jahren habe es wiederholt Probleme mit fäkalen Verunreinigungen gegeben: "E. coli und Enterokokken können insbesondere bei Kindern, älteren Menschen und immungeschwächten Personen Magen-Darm-Erkrankungen und Fieber verursachen." Deshalb müsse jetzt sorgfältig untersucht werden, wie diese Belastungen entstanden seien und welche Maßnahmen notwendig seien, "um die Wasserqualität dauerhaft zu sichern".

Stadt München: So lief die Bewertung der neuen Messstelle "Riemer See – Nord" 

Die Bewertung der Badegewässerqualität erfolge mittels eines speziellen statistischen Verfahrens für jede EU-Badestelle separat, teilt die Stadt am Mittwoch mit: "Hierbei werden retrospektiv immer nach dem Ende jeder Badesaison die Messwerte des laufenden Jahres und die drei vorangegangenen Jahre erfasst."

In Bayern gibt es 375 EU-Badestellen, die in der Badesaison regelmäßig untersucht werden. (Archivbild)
In Bayern gibt es 375 EU-Badestellen, die in der Badesaison regelmäßig untersucht werden. (Archivbild) © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Für die Erstbewertung der 2023 neu angemeldeten Messstelle "Riemer See – Nord" könne gemäß den Vorgaben der Bayerischen Badegewässerverordnung davon abweichend ein Betrachtungszeitraum von drei Jahren (2023-2025) gewählt werden, da mindestens 16 Einzelproben vorlägen.

"Verschmutzungen vermutlich durch den Eintrag von Wasservögeln verursacht"

Den Angaben aus dem Rathaus zufolge erhielt die Badestelle "Riemer See – Süd" aktuell das Prädikat "gut", die EU-Badestelle "Riemer See – Nord" wurde demnach mit "mangelhaft" bewertet. 

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"Diese Einstufung ist auf zwei kurzzeitige Verschmutzungen, eine im Jahr 2023, eine im Jahr 2024, zurückzuführen, was aufgrund der EU-Konformitätsberechnung mehrerer Jahre zu dem retrospektiven Gesamturteil 'mangelhaft' geführt hat", heißt es bei der Stadt: "Die Verschmutzungen waren vermutlich durch den Eintrag von Wasservögeln verursacht worden."

"Maßnahmen wirken sich unmittelbar positiv auf die Wasserqualität aus"

Man habe deshalb seit Sommer 2024 mehrere Maßnahmen eingeleitet: Die Grünflächen würden öfter gemäht, wodurch Vogelkot mit abgesammelt werde und nicht mehr in den See gelangen könne. Im Einsatz seien zudem "Krähensichere Mülleimer mit höherer Entleerungsfrequenz". Zudem soll ein strengeres Durchsetzen des Fütterungsverbots dafür sorgen, dass sich die Verschmutzung durch Vögel verringere.

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"Die durchweg unauffälligen Beprobungen aus der Badesaison 2025 und auch die ersten Untersuchungsergebnisse aus dem Jahr 2026 belegen, dass sich die Maßnahmen unmittelbar positiv auf die Wasserqualität auswirken und die Qualitätsanforderungen der BayBadeGewV wieder durchgängig eingehalten werden", betont die Stadt.

Gerlach: "Schlechte Wasserqualität kann zu Magen-Darm-Erkrankungen führen"

Auch nach Einschätzung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bestehe angesichts dieser Entwicklung für die Badesaison 2026 keine Notwendigkeit, "für die Badestelle 'Riemer See – Nord' Nutzungseinschränkungen oder ein Badeverbot auszusprechen". Sieben von acht Münchner Badeseen erhalten laut Stadt regelmäßig das Prädikat "ausgezeichnet".

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU).
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU). © Katharina Kausche/dpa

Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hatte in diesem Jahr seit Ende April 750 Wasserproben mikrobiologisch untersucht. Zehn Badestellen wurden den Angaben nach nicht eingestuft, weil die erforderliche Anzahl an Untersuchungsergebnissen nicht vorlag. Die bisher vorliegenden Ergebnisse wiesen aber auf eine gute Wasserqualität hin. 

"Schlechte Wasserqualität kann zu Magen-Darm-Erkrankungen führen", erklärte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU). Die Gesundheitsämter überwachten deshalb die EU-Badestellen in der Badesaison. Dazu nehmen diese dem Ministerium zufolge von Ende April bis 15. September sechsmal Wasserproben. Das LGL untersucht diese auf die Darmbakterien "Escherichia coli" und "Intestinale Enterokokken". 

Besteht der Verdacht auf erhöhte Konzentrationen von Cyanobakterien – auch Blaualgen genannt –, werden die Wasserproben zusätzlich auf diese untersucht. Die Fachleute erwarten, dass im Zuge der Klimaerwärmung in Zukunft mehr Probleme mit Blaualgen auftreten könnten.


Hier geht es zu den Untersuchungsergebnissen der acht Münchner Badeseen.

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