Münchner Altstadt soll autofrei werden

Geht es nach den Stadtrats-Grünen, ist die City in zehn Jahren autofrei, sind die Gehwege brettlbreit und die Fußgängerzone dehnt sich aus.
| Johanna Jaurnig
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Die Fußgängerzone breitet sich aus: Geht’s nach den Grünen kommen weitere Straßen hinzu – geplante (rot) und noch zu prüfende Bereiche (grün).
Diehl/Schemberg Die Fußgängerzone breitet sich aus: Geht’s nach den Grünen kommen weitere Straßen hinzu – geplante (rot) und noch zu prüfende Bereiche (grün).

Geht es nach den Stadtrats-Grünen, ist die City in zehn Jahren autofrei, sind die Gehwege brettlbreit und die Fußgängerzone dehnt sich aus. Pläne, die nicht alle so prickelnd finden

München - Etwa ein Drittel aller Wege in München werden zu Fuß zurück gelegt, in der Innenstadt sind es sogar knapp die Hälfte. Dabei kümmern sich die Verkehrsplaner oft nur um Auto- und Radler – obwohl der Autoverkehr in der Innenstadt laut Grünen in den letzten Jahren um 15 Prozent zurückgegangen ist. Und: 4,5 Millionen investiert die Stadt pro Jahr ins Prestige-Projekt „Radlhauptstadt”.

Wo Radwege ausgebaut wurden, geht das oft zu Lasten der Gehwege. „Damit ist jetzt Schluss”, sagt Grünen-Stadträtin Sabine Nallinger. Und will die City langfristig zur autofreien Zone machen.
Die Pläne der Grünen:

Mehr Fußgängerzone: In zehn Jahren soll der gesamte Bereich innerhalb des Altstadtrings für Autos gesperrt sein. Nur Lieferverkehr, Taxis und Anwohner dürfen dann noch rein. „Die Altstadt hat einen Durchmesser von höchstens 1,3 Kilometern – diese Distanzen kann man ohne weiteres gehen”, sagt Nallinger.

Folgende Straßen wollen die Grünen sofort autofrei umgestalten: die Sendlinger Straße bis zum Sendlinger Tor, die Dienerstraße vom Marienplatz bis zum Max-Josef-Platz und die Brienner Straße vom Odeonsplatz bis zum Wittelsbacher Platz. Der letzte Abschnitt setzt allerdings voraus, dass der Altstadtring-Tunnel so umgebaut wird, dass man von der Ludwigstraße direkt auf den Ring abbiegen kann.

„Die Kaufingerstraße hat den abgestandenen Charme der 70er”, findet Sabine Nallinger. „Da ist noch viel Potenzial, indem man sie auf die Nebenstraßen links und rechts davon ausdehnt und so Druck aus der Fußgängerzone nimmt.”

Klar, dass die Geschäftsleute in der City die Grünen-Pläne skeptisch sehen. Wolfgang Fischer von der Gewerbegesellschaft „Citypartner”: „Für uns Ladenbesitzer ist es wichtig, mit allen Verkehrsmitteln erreichbar zu sein – eben auch mit dem Auto.”

Autos und Fußgänger zusammen
: Wo keine Fußgängerzone möglich ist, sollen verkehrsberuhigte Bereiche kommen. „Die Gehwege würden abgeschafft und Fußgänger die Straße nutzen, auf denen Autos mit 10 oder 20 km/h fahren”, sagt Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. Genau so etwas soll im Tal eingerichtet werden, um einen bequemen Zugang zur Isar zu schaffen.
Die SPD hält von diesem Mischprinzip wenig. Sie will die Fußwege deutlich verbreitern, aber die Trennung von Bürgersteig und Fahrbahn beibehalten.

Schneller zum Fluss soll es künftig auch für die Isarvorstädter gehen: Bis 2014 wollen SPD und Grüne den Klenzesteg zwischen Wittelsbacher Reichenbachbrücke bauen. Damit das renaturierte Au-Ufer zu Fuß schnell erreichbar ist.


Bessere Orientierung für München und Touristen durch ein spezielles Leitsystem: Spaziergänger sollen sich auf Schildern informieren, wie weit es bis zur nächsten Sehenswürdigkeit oder zum nächsten Verkehrsknotenpunkt ist. „In London gibt es an jeder Straßenecke aufwendige Stelen mit Übersichtskarten und Hinweisen. So ein System wäre Deluxe”, sagt Bickelbacher.
Kosten würde das Ganze etwa 7000 Euro pro Stele inklusive Entwicklung. „Mit 50 Stelen für den Anfang wäre man also mit 350000 Euro dabei.” Aber auch ein weniger aufwendiges Schildersystem können sich die Grünen vorstellen. Finanziert werden soll das Projekt aus Überschüssen – beispielsweise aus der Radverkehrspauschale.

Der Koalitionspartner SPD steht diesem Vorhaben skeptisch gegenüber: „Ich halte den Fußgänger nicht für so hilfsbedürftig, dass man ihm erklären muss, wohin er zu gehen hat”, meint SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Reissl. Außerdem will die SPD den Schilderwald weiter reduzieren.

Zugang zu den Haltestellen: Gerade ältere Haltestellen sind für Fußgänger umständlich zu erreichen. Etwa an der S-Bahnhaltestelle Laim soll untersucht werden, wie die Zugänge zu den Gleisen besser gestaltet werden können. Gleiches gilt für Haltestellen wie Heimeranplatz oder Kapuzinerplatz.

Breitere Fußwege, einfachere Überwege:
Nur eine Fußgängerfreundliche Stadt sei auch kinderfreundliche, finden die Grünen – und fordern breitere Fußwege und übersichtlichere Übergänge. „Am Kapuzinerplatz kann man die Kreuzung nur an drei Seiten überqueren, das ist umständlich und hält auf”, kritisiert Bickelbacher.

Insgesamt wollen die Grünen prüfen, wo Ampel-Übergänge in Zebrastreifen umgewandelt werden können. In der Kapuzinerstraße, wo sich Radler und Fußgänger oft in die Quere kommen, soll geschaut werden, ob der Radverkehr auf die Straße verlegt werden kann.

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