Münchner Ärzte mit erster Herztransplantation Deutschlands

Vor 50 Jahren wird in München die erste Herztransplantation durchgeführt. Ein Misserfolg, aber der Anfang einer Erfolgsgeschichte.
| Sabine Dobel, dpa
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In diesem Saal ist die OP durchgeführt worden.
Heinz Gebhardt 5 In diesem Saal ist die OP durchgeführt worden.
Die Münchner Chirurgen Professor Dr. Rudolf Zenker (l.), Werner Rudolph (m.) und Werner Klinner (r.) bestätigen am 14. Februar 1969 vor Journalisten, dass am Vortag die erste Herztransplantation in der Bundesrepublik durchgeführt wurde.
Klaus Heirler/dpa 5 Die Münchner Chirurgen Professor Dr. Rudolf Zenker (l.), Werner Rudolph (m.) und Werner Klinner (r.) bestätigen am 14. Februar 1969 vor Journalisten, dass am Vortag die erste Herztransplantation in der Bundesrepublik durchgeführt wurde.
Der Herzempfänger Josef Zehner stirbt nur 27 Stunden nach der Operation, hier ein Bild von der Beerdigung.
Heinz Gebhardt 5 Der Herzempfänger Josef Zehner stirbt nur 27 Stunden nach der Operation, hier ein Bild von der Beerdigung.
Das Bild vom 14. Februar 1969 zeigt den Münchner Herzchirurgen Rudolf Zenker bei einer Presseerklärung zur ersten Herztransplantation in Deutschland.
dpa 5 Das Bild vom 14. Februar 1969 zeigt den Münchner Herzchirurgen Rudolf Zenker bei einer Presseerklärung zur ersten Herztransplantation in Deutschland.
1981 - Spender und Empfänger: Nach zwölf Jahren wurde in München wieder eine Herztransplantation vorgenommen – von Professor Fritz Sebening, damals 51. Eine medizinische Sensation. Die AZ schilderte in ihrer Gründlichkeit auch die Vita des Organspenders. Ein Krankenpfleger namens Ignaz Huber aus Moosinning war bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Sein Herz schlug dann in einem Münchner Kaufmann weiter.
ho 5 1981 - Spender und Empfänger: Nach zwölf Jahren wurde in München wieder eine Herztransplantation vorgenommen – von Professor Fritz Sebening, damals 51. Eine medizinische Sensation. Die AZ schilderte in ihrer Gründlichkeit auch die Vita des Organspenders. Ein Krankenpfleger namens Ignaz Huber aus Moosinning war bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Sein Herz schlug dann in einem Münchner Kaufmann weiter.

München - Es war ein Durchbruch – und eine Niederlage zugleich. Vor 50 Jahren gelang einem Team um den Münchner Arzt Rudolf Zenker die erste Herztransplantation in Deutschland.

Die Operation sei "programmgemäß" verlaufen, meldete Zenker kurz danach. Das fremde Herz war in der Brust des Patienten erfolgreich zum Schlagen gebracht worden. Doch 27 Stunden später war der Patient tot. Zenker trat kurz angebunden vor die Presse und verlas eine Stellungnahme. Er nannte die Organverpflanzung einen Misserfolg und verließ den Saal.

Erste Herztransplantation in Südafrika

Dennoch war der 13. Februar 1969 ein historisches Datum für die deutsche Transplantationsmedizin. Der erste Durchbruch war Christiaan Barnard im südafrikanischen Kapstadt am 3. Dezember 1967 gelungen, als er das weltweit erste Herz verpflanzte. International hatten sich mehrere Teams auf den Schritt vorbereitet, den Barnard als Erster wagte. Auch sein erster Patient überlebte nur 18 Tage.

"Es war alles sehr früh", sagt Bruno Reichart, der 1971 Assistent bei Zenker und Mitte der 1980er Jahre in Kapstadt Nachfolger von Barnard wurde. Voraussetzung für die Transplantationen war die Entwicklung der Herz-Lungen-Maschine. Doch die Möglichkeiten im OP wie auch in der Diagnostik waren im Vergleich zu heute begrenzt. "Man muss dem Schritt großen Respekt zollen, dass man es gemacht hat", sagt Reichart. Die Ärzte hätten nichts falsch gemacht. Sie seien bestens vorbereitet gewesen. "Es war für sie schwer zu verkraften. Sie haben nicht gern darüber gesprochen", erinnert er sich.

Die Chirurgen Werner Klinner und Fritz Sebening mit einem rund 30-köpfigen Team unter Zenkers Leitung hatten die OP akribisch geplant. Der 36-jährige Patient war todkrank. Der komplizierte Eingriff glückte. Doch das fremde Herz pumpte nicht richtig. Es stammte von einer tödlich verunglückten 39-Jährigen und war - für die Ärzte damals nicht feststellbar - bei dem Unfall verletzt worden. Die Obduktion nach der gescheiterten Operation ergab, dass sich an einem kleinen Riss in der hinteren Herzkranzarterie ein Blutpfropf gebildet hatte, der zum Tod des Herzpatienten führte.

Das Bild vom 14. Februar 1969 zeigt den Münchner Herzchirurgen Rudolf Zenker bei einer Presseerklärung zur ersten Herztransplantation in Deutschland.
Das Bild vom 14. Februar 1969 zeigt den Münchner Herzchirurgen Rudolf Zenker bei einer Presseerklärung zur ersten Herztransplantation in Deutschland. © dpa

Die ersten Transplantationen waren nicht erfolgreich

Zwischen Barnards erster Operation und dem Münchner Eingriff waren weltweit gut 100 Herzen verpflanzt worden. Die Ergebnisse waren niederschmetternd. Nur ein Patient, operiert von Barnard, erlebte den Jahrestag der OP. "Die ersten Herztransplantationen lösten eine Welle an Organverpflanzungen aus, die jedoch allesamt nicht längerfristig erfolgreich waren", sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), Wolfgang Harringer.

In Deutschland starben auch der zweite und der dritte Patient nach der Transplantation. "Die Erfahrungen waren weltweit die Gleichen: Dass es nicht klappte", sagt Reichart. Insbesondere die Medikamente gegen die Abstoßung des fremden Organs waren nicht ausgereift.

Sehr wenige Ärzte, unter ihnen Barnard und der US-Chirurg Norman Shumway, operierten weiter, mit leicht steigendem Erfolg. Die meisten schreckten zurück. "Die Ressourcen für Operationen waren knapp. Viele sagten: Lasst uns das machen, wo die größte Not ist", sagt Reichart. In manchen Kliniken galt ein Moratorium.

Nächster Versuch in München im Mai 1981

In Deutschland griff nach mehrjähriger Pause im Mai 1981 ein Team um den Münchner Chirurgen Sebening am Deutschen Herzzentrum als erstes wieder zum Skalpell. Neue Medikamente, die zur Vermeidung der Abstoßung nicht mehr das komplette Immunsystem blockierten, brachten nun bessere Erfolge. Auch andere Herzzentren wagten den Eingriff.

1983 nahm Reichart in München die erste Herz-Lungen-Transplantation in Deutschland vor. 1997 verpflanzte er erstmals bundesweit Herz, Lunge und Leber gleichzeitig. Diese Patientin lebte danach elf Jahre – ein Zeichen für die Fortschritte in der Transplantationsmedizin.

1981 - Spender und Empfänger: Nach zwölf Jahren wurde in München wieder eine Herztransplantation vorgenommen – von Professor Fritz Sebening, damals 51. Eine medizinische Sensation. Die AZ schilderte in ihrer Gründlichkeit auch die Vita des Organspenders. Ein Krankenpfleger namens Ignaz Huber aus Moosinning war bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Sein Herz schlug dann in einem Münchner Kaufmann weiter.
1981 - Spender und Empfänger: Nach zwölf Jahren wurde in München wieder eine Herztransplantation vorgenommen – von Professor Fritz Sebening, damals 51. Eine medizinische Sensation. Die AZ schilderte in ihrer Gründlichkeit auch die Vita des Organspenders. Ein Krankenpfleger namens Ignaz Huber aus Moosinning war bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Sein Herz schlug dann in einem Münchner Kaufmann weiter. © ho

Inzwischen ist die Herztransplantation eine anerkannte Behandlung für schwerkranke Menschen. Laut Deutscher Stiftung Organtransplantation (DSO) transplantieren Ärzte in Deutschland pro Jahr an die 300 Herzen. Seit 1963 wurden mehr als 13.000 Herzen verpflanzt. Nach drei Jahren schlagen Studien zufolge noch 70 Prozent der Herzen im Empfänger, nach zehn Jahren 60 Prozent. Viele Patienten überleben Jahrzehnte. Für Aufsehen sorgte der Extremsportler Elmar Sprink, der seit 2012 mit Spenderherz lebt und seitdem vier Mal ein Ironman-Rennen absolvierte.

Die Warteliste für ein Spenderorgan ist lang

Bis heute sterben aber viele Patienten, bevor sie ein Organ bekommen. Die Warteliste ist lang. Mehr als 700 Menschen hoffen laut DSO in Deutschland auf ein Herz. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Zahl der Spenderorgane mit neuen gesetzlichen Regelungen steigern. Auch Ärzte fordern neue Wege. "Wir sprechen uns deutlich für die Widerspruchslösung im Zusammenhang mit der Organspende aus, wie sie beispielsweise bereits in Österreich gesetzlich geregelt ist", sagt der Herzchirurg und DGTHG-Präsident Harringer.

Bisher ist das menschliche Herz nicht ersetzbar. Ein Kunstherz, dessen Antrieb der Patient als Köfferchen mittragen muss, gilt als Übergangslösung. Hoffnungen ruhten schon früh auf einer anderen Lösung: Tierherzen. Ärzte experimentierten erfolglos mit Affenherzen.

Aussichtsreich ist die Forschung mit gentechnisch veränderten Schweineherzen, die Reichart vorantreibt. Gerade haben er und sein Team einen Meilenstein erreicht: Ein Pavian mit Schweineherz überlebte ein halbes Jahr, ehe der Versuch beendet wurde. Bis das erste Schweineherz in einem Menschen schlagen kann, werden aber Jahre vergehen. Klinische Studien könnten laut Reichart frühestens in drei Jahre beginnen – eine Hoffnung für Patienten in fernerer Zukunft.


Zahlen zu Herzoperationen: Immer mehr Transplantationen

In den vergangenen 27 Jahren ist die Zahl der Herzoperationen in Bayern deutlich angestiegen. Im Jahr 2017 zählte die Deutsche Herzstiftung fast 22.500 Eingriffe, wie aus dem veröffentlichten Herzbericht hervorgeht. Im Jahr 1990 waren es noch knapp 7.760 Operationen im Freistaat.

2016 starben dem Bericht zufolge pro 100.000 Einwohner rund 220 Menschen an einer Herzkrankheit. Auf einen Kardiologen (Herzspezialist) kamen in der vertragsärztlichen Versorgung im Jahr 2017 ungefähr 22.400 Bewohner. Ein Vertragsarzt darf gesetzlich versicherte Patienten behandeln und ist in der Regel als Facharzt zugelassen.

Heute transplantieren Ärzte in Deutschland pro Jahr an die 300 Herzen.

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