Klo-Experte verrät: Das ist Münchens ekligste Toilette

Mit einem eigenen Bewertungssystem zeigt ein Toiletten-Influencer, welche Klos ins München mehr als nur benutzbar sind – und welche man besser meidet.
von  Maja Aralica
Positiv überrascht ist Thomas von der öffentlichen Toilette am Stachus: Sauber, neu und es riecht sogar angenehm.
Positiv überrascht ist Thomas von der öffentlichen Toilette am Stachus: Sauber, neu und es riecht sogar angenehm. © ma

Es gibt wohl kaum ein Thema, das alle Menschen gleichermaßen betrifft wie der Gang zur Toilette. Ob jung oder alt, arm oder reich, von Allach bis ins Westend: Früher oder später müssen wir alle mal aufs Klo.

Das Thema ist sogar politisch. Im Mai stimmte der Bayerische Landtag dafür, dass es bei Großveranstaltungen künftig genauso viele Frauen- wie Männertoiletten geben soll. Damit sollen die oft langen Schlangen vor den Damentoiletten verkürzt werden. Auch die neue Münchner Stadtregierung will den öffentlichen Raum verbessern – "etwa durch mehr Mülleimer, Reinigung und öffentliche Toiletten“, heißt es im Koalitionsvertrag.

Toiletten-Tester Thomas alias „Die Schüssel der Wahrheit“ testet Toiletten in ganz Deutschland und veröffentlicht seine Ergebnisse auf Social Media.
Toiletten-Tester Thomas alias „Die Schüssel der Wahrheit“ testet Toiletten in ganz Deutschland und veröffentlicht seine Ergebnisse auf Social Media. © Daniel von Loeper

Das beste stille Örtchen der Stadt? Der Münchner Toiletten-Tester Thomas alias "Die Schüssel der Wahrheit“ schaut sich auf Social Media Klos in ganz Deutschland genau an. In Der AZ erzählt nennt er seine Favoriten. Im Interview verrät er, wie er dazu kam.

Keine Luxustoilette

"Der Oberpollinger hat mich wirklich überrascht. Unten kaufst du Rolex oder Gucci-Taschen für Tausende Euro – und oben bekommst du eine Toilette, die keine drei Cent wert ist. Dabei sitzt dort sogar noch jemand und kassiert. Das passt für mich einfach überhaupt nicht zusammen.“

Nicht besonders edel ist die Toilette im Luxuskaufhaus Oberpollinger, findet Thomas.
Nicht besonders edel ist die Toilette im Luxuskaufhaus Oberpollinger, findet Thomas. © ma

Auch in seinem Video spart Thomas nicht mit Kritik: "Was uns jetzt erwartet, trotz Klofrau, ist nicht wirklich schön“, sagt er dort. "Es riecht ekelhaft, die Hygiene ist wirklich unterirdisch.“ Dazu zeigt er die verschmutzte Toilettenschüssel.

Immerhin: Mit der Temperatur, den Papierhandtüchern und der Klobürste ist der 55-Jährige zufrieden. Auch die Spülung überzeugt ihn: Sie hat "absolutes Tsunami-Niveau, da hat keine Wurst ’ne Chance“. Am Ende vergibt er "maximal ’ne fünf von 10“.

Eine solide Toilette

"Eine öffentliche Toilette, die mich wirklich positiv überrascht hat, sind die Toiletten in den Stachus-Passagen“, sagt Thomas. "Die sind relativ neu und hygienisch wirklich top.“ Zwar seien die 1,50 Euro Eintritt "ziemlich happig“, dafür stimme dort aber vieles. "Gerade für eine öffentliche Toilette ist das wirklich bemerkenswert“, so der Toiletten-Tester. Positiv bewertet er auch, dass die Anlage betreut und von einem externen Dienstleister gereinigt wird.

In seinem Instagram-Video lobt Thomas vor allem die Sauberkeit und den Geruch. Ein Kritikpunkt: Die Kabinen sind oben und unten offen –gerade an einem so stark frequentierten Ort kann das störend sein. Auch das einlagige Toilettenpapier überzeugt ihn nicht: Da geben die Dienstleister "nicht ihr Bestes“.

Eine Toilette am Stachus. Für den Experten solide.
Eine Toilette am Stachus. Für den Experten solide. © ma

Wenig begeistert zeigt er sich außerdem von der Spülung: "Kurz, knapp und nicht wirklich heftig – das ist nicht cool“, urteilt er auf Instagram. Am Ende vergibt Thomas sechs von zehn "Schüsseln“ – mit Aussicht auf eine zweite Chance: "Wenn ich mal wieder des Wegs bin, komm ich wieder.“

Die perfekte Toilette

"Eine 10-von-10-Toilette ist für mich das Andaz“, sagt Thomas. Das war eines meiner ersten Videos. Dort stimmt einfach alles: das Design, die Hintergrundmusik, der Geruch – das gesamte Konzept ist total stimmig. Ganz unkompliziert ist der Zugang allerdings nicht, wenn man kein Hotelgast ist. Ich gehe natürlich trotzdem rein oder trinke dort vorher zumindest einen Kaffee.“

Eine Top-Toilette hat das Hotel Andaz, findet Thomas.
Eine Top-Toilette hat das Hotel Andaz, findet Thomas. © Screenshot/Instagram

Auch auf Instagram gerät Thomas ins Schwärmen: "Was für ein geiles Design“, sagt er dort. "Hier riecht’s gut, hier sind die Temperaturen perfekt, hier könntest du vom Boden essen und im Hintergrund läuft perfekte Lounge-Musik.“

Besonders überzeugt ihn die Ausstattung: dreilagiges Toilettenpapier, eine neue Klobürste und eine Spülung auf "Tsunami-Niveau“. Dazu kommen "leckere Seife“, Papierhandtücher und lauwarmes Wasser. Sein Fazit am Ende des Videos: "Das war perfekt“ – und damit zehn von zehn Schüsseln.

Die apokalyptische Toilette

Besonders schlecht bewertet Thomas die Toilette am Sendlinger Tor. "Ich habe in meinem Leben selten so etwas gerochen. Ich nenne das immer apokalyptisch. Das war eine Mischung aus Urin, Bier, Marihuana und allem Möglichen. Wirklich ekelhaft. Man hatte das Gefühl, dort war seit Wochen keine Reinigungskraft mehr drin. Überall standen Sachen herum, alles war verschmutzt – und trotzdem zahlst du Eintritt.“

Besonders kritisch sieht er auch den Eindruck, den die Toilette auf Besucher der Stadt macht: "Da gehen eben auch Touristen rein, die an der Sendlinger Straße unterwegs sind und einfach nur eine Toilette suchen. Und der Eindruck von München, den diese Toilette hinterlässt, ist schon heftig. Das hatte für mich eher Berlin- oder Frankfurt-Style. Wirklich unterirdisch.“

Von außen ganz normal, doch von innen katastrophal: Thomas gibt der Toilette am Sendlinger Tor eine von 10 Schüsseln.
Von außen ganz normal, doch von innen katastrophal: Thomas gibt der Toilette am Sendlinger Tor eine von 10 Schüsseln. © ma

Auch im Video spart Thomas nicht mit deutlichen Worten. "Ich gebe zu, ich habe hier nicht gesch...“, sagt er dort. Zu ekelerregend seien die Zustände in der öffentlichen Toilette. Das einlagige Toilettenpapier kommentiert er mit: "Ich hätte mir nicht mehr erwartet.“ Immerhin: Die Klobürste sei "verhältnismäßig in Ordnung“.

Von der Spülung will er dagegen gar nichts wissen: "Spülstärke – ich schenk’s euch, Leute, es ist so ekelerregend.“ Neben dem Waschbecken steht außerdem eine Bierflasche. "Ich will hier einfach nur noch raus“, sagt er im Video. Sein Fazit: "Ich gebe aus einer Emotion heraus [...] eine ganz klare 1 von 10.“ Und weiter: "Never ever komm’ ich hier wieder her.“

Die Design-Toilette

"Besonders beeindruckt hat mich das Sofitel direkt am Hauptbahnhof“, sagt Thomas. "Die Toilette dort ist nicht nur hygienisch top, sondern auch vom Design her wunderschön.“ Die Toilette war allerdings zuerst eine 9 von 10, verrät der Toilettentester. "Danach hat mich der stellvertretende Hoteldirektor nochmal eingeladen und gesagt:,'Komm nochmal vorbei, wir haben investiert.‘“

Toilettenpapierrollen in Seidenpapier und ein Glasmosaik im Sofitel.
Toilettenpapierrollen in Seidenpapier und ein Glasmosaik im Sofitel. © Screenshot/Instagram

Inzwischen sind dort die Toilettenpapierrollen in Seidenpapier mit Sofitel-Aufkleber eingewickelt. "Das klingt verrückt, aber genau solche Details machen den Unterschied“, sagt Thomas. In seinem Video hatte er kritisiert, dass das Klopapier ungeschützt neben der Schüssel platziert war. "Ein hygienischer Supergau“, sagt er. Großer Fan ist er vom Glasmosaik an den Wänden, der Sauberkeit, der leichten Hintergrundmusik, dem Geruch und der Lotion beim Waschbecken. Auch die Spülstärke: Tsunami-Like. Das hat mit der Klopapier-Anpassung 10 von 10 Schüsseln verdient, findet Thomas.

So viele öffentliche Toiletten gibt es in München

Aktuell gibt es im Stadtgebiet 166 öffentliche Toiletten, teilt das Baureferat der AZ mit. Sie befinden sich unter anderem in U-Bahn-Stationen, anderen städtischen Gebäuden, auf Friedhöfen, öffentlichen Verkehrsflächen, in Grünanlagen und an der Isar. Die Toiletten, für die das Baureferat zuständig ist, sind täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet und kostenlos nutzbar.

Je nach Standort sind unterschiedliche Stellen verantwortlich: entweder das Baureferat oder das Referat für Arbeit und Wirtschaft als Betreuerreferat der LHM Services GmbH, einer Tochter der Stadtwerke München.

Diese Klos sind derzeit außer Betrieb

Weitere Toiletten betreiben die Deutsche Bahn in ihren Bahnhöfen sowie das Kommunalreferat, etwa auf städtischen Friedhöfen. In den kommenden Jahren plant das Baureferat außerdem 15 weitere öffentliche Toiletten – vor allem in Grünanlagen.

Rund um die stillen Örtchen gibt es allerdings auch Streit. Im Leopoldpark etwa soll ein kostenloses Toilettenhäuschen entstehen. Dagegen wehrt sich jedoch eine Bürgerinitiative.

Die MVG betreibt 60 der 166 öffentlichen Toiletten an Haltestellen und Bahnhöfen, davon 56 in U-Bahnhöfen. 40 Anlagen wurden bereits saniert. Wegen laufender Umbauten sind die Toiletten an den Bahnhöfen Odeonsplatz, Olympiazentrum und Hauptbahnhof derzeit außer Betrieb.

Wir haben eine kleine Übersicht über öffentliche Toiletten zusammengestellt:

  • Altstadt: U-Bahntoilette am Marienplatz (60 Cent, barrierefrei)
  • Schwabing: Öffentliche Toilette im Luitpoldpark (50 Cent)
  • Haidhausen: Friedhof Haidhausen
  • Sendling: Öffentliche Toilette Brudermühlstraße (barrierefrei)
  • Schwanthalerhöhe: Öffentliche Toilette am Georg-Freundorfer-Platz (barrierefrei)
  • Neuhausen: Öffentliche Toilette am Taxispark (barrierefrei)
  • Moosach: Öffentliche Toilette in der Großbeerenstraße (50 Cent)
  • Giesing: Öffentliche Toilette am Walchenseeplatz (barrierefrei)
  • Hasenbergl: Öffentliche Toilette am Goldschmiedplatz (barrierefrei)
  • Laim: Öffentliche Toilette in der Valpichlerstraße (barrierefrei)

Eine Übersicht aller Toiletten finden Sie unter: geoportal.muenchen.de/portal/wc_finder/

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