Toiletten-Revolution: Diese Entscheidung könnte die Schlangen an Bayerns Damenklos beenden
"Frauen müssen übrigens auch mal." Unter dieser Überschrift haben die Grünen im Bayerischen Landtag am Dienstag einen Antrag eingebracht, der ein alltägliches Problem politisch lösen soll – lange Schlangen vor Damentoiletten bei Konzerten, Sportveranstaltungen oder im Theater. Konkret geht es um eine Änderung der Bayerischen Versammlungsstättenverordnung. Künftig soll bei großen Veranstaltungsorten die gleiche Anzahl an Toilettenanlagen für Frauen und Männer vorgeschrieben werden.

"Es ist kein Naturereignis und kein Zufall", sagt die Grünen-Abgeordnete Julia Post im Gespräch mit der AZ zu den oft langen Schlangen vor der Damentoilette. "Es ist das Ergebnis von Planung, von Infrastruktur und politischen Rahmenbedingungen." Derzeit sieht die Verordnung in Bayern bei großen Versammlungsstätten rechnerisch mehr Toilettenkapazitäten für Männer vor als für Frauen. Auf 1000 Besucherinnen und Besucher gibt es laut Post zwölf Toiletten für Frauen – bei den Männern dagegen insgesamt 20 Anlagen, wenn man Toiletten und Urinale zusammenrechnet. Die Folge: "Frauen stehen oft eine halbe Stunde oder länger an und verpassen Teile eines Konzerts oder Films, während Männer fast direkt durchgehen können."
"Natürlich ist das politisch"
Besonders an Posts Aussage, die Situation sei "politisch gewollt", entzündete sich Kritik im Netz. Auf einen Beitrag zum Thema bei Instagram erhält die Politikerin dazu viele negative Reaktionen von Nutzern. Für die frauenpolitische Sprecherin der Grünen ist die Formulierung dennoch logisch: "Ich bin Politikerin, ich mache Politik – und die Regel steht in einer Verordnung. Natürlich ist das politisch." Schließlich gebe es längst andere Modelle: Eine bundesweite Musterversammlungsstättenverordnung sehe bereits seit Jahren gleiche Kapazitäten vor, mehrere Bundesländer hätten diese Regelung übernommen. Bayern dagegen bislang nicht.
Der Antrag betrifft ausschließlich große Veranstaltungsorte wie Stadien, Theater, Konzerthallen oder größere Kinos. Kleine Gaststätten oder Kneipen wären nicht betroffen. Außerdem soll die Änderung vor allem für Neubauten und größere Umbauten gelten, bestehende Gebäude genießen Bestandsschutz. Nach Ansicht der Grünen könnte die neue Regelung dennoch schnell Wirkung entfalten – etwa weil sich Kommunen bei Straßenfesten oder Veranstaltungen künftig an den neuen Vorgaben orientieren würden.
Gibt es nicht wichtigere Themen?
Auf die Kritik, ob es angesichts anderer Krisen "nichts Wichtigeres" gebe, reagiert Post deutlich. Politik müsse mehrere Themen gleichzeitig bearbeiten können, sagt sie. Gerade weil es sich um ein vermeintlich kleines Thema handle, sei die Lösung eigentlich unkompliziert. Für Millionen Frauen mache sie im Alltag aber einen spürbaren Unterschied. Dass ausgerechnet darüber überhaupt diskutiert werde, kann die Grünen-Politikerin nur schwer nachvollziehen. "Worüber reden wir denn hier? Über gleich viele Toiletten für Frauen wie für Männer", sagt sie.
Für die Grünen-Abgeordnete geht es nicht nur um Toiletten, sondern auch darum, wie ernst Politik alltägliche Probleme nimmt. "Die Menschen wünschen sich doch, dass Politik Alltagsprobleme unaufgeregt gemeinsam löst", sagt Post. Würde der Antrag abgelehnt, werde sich die Debatte aus ihrer Sicht nur unnötig verlängern – "wie die Schlange am Klo, die immer länger wird", sagt sie mit einem Lachen.

Tatsächlich: Post kommt durch
Und tatsächlich: Am Ende muss nicht einmal diskutiert werden. Dem Antrag wird in der Landtagssitzung einstimmig stattgegeben. "Wir haben einen großen Erfolg erzielt und zudem als Politik gezeigt, dass wir gemeinsam handlungsfähig sind", so Post nach der Sitzung. Der Antrag wurde mit Änderungen von CSU/FW beschlossen und lautet: "Die Staatsregierung wird aufgefordert, sich weiterhin auf Bundesebene dahingehend einzusetzen, dass eine einheitliche Regelung bzgl. der Toilettenanlagen für Damen und Herren mit Parität für beide ergeht und diese Parität in jedem Fall in Bayern umgesetzt wird." Eine echte Revolution fürs Örtchen.
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