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Münchens klamme Kassen: Jetzt könnte sogar ein Schloss verkauft werden

Ein Schloss am Starnberger See, ein XXL-Badestrand, eine Immobilie in der Maxvorstadt, ein Hotel beim Deutschen Theater: Die Mango-Koalition denkt über diese und weitere Verkäufe nach.
Christina Hertel |
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Dieses Schloss gehört der Stadt.
Dieses Schloss gehört der Stadt. © Sigi Müller

Genau dort, wo er vor 20 Jahren saß, wo er ,Ja’ sagte zu der Frau, mit der er seitdem verheiratet ist, hat der FDPler Jörg Hoffmann an diesem Vormittag wieder Platz genommen: in einem mittelalterlichen Saal in Schloss Kempfenhausen am Starnberger See. Diesmal sitzt er dort nicht zum Ringtausch, sondern für ein Foto für die AZ. Und diesmal geht es nicht um die Liebe, sondern ums Geschäft.

Was wohl kaum jemand weiß: Der Stadt (genauer gesagt dem Gesundheitsreferat) gehört dieses 500 Jahre alte Schloss in der Gemeinde Berg am Starnberger See. Und Jörg Hoffmann, Chef der FDP-Fraktion, die seit Mai im Rathaus mitregiert, will, dass die Stadt es samt dem 2,5 Hektar großen Grundstück verkauft.

Jörg Hoffmann im Schloss.
Jörg Hoffmann im Schloss.

"Emotional ist das für mich nicht einfach", meint Hoffmann. Aber München stecke nun mal in einer Haushaltskrise. "Wir machen gerade Jugendzentren dicht. Wir besetzen nur noch 40 Prozent aller frei werdenden Stellen." Auch bei der Münchner Kultur werde gespart.

Mit dem Erlös des Schlosses könnte die Stadt den städtischen Haushalt aufpolieren. "Gebundenes Kapital" nennt der FDPler, ein Steuerberater, die 500 Jahre alte Immobilie. Er will es freisetzen.

Natürlich kann man sich fragen, wozu die Stadt – gut 30 Kilometer vom Rathaus entfernt – ein Schloss braucht. Um das zu verstehen, ein kurzer Exkurs in die Geschichte: Schloss Kempfenhausen wurde 1520 von Arsatius Barth errichtet; seine Familie gehörte zu den wohlhabendsten in München, mehrere Barths waren Bürgermeister.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Stadt von den Alliierten den Auftrag, dort eine Tuberkulose-Klinik zu betreiben. Zuvor ist neben Schloss Kempfenhausen ein Krankenhaus errichtet worden, heute befindet sich darin die Marianne-Strauß-Klinik für MS-Erkrankte. 1970 kaufte die Stadt das Areal samt dem Krankenhaus.

Was alles in dem städtischen Schloss steckt

In dem Schloss lebten lange Mitarbeiter der städtischen Klinik. Heute wohnt dort noch ein Mann, auch ein Unternehmen hat dort ein Büro.

2010 entschied sich die Stadt, das Schloss zu einem Veranstaltungshaus umzubauen. Es bietet sieben Räume, eine Catering- und eine Teeküche, auch ein Aufzug wurde eingebaut. Man kann die Räume für Seminare, Kulturveranstaltungen und Trauungen mieten. Auch eine kleine Kapelle steht auf dem Gelände.

Für das Schloss arbeiten der Verwalter und eine Teilzeitkraft, die beim Gesundheitsreferat angestellt sind. 2025 fielen laut Gesundheitsreferat für den Betrieb 213.000 Euro an. Durch die Vermietung wurden 55.000 Euro eingenommen. Macht ein Minus von 158.000 Euro. Belastet wird der städtische Haushalt davon nicht. Zum Anwesen Schloss Kempfenhausen gehört nach wie vor das Grundstück, das an die MS-Klinik verpachtet ist. Durch diese Einnahmen kommt für 2026 ein Plus von 138.480 Euro heraus.

Das Schloss ist nicht alles, die Stadt könnte noch mehr Grund am See verkaufen

"Ein Schloss für alle" hat die "SZ" vor Jahren mal einen Artikel zu Schloss Kempfenhausen betitelt. Man kann es inklusive Garten für 1725 Euro am Tag mieten. Einzelne Räume kosten 200 Euro bis 920 Euro. Für den Starnberger See recht verträgliche Preise. Allerdings könnte das Schloss wohl besser genutzt werden: 2025 fanden dort bloß 55 Veranstaltungen statt.

Von der Wiese vor dem Schloss (wo man sich übrigens auch trauen lassen kann) schaut man direkt auf den Starnberger See. Auf der anderen Uferseite liegt noch ein Besitztum der Stadt, von dem sich der FDPler Hoffmann gut vorstellen kann, es zu verwerten: das 150 Hektar große "Badeparadies Possenhofen". Es sei schließlich nicht Aufgabe der Stadt, einen Badestrand zu betreiben.

Herrlich ist es, im Paradies.
Herrlich ist es, im Paradies. © IMAGO/Ulrich Wagner

Aufgebaut hat die Stadt den Strand Anfang der Sechziger Jahre, als die Freibäder überfüllt waren. Die Stadt wollte den Münchnern einen günstigen Ort zum Erholen bieten. Bis heute ist der Strand kostenlos, fürs Parken muss man nur zwei Euro am Tag zahlen.

Auch nach einem Verkauf könnten das Schloss und der Strand öffentlich zugänglich bleiben, meint Hoffmann. Wenn eine Gemeinde oder der Landkreis Starnberg kauft. Nur: Der steckt selbst in einer Finanzkrise. Im August erließ der Starnberger Landrat eine Haushaltssperre.

Immobilien mitten in München: Was noch auf der potenziellen Streichliste steht

Die Liste der städtischen Immobilien, die Hoffmann verkaufen will, geht übrigens noch weiter. Auch das ehemalige Gesundheitsamt an der Dachauer Straße, wo momentan eine kulturelle Zwischennutzung drin ist, ein Hotel neben dem Deutschen Theater und ein brachliegendes Grundstück am Vogelweideplatz stehen darauf. Hoffmann betont, dass es bei den Verkäufen nicht um Wohnraum, sondern nur um Gewerbe gehe.

Momentan ist in dem Haus an der Dachauer Straße noch eine kulturelle Zwischennutzung.
Momentan ist in dem Haus an der Dachauer Straße noch eine kulturelle Zwischennutzung. © Daniel von Loeper

Hoffmann ist nicht der einzige, der sich in der Mango-Koalition solche Gedanken macht: "Wir haben in der Koalition vereinbart, dass wir prüfen, welches nicht-betriebsnotwendige Vermögen in andere Hände übergehen kann", sagt Grünen-Fraktionschef Sebastian Weisenburger. Allerdings habe die Koalition (zumindest noch) keinen Überblick über alle Immobilien. Ausschließen will Weisenburger nicht, dass es am Ende zu den Verkäufen auf Hoffmanns Liste kommt.

Das Haus mit dem Hotel neben dem Deutschen Theater gehört auch der Stadt.
Das Haus mit dem Hotel neben dem Deutschen Theater gehört auch der Stadt. © Daniel von Loeper

 

Kriegt er da keine Probleme mit seiner grünen Basis? Das Gesundheitsamt an der Dachauer Straße ist bloß 500 Meter vom Alten Strafjustizzentrum weg, das der Freistaat verkaufen will. Die Grünen kritisieren das gerne. Ihr Abgeordneter Christian Hierneis schimpfte: "Wer in Zeiten explodierender Mieten ein zentrales Staatsgrundstück an Investoren verscherbelt, hat den Ernst der Wohnungsnot nicht verstanden." Und jetzt planen die Grünen im Rathaus das Gleiche?

Fraktionschef Weisenburger entgegnet: Der Freistaat habe ganz andere finanzielle Möglichkeiten. "Und natürlich ist auch die Frage, an wen man verkauft. Aber ja, ich gebe zu: Auch wir haben unsere Position angepasst", sagt er. Die Finanzlage zwinge einen dazu.

Etwas skeptischer, ob sich solche Geschäfte langfristig auszahlen, ist die SPD. Was einmal verkauft ist, ist schließlich weg. "Gerade in einer wachsenden Stadt brauchen wir eine vorausschauende Bodenbevorratung für bezahlbares Wohnen, Gewerbe und Gemeinwohlflächen", sagt SPD-Chef Christian Köning über solche Verkäufe im Allgemeinen. Zu Schloss Kempfenhausen im Speziellen sagt er, dass es sich um ein Baudenkmal handle. "Dessen Bedeutung sollte man berücksichtigen."

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  • Boandl_kramer vor 15 Stunden / Bewertung:

    Interessant was sich da so im Laufe der Zeit im Münchner Stadtvermögen angesammelt hat. Zieht man in Betracht, dass solche Objekte beträchtliche Erhaltungsaufwendungen verursachen und keinem kommunalen Zweck dienen, wäre ein Verkauf tatsächlich sinnvoll. Allerdings sollte der Erlös tatsächlich investiert und nicht einfach nur verfrühstückt werden.

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  • Ostbayer vor 6 Stunden / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Boandl_kramer

    Die Erhaltungsaufwendungen wären geringer, wenn die Stadtoberen frühzeitig in die Erhaltung investiert hätten. Aber man hat lieder das vorhandene Geld für andere Projekte ausgegeben.

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  • Leserin21 vor 16 Stunden / Bewertung:

    Die größte Geldverschwendung ist der Umbau der Augustenstraße. Man sieht jetzt schon, dass die Straße für Fahrradfahrer zu eng und der Untergrund so uneben gestaltet wird, dass Radfahren dort gefährlicher sein wird als vor dem Umbau.

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