Münchens (fast) vergessene Foto-Schätze

Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte öffnet sein Archiv nun für alle: 16.165 Fotoraritäten, die ab jetzt im Internet stehen - dank Google.
| Thomas Müller
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Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte hinterm Königsplatz.
imago/Future Image 15 Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte hinterm Königsplatz.
Unzerstört: der "Central Art Collecting Point" 1945.
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Unzerstört: der "Central Art Collecting Point" 1945.
Gequältes Grinsen: Amerikanische GI's als Eingangskontrolle im "Central Art Collecting Point" 1945.
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Gequältes Grinsen: Amerikanische GI's als Eingangskontrolle im "Central Art Collecting Point" 1945.
Was für ein Ruinenfeld 1945: Blick auf Residenz, Oper und Armeemuseum - im Hintergrund der heil gebliebene Monopteros.
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Was für ein Ruinenfeld 1945: Blick auf Residenz, Oper und Armeemuseum - im Hintergrund der heil gebliebene Monopteros.
Verlorene Pracht: das alte Chorgestühl der Frauenkirche von 1502. Erhalten blieben die wertvollen Heiligenfiguren von Erasmus Grasser, die im neuen Chorgestühl Verwendung fanden.
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Verlorene Pracht: das alte Chorgestühl der Frauenkirche von 1502. Erhalten blieben die wertvollen Heiligenfiguren von Erasmus Grasser, die im neuen Chorgestühl Verwendung fanden.
Ausgrabung 1946 im Dom: das Hochgrab der Königin Beatrix († 1322).
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Ausgrabung 1946 im Dom: das Hochgrab der Königin Beatrix († 1322).
Die Theatinerkirche 1946: Arg angeknackst, aber sie steht noch.
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Die Theatinerkirche 1946: Arg angeknackst, aber sie steht noch.
Was für eine Pracht! Der von Leo von Klenze geschaffene Thronsaal der Residenz kurz vor der Zerstörung im Krieg.
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Was für eine Pracht! Der von Leo von Klenze geschaffene Thronsaal der Residenz kurz vor der Zerstörung im Krieg.
Der Chinesische Turm 1930: Erstaunlich, wie klein damals noch der Biergarten rund um den hölzernen Turm dimensioniert war.
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Der Chinesische Turm 1930: Erstaunlich, wie klein damals noch der Biergarten rund um den hölzernen Turm dimensioniert war.
Großstädtisch, wuselig, charmant-chaotisch, urban: der Stachus im Jahr 1965. Der Kaufhof ist fast noch nagelneu, in der Bayerstraße ist links noch die "Bierstadt Mathäser" zu sehen, ebenso wie ganz rechts ein Teil des alten Hotels Königshof. Zentraler Fixpunkt: das alte Stachus-Häusl, das bald schon der "Verkehrsoptimierung" weichen musste.
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Großstädtisch, wuselig, charmant-chaotisch, urban: der Stachus im Jahr 1965. Der Kaufhof ist fast noch nagelneu, in der Bayerstraße ist links noch die "Bierstadt Mathäser" zu sehen, ebenso wie ganz rechts ein Teil des alten Hotels Königshof. Zentraler Fixpunkt: das alte Stachus-Häusl, das bald schon der "Verkehrsoptimierung" weichen musste.
Wie ein Palast: das Theater-Lokal im Deutschen Theater vor dem Krieg.
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Wie ein Palast: das Theater-Lokal im Deutschen Theater vor dem Krieg.
Seltener Einblick: die Fahnenhalle im Braunen Haus in den 30er Jahren.
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Seltener Einblick: die Fahnenhalle im Braunen Haus in den 30er Jahren.
Wer erinnert sich noch? 1955: das Café "Schöne Münchnerin", herrlich angelegt im geschwungenen 50er-Jahre-Stil, in der Hypo-Passage. Der Abriss erfolgte 1997, jetzt befinden sich hier die Passagen der "Fünf Höfe".
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Wer erinnert sich noch? 1955: das Café "Schöne Münchnerin", herrlich angelegt im geschwungenen 50er-Jahre-Stil, in der Hypo-Passage. Der Abriss erfolgte 1997, jetzt befinden sich hier die Passagen der "Fünf Höfe".
Schwabinger Straßenszene aus dem Jahr 1971: hier das Eck Leopoldstraße/Martiussstraße, das sich bis heute eigentlich gar nicht so sehr verändert hat. Nur die Autos schauen inzwischen ein bisserl anders aus.
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Schwabinger Straßenszene aus dem Jahr 1971: hier das Eck Leopoldstraße/Martiussstraße, das sich bis heute eigentlich gar nicht so sehr verändert hat. Nur die Autos schauen inzwischen ein bisserl anders aus.
Die Wunden, die der brutale Durchbruch 1959/1961 geschlagen hat, sind noch nicht mal im Ansatz verheilt: Ampelszene am Altstadtring 1972.
Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte München 15 Die Wunden, die der brutale Durchbruch 1959/1961 geschlagen hat, sind noch nicht mal im Ansatz verheilt: Ampelszene am Altstadtring 1972.

München - Immer wieder mal tauchen vereinzelt "neue" historische Aufnahmen von München auf - aus Nachlässen, auf Flohmärkten oder in irgendeiner Schachtel in Archiven. Was für ein gigantischer Foto-Schatz jetzt allerdings aufgetaucht ist, ist schon eine Sensation: 16.165 neue München-Fotos aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die der breiten Öffentlichkeit bislang völlig unbekannt geblieben sind.

Zu sehen sind Kirchen, Plätze, Gebäude, Fassaden, innenarchitektonische Details, Zerstörung und Wiederaufbau der Stadt - alle in höchstauflösender Qualität und für jedermann frei zugänglich. Für München-Liebhaber der pure Wahnsinn.

Unermessliche Schätze im Zentralinstitut für Kunstgeschichte

Wo dieser "vergessene" Foto-Schatz so urplötzlich herkommt? Aus dem staatlichen Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZI), das hinterm Königsplatz im ehemaligen Verwaltungsbau der NSDAP residiert. Und kommendes Jahr 75 Jahre alt wird. Nur nebenbei: Vom Königsplatz aus gesehen ist das der rechte der beiden Nazi-Bauten (der linke ist der ehemalige "Führer-Bau", in dem sich die Hochschule für Musik befindet).

Und dieses ZI, das einzige außeruniversitäre kunsthistorische Forschungsinstitut in Deutschland, hütet eben unermessliche Schätze: die weltweit bedeutendste und umfangreichste kunsthistorische Fachbibliothek - und eine Photothek mit 1,1 Millionen Medieninhalten, wie das heute so schön heißt, also Fotografien, Abbildungen, Repros, Dias und Negative.

Fotos stehen jedem zur Verfügung

Diese Schätze waren bislang ausschließlich kunsthistorischen Forschern vorbehalten geblieben, die Zugang hatten zur Fachbibliothek und zum Foto-Archiv. Doch die Zeiten ändern sich: Jetzt stehen die Fotos jedem zur Verfügung, der sich dafür interessiert - kostenlos und ganz bequem von zu Hause aus.

Alle Aufnahmen sind ab jetzt im Netz zu sehen. Hochauflösend. Wie das kam, beschreibt Ralf Peters, seit 21 Jahren Referent der Photothek am ZI, so: "Vor ein paar Jahren hat Google Kontakt zu uns aufgenommen." Und man könne zu Google ja stehen wie man wolle - "aber das war ein Angebot, zu dem wir nicht nein sagen konnten".

Hilfe von Google

Tausende und Abertausende von Fotos zu digitalisieren kostet sehr viel Geld und Personal, das das Zentralinstitut nie zur Verfügung gehabt hätte. Zusammen mit dem Internet-Giganten freilich klappte es - das ZI musste dafür "nur" die Infos zu den einzelnen Aufnahmen zusammenklopfen.

Online auf Google Arts & Culture sind damit aktuell genau 16.165 Architektur-Fotos aus München zu sehen. Etwa noch mal so viele stehen in der Pipeline - "bis Mitte 2022 sind die dann auch digitalisiert", verspricht Photothek-Referent Ralf Peters. Auch Berlin (über 6.000 Fotos) und Nürnberg (etwa 3.000) sind auf Google übrigens schon vertreten.

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Ein paar Probleme freilich bleiben: Das ZI hat in über sieben Jahrzehnten Foto-Abzüge gesammelt, urheberrechtliche Fragen sind da in Einzelfällen auch schon mal problematisch. Und was die Verschlagwortung auf Google anbelangt? Nun ja, Luft nach oben, könnte man sagen. Probieren Sie (im Suchfeld oben links) einfach ein wenig herum. Sie werden Motive finden, nach denen Sie vielleicht gar nicht gesucht haben. Ist spannend!

Das schreit nach einem ersten Überblick auf diesen fast ein bisserl vergessenen Foto-Schatz, der viel zu lange hinterm Königsplatz vor sich hingeschlummert hat. Wir laden Sie ein zu dieser sehr außergewöhnlichen Zeitreise. Viel Vergnügen! Die Bilderserie mit ausgewählten Fotos sehen Sie oben.


Wer sich alle alten München-Fotos im Netz anschauen möchte, kann das unter diesem Link: azmuc.de/a/30AQQmQ. Und unter www.zikg.eu gibt es Online-Ausstellungen.

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