München wehrt sich: Proteste gegen Neonazis

Eine Woche im Gedenken an die Opfer des Faschismus: Am Samstag gibt es an vielen Plätzen Demonstrationen und Kulturfeste gegen den „Heldengedenkmarsch“ der Neonazis.
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Zwei junge Männer tragen eine Karikatur gegen Nazis bei der Protestdemo gegen den „Heldengedenkmarsch“ im vorigen Jahr.
dpa Zwei junge Männer tragen eine Karikatur gegen Nazis bei der Protestdemo gegen den „Heldengedenkmarsch“ im vorigen Jahr.

MÜNCHEN - Eine Woche im Gedenken an die Opfer des Faschismus: Am Samstag gibt es an vielen Plätzen Demonstrationen und Kulturfeste gegen den „Heldengedenkmarsch“ der Neonazis.

Der November ist einer der dunkelsten Monate in der Münchner Stadtgeschichte: Es jähren sich am 9. November der Hitlerputsch von 1923 und die sogenannte „Reichskristallnacht“ von 1938. Und seit drei Jahren versuchen die Neonazis, mit „Heldengedenkmärschen“ in der ehemaligen Hauptstadt der kriminellen Bewegung wieder Fuß zu fassen.

Am Montag beginnt eine intensive Gedenkwoche mit vielen antifaschistischen Aktionen.

Bis zum 13. November ist in der Artothek (Rosental 16) die Ausstellung des Künstlers Georg Soanca-Pollak: „9. November 2010. Wir vergessen nicht, uns zu erinnern.“

Der Dienstag beginnt mit einer Feier am Odeonsplatz. Dort wurde vor 87 Jahren der Hitlerputsch niedergeschlagen. Dabei starben vier bayerische Landespolizisten. In der Nazizeit stand dort eine „Ehrenwache“ für die 16 erschossenen Faschisten. Ein historisch verseuchter Platz. Erst in den 90er Jahren rang sich die Stadt (auf Drängen von CSU-Stadtrat Franz Forchheimer) dazu durch, wenigstens eine Gedenkplatte für die vier Polizisten anzubringen: aber nur als Bodenplatte.

Jetzt werden Innenminister Joachim Hermann (CSU) und OB Christian Ude (SPD) um 11Uhr an der Westfassade der Residenz eine Gedenkplatte für die toten Polizisten Friedrich Fink, Nikolaus Hollweg, Max Schoberth und Rudolf Schraut anbringen.

Am Nachmittag ist von 15 bis 19 Uhr eine Feier am Gedenkstein der ehemaligen Hauptsynagoge (Herzog-Max-Straße – hinterm Oberpollinger). Da werden die Namen der im November 1938 ins KZ Dachau verschleppten jüdischen Münchner verlesen. Daran nehmen Mitglieder des Arbeitskreises „Die Münchner Polizei im NS-Staat“ sowie der Fangemeinden „Löwen gegen Rechts“ und „Schickeria“ (FC Bayern) teil.

Abends ist um 18 Uhr eine öffentliche Gedenkstunde im Saal des Alten Rathauses (Eintritt frei): Dort, wo Propagandaminister Joseph Goebbels am 9. November 1938 die Reichpogromnacht ausgerufen hatte. Von dort dehnte sich der Terror über Deutschland aus. Es sprechen: OB Ude, Charlotte Knobloch (Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland), Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer.

Am Samstag, 13. November, sind an vielen Plätzen Demonstrationen und Kulturfeste gegen den „Heldengedenkmarsch“ der Neonazis in der Isarvorstadt/Ludwigsvorstadt. Von 12 bis 15 Uhr sind Kundgebungen am Sendlinger Tor (mir dem KZ-Überlebenden Martin Löwenberg, Ude, Knobloch und Bischöfen), von 14 bis 18 Uhr sind Aktionen im GAP (Goethestraße) und am Nußbaumpark.

W. Bock

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