München: Skurriler Sorgerechtsstreit landet am Landgericht

Um die Kinder bei sich zu behalten, stiftet die Mutter laut Anklage zu schweren Straftaten an.
| John Schneider
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Das Opfer: Benny B. sollte in Misskredit gebracht werden.
Das Opfer: Benny B. sollte in Misskredit gebracht werden. © jot

München - Was die Anklage da schildert, klingt wie ein schlechter Film. Um im Sorgerechtsstreit um die vier, sechs und acht Jahre alten Kinder zu obsiegen, sollen die Mutter und deren neuer Freund alle Register gezogen haben.

Sie platzierten Beweise und stifteten Komplizen an, um den Vater der Kinder als Einbrecher und Sex-Täter in Misskredit zu bringen.

Ein Ermittler wurde stutzig

Doch ein Polizeibeamter witterte Lunte. Der angebliche Pizzeria-Einbrecher hatte praktischerweise jede Menge DNA-Spuren hinterlassen. Doch die Art und Weise, wie die Spuren von Benny B. vorgefunden wurden, machte den Ermittler stutzig. Er sollte Recht behalten: Die Beweise gegen den 34-Jährigen waren gefälscht.

So wie die Mär von der Frau, die angab, einer Vergewaltigung knapp entgangen zu sein. Die Frau hatte behauptet, "ein Mann mit Sturmhaube sei aus einem Gebüsch gesprungen", berichtete Staatsanwalt Daniel Meindl. Wenig später rief ein anonymer Mann bei der Polizei an und bezichtigte Benny B. der Tat.

Zudem platzierte ein Komplize in der Nähe des angegebenen "Tatorts" eine Sturmhaube mit Haaren der Katzen von Benny B. sowie Zigarettenkippen, welche die Täter zuvor dem Mülleimer des Benjamin B. entnommen haben sollen, um ihm bei einer möglichen DNA-Überprüfung durch die Ermittlungsbehörden die Täterschaft des fingierten Sexualdelikts unterzuschieben.

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1.000 Euro sollte es für die Falschaussagen geben

Das Täter-Paar soll der Frau für deren Falschaussage 1.000 Euro versprochen haben. Das Amtsgericht entschloss sich schließlich, den Prozess abzubrechen und ans Landgericht zu verweisen.

Dort müssen sich die Ex-Frau von Benny B. und ihr neuer Lebensgefährte seit gestern unter anderem wegen gemeinschaftlicher Anstiftung zur falschen Verdächtigung sowie gemeinschaftlicher unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln vor Gericht verantworten.

Das Pärchen hat nämlich laut Anklage geplant, einen Komplizen anzuheuern, Benny B. zu überfallen und ihm eine Spritze mit Kokain zu verabreichen. Auch dies zu dem Zweck im Sorgerechtsstreit beim Familiengericht Punkte zu machen.

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500 Euro sollte der Mann bekommen, der Benny B. überfällt, bewusstlos schlägt und dann ein Kokain-Gemisch in den Oberschenkel spritzt, um ihn als Junkie darzustellen - untauglich zur Erziehung von Kindern.

Dazu kam es aber ebensowenig wie zu dem geplanten Abfackeln des Autos von Benny B. Das Pärchen zieht es gestern vor, zu schweigen. Und Benny B.? Der freut sich, dass die Kinder weiter bei ihm leben dürfen.

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