München schickt 60+ zum Boostern - bloß wohin?

Die Stadt fordert 350.000 Münchner auf, ihre Impfung auffrischen zu lassen. Einfach gesagt, denn Termine gibt's oft erst 2022. Doch bald soll Riem wieder in Vollbetrieb gehen.
| Nina Job
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München schickt 60+ zum Boostern - bloß wohin? (Symbolbild)
München schickt 60+ zum Boostern - bloß wohin? (Symbolbild) © imago images/NurPhoto

München - Insgesamt 350.000 Briefe sind in diesen Tagen vom Gesundheitsreferat der Stadt verschickt worden. In dem zweiseitigen Schreiben fordert Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) alle Münchner, die 60 und älter sind, auf, sich zum dritten Mal gegen Corona impfen zu lassen. "Sollte Ihre Impfserie fünf Monate zurückliegen, raten wir Ihnen: Nutzen Sie das Angebot für eine Auffrischungsimpfung!", heißt es in dem Brief fett unterstrichen.

Alle Münchner über 60 haben Post von Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek bekommen.
Alle Münchner über 60 haben Post von Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek bekommen. © AZ

Kritiker meinen: Die Briefe seien zu früh verschickt worden. Denn darin werde ein Angebot suggeriert, das man (noch) nicht einhalten könne. Zum großen Ärger vieler Älterer gibt es für sie keine Bevorzugung bei der Vergabe eines Impftermins, obwohl sie als besonders gefährdet gelten.

Einer, der sich ärgert, ist AZ-Leser Bernd Stegmaier: "Ich rege mich sehr auf über diese Aktion der Stadt", so der 71-Jährige. "Man fordert zu etwas auf, ohne die Möglichkeit zu bieten, dass man es umsetzen kann", meint er.

Bernd Stegmaier.
Bernd Stegmaier. © privat

Über zwei Stunden Warten

Nachdem er das Schreiben im Briefkasten gefunden hatte, versuchte der Münchner sofort über das angegebene Onlineportal Bayimco des Freistaates einen Termin zu buchen. "Ich habe zwei Stunden damit verbracht - es war kein Termin frei." Dann versuchte er es über das "Impf-Telefon" der Stadt (089 90429-2222), das in dem Schreiben angegeben war.

Von 8 bis 18 Uhr, könne man sich, wenn man keinen Internetzugang habe, dort für einen Termin registrieren lassen. Doch auch das klappte nicht. "Der junge Mann am Telefon war freundlich, aber er hatte auch keine Termine zu vergeben. Dieses Jahr gäbe es keine mehr", erzählt Stegmaier.

Einfach auf gut Glück zu den Impfzentren Riem oder den Außenstellen zu fahren, davon riet der Mitarbeiter am Telefon ab. Stegmaier: "Das hätte angesichts der langen Schlangen keinen wirklichen Sinn." Was also nun?

Erst 2022 wird's was

Schließlich konnte der 71-Jährige einen Termin bei seinem Hausarzt vereinbaren - wozu Beatrix Zurek vorrangig geraten hatte. Doch erst Anfang Januar 2022 war bei Stegmaiers Arzt etwas frei. Dann wird seine zweite Impfung sechs Monate zurückliegen - und nicht wie empfohlen fünf.

In den Hausarztpraxen ächzen Ärzte und Mitarbeiter nun wieder unter dem massiven Ansturm auf die Booster-Impfungen. Wolfgang Ritter, Allgemeinmediziner und Vorstandsmitglied des Bayerischen Hausärzteverbands: "Ein Problem ist die verspätete Kommunikation der Politik über die Notwendigkeit der Booster-Impfungen."

Zu wenig Impfstoff in Praxen und Impfzentren

Zweitens habe das Bundesgesundheitsministerium nicht genügend Impfstoff vorgehalten. Folge: hohe Nachfrage, aber Impfstoffmangel in den Impfzentren und Arztpraxen. Und dann komme noch eine Welle mit grippalen Infekten dazu, weil zuvor die Schutzmaßnahmen gelockert worden waren. Und zu guter Letzt stehen auch die jährlichen Grippeschutzimpfungen wieder an. Ritter: "Das alles stellt die Praxen vor enorme Herausforderungen."

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Entlastung scheint aber in Sicht: Ab 9. Dezember soll das Impfzentrum Riem wieder sieben Tage öffnen: Donnerstag bis Dienstag von 9 bis 17.45 Uhr und mittwochs von 9 bis 21 Uhr. Die Stadt empfiehlt eine Online-Terminvereinbarung unter impfzentren.bayern.

Allerdings wird derzeit noch dringend Personal gesucht.

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