München: Scharfe Kritik an der Vergabe städtischer Wohnungen

Die FDP klagt, dass in München oft Mieter zum Zug kommen, die es nicht so nötig hätten wie andere Bewerber.
| Felix Müller
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Ein Gewofag-Haus in Laim.
Gewofag/Roland Weegen Ein Gewofag-Haus in Laim.

München - Vier Kinder hatte die Familie, Michael Mattar weiß es noch genau. Sie sei in einer viel zu kleinen Drei-Zimmer-Wohnung der Stadt gesessen, erinnert sich der Chef der Rathaus-FDP. Als nebenan eine Vier-Zimmer-Wohnung frei wurde, sei sie trotzdem nicht zum Zug gekommen. Stattdessen bekam eine Familie mit nur einem Kind den Zuschlag.

Mattar kritisiert das Vergabeverfahren für Wohnungen der städtischen Wohnungsgesellschaften als unfair. Bestimmte Kriterien der Dringlichkeit werden angelegt, dann entscheidet das Los, welche fünf Bewerber sich eine Wohnung überhaupt anschauen dürfen. Mattar und seiner FDP ist das nicht genug. Sie wollen, dass das Verfahren fairer und transparenter wird.

Der Bedarf an städtischen Wohnungen ist groß

"Das Losverfahren wurde auf Druck des Revisionsamts eingeführt", sagte Mattar im Gespräch mit der AZ. "Es hat den Vorteil, dass nicht mehr wie früher gemauschelt werden kann." Das Verfahren müsse aber dringend verbessert werden – auch für die frei finanzierten städtischen Wohnungen. "Da kann es sein, dass jemand, der 18 ist, und halt einfach mal von zuhause ausziehen will, den Vorzug bekommt vor einem Älteren, der in akuter Wohnungsnot ist!"

Dieser Tage diskutierte auch der Stadtrat über das Thema. Aus dem Papier von Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) für die Sitzung geht eindrücklich hervor, wie groß der Bedarf an den städtischen Wohnungen ist. So heißt es darin, dass sich bei dem neuen Online-Bewerbeverfahren schnell herausgestellt habe, "dass innerhalb von drei Werktagen ab Veröffentlichung im Internet durchschnittlich circa 300 Bewerbungen eingingen". Deshalb gibt es nun einen Bewerbungsstopp, wenn 50 eingegangen sind – um den Verwaltungsaufwand zu senken.

Künftig soll die Familiengröße berücksichtig werden

Nach den Besichtigungen sollen die Interessenten mitteilen, ob sie sich für die Wohnung bewerben wollen. Der Verwalter entscheidet mit seinem Vorgesetzten, wer den Zuschlag erhält – und soll das auch begründen und bestimmte Bedürftigkeitskriterien einbeziehen. Wenn sie sich nicht einigen können, entscheidet erneut das Los, wer einziehen darf.

"Immerhin hat die Stadt uns versichert, dass in diesem zweiten Schritt die Familiengröße berücksichtigt wird", sagte Mattar. Das heißt wohl: Eine größere Familie wird einer kleineren in der Regel vorgezogen. Aber nur, wenn sie davor das Losglück hatte, zur Besichtigung zugelassen zu werden.

Mattar kritisiert: Städtische Wohnungen sind zu groß

Mattar reicht das nicht. Er beantragte im Stadtrat, dass die Lose unterschiedlich verteilt werden. So schlug die FDP vor, dass wer aus Krankheits- oder Altersgründen umziehen muss, drei Lose bekommt und so höhere Chancen hat. Wer umziehen will, weil er in einer zu großen oder zu kleinen Wohnung wohnt, soll zwei Lose erhalten.

Überhaupt hat Mattar auch als Problem ausgemacht, dass viele Wohnungen städtischer Gesellschaften zu groß seien. Die Stadt hat etwa zwei Räume und 60 Quadratmeter als Maximum für einen Bewohner ausgegeben, für vier Personen vier Wohnräume und maximal 105 Quadratmeter Wohnfläche. Die FDP beantragte im Stadtrat, die maximalen Wohnungsgrößen um je 10 Quadratmeter zu senken. Doch der Stadtrat lehnte Mattars Vorschläge ab. "Das ist doch Wahnsinn", schimpft Mattar. "Das sind doch hochsubventionierte Wohnungen. So können wir die doch nicht vergeben!"

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