München: Modulhäuser für Flüchtlinge?

München muss immer schneller – und auch kostengünstiger bauen. Wie die Rathaus-Grünen sich das vorstellen.
| Irene Kleber
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Freundlich, hell – und schnell gebaut: Wie diese neuen Studentenwohnungen in Trier könnten künftig in München Sozialwohnungen für Flüchtlinge, Obdachlose und einkommensschwache Münchner aussehen: Der Komplex mit 84 Wohnungen wurde in sieben statt regulär 15 Monaten fertig.
Sascha Kletzsch 2 Freundlich, hell – und schnell gebaut: Wie diese neuen Studentenwohnungen in Trier könnten künftig in München Sozialwohnungen für Flüchtlinge, Obdachlose und einkommensschwache Münchner aussehen: Der Komplex mit 84 Wohnungen wurde in sieben statt regulär 15 Monaten fertig.
Ein Blick ins Innere einer fertig gelieferten Modul-Wohnung. Hier posieren Studenten vor dem raumhohen Fenster zum Balkon.
2 Ein Blick ins Innere einer fertig gelieferten Modul-Wohnung. Hier posieren Studenten vor dem raumhohen Fenster zum Balkon.

München - An die 100 000 Zuzügler bis 2020, die vielen Flüchtlinge, die in München bleiben werden, noch nicht mitgerechnet, und jetzt schon rund 4000 Obdachlose in der Stadt: Die Frage, wie möglichst schnell möglichst viele – vor allem bezahlbare – Wohnungen aus dem Boden wachsen sollen, bleibt eins der Brennpunktthemen im Rathaus.

Während die CSU zuletzt vor allem dafür wirbt, Standards runter zu schrauben, Bauparagrafen (etwa um Stellplatzvorschriften, Abstandsflächen oder Lärmemissionen) zu kippen, die ins Geld gehen und schlichtweg einfacher zu bauen, setzt die Rathaus-SPD auf städtische Programme zum Wohnungsbau: Erst im Herbst hat der Stadtrat 250 Millionen Euro für die städtischen Wohnungsbaugesellschaften Gewofag und GWG bereitgestellt, damit die in den nächsten zehn Jahren 2500 Sozialwohnungen bauen.

8500 Wohnungen pro Jahr wären ideal

Und das Gesamt-Bauziel? Hat die Stadt ebenfalls höher gesteckt: Im Idealfall sollen jedes Jahr 8500 Wohnungen entstehen – Platz also für jährlich 20 000 Menschen.

Jetzt setzen die Stadtrats-Grünen noch ein großes Antragspaket oben drauf. Eine Idee: Statt weitere (immer teurer werdende) Container anzuschaffen, soll die Stadt für Obdachlose und Flüchtlinge, die in München bleiben dürfen, Modul-Häuser bauen.

Die werden aus vorgefertigten Einzel-Wohnungen (z.B. 20 Quadratmeter mit Zimmer, Küche, Bad, Leitungen und Steckdosen) zusammengesetzt, lassen sich flexibel in die Breite oder Höhe (bis fünf Stockwerke) bauen, sehen ansprechend aus. Und: Sind um bis zu 20 Prozent billiger als die Münchner Standard-Sozialbauten. Als Beispiel nennen die Grünen die vom Pasinger Architektenbüro Grassinger Emrich in Heidelberg und Trier gebauten Studentenwohnungen (siehe Fotos).

„Der Vorteil“, sagt Architekt Wolfgang Emrich auf AZ-Anfrage, „ist, dass diese Wohnungen doppelt so schnell aufgestellt werden können wie normale Bauten, und später auch flexibel nachnutzbar sind – etwa für Azubis, Studenten oder als normale Familienwohnungen.“

„Ich denke“, sagt Grünen-Stadtrat Herbert Danner, „dass solche Gebäude bei den Münchnern eine höhere Akzeptanz finden als Container, und wir sie deshalb auch mitten in der Stadt bauen können.“

Bei der CSU im Rathaus kommt der Vorschlag gut an. „Warum nicht?“, sagt Planungsexperte Walter Zöller, „alles was beim Bauen Zeit und Geld spart und langfristig gedacht ist, müssen wir uns anschauen.“ Entscheidend ist für die Fraktion allerdings, dass in die neuen Häuser nicht nur Flüchtlinge einziehen, sondern auch Münchner. CSU-Kollege Marian Offman: „Gemischte Viertel sind essenziell, damit die Neubürger sich gut integrieren können.“

Auch die oft jahrelangen Planungszeiten im Wohnungsbau wollen die Grünen eindämmen – und fordern mehr Entscheidungskompetenz fürs städtische Planungsreferat. „Beim Wohnungsbau sind oft bis zu vier Referate involviert, deshalb dauern die Verfahren ewig“, kritisiert Grünen-Stadträtin Gülseren Demirel. „Wir wollen, dass das Planungsreferat künftig federführend das Projektmanagement übernimmt.“

Außerdem soll die Stadt eine Regelung finden, dass sie bei Grundstücks-Tauschgeschäften mit Privatleuten (dort, wo neue Siedlungsgebiete erschlossen werden) keine Flächenverluste mehr einfährt. „Grundstücksbesitzer kommen manchmal mit einer Anwalts-Armada zu den Verhandlungen und setzen die Verwaltung unter Druck, um Vorteile für sich rauszuholen“, berichtet Herbert Danner. „Wir haben aber nichts zu verschenken.“ Heißt: Auch Privatleute sollen sich stärker an Infrastrukturmaßnahmen beteiligen.

Lesen Sie hier: AZ-Interview mit dem OB Dieter Reiter über Flüchtlinge, Terror und das Anzapfen

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