München: Kostenexplosion bei Altenheimen

Überall steigen die Kosten. Das spüren auch Senioreneinrichtungen. Einige kündigen nun drastische Preissteigerungen an. Warum das Folgen für die Finanzen der Stadt haben könnte.
| Christina Hertel
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
18  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen
An der Dom-Pedro-Straße betreibt die Münchenstift das Heiliggeist. Wird es auch hier teurer?
An der Dom-Pedro-Straße betreibt die Münchenstift das Heiliggeist. Wird es auch hier teurer? © Sigi Müller

München – Alt werden möchten die meisten zuhause. Doch Tausende Münchner können das nicht. Sie leben im Heim. Die Plätze werden allerdings immer teurer, nicht bloß in Luxuseinrichtungen, sondern auch in Heimen für Otto-Normalbürger. Die Kosten, die die Bewohner tragen, könnten in Heimen der Wohlfahrtsverbände zwischen 500 und 1.000 Euro steigen – pro Monat.

Im Schnitt 2.800 Euro für ein Einzelzimmer

Zumindest Doris Schneider hält eine solche Preiserhöhung für notwendig. Sie ist die Geschäftsführerin der Caritas-Altenheime in und um München. "Der Kostendruck auf die Heime ist gerade extrem hoch", sagt sie.

Um die teuren Lebensmittel und die hohen Energie- und Personalkosten auszugleichen, sollte jeder Bewohner um die 1.000 Euro mehr zahlen, fordert Schneider. Allerdings ist ein Heimplatz in München schon jetzt kein Schnäppchen: Laut Sozialreferat zahlten Münchner Senioren 2020 im Schnitt 2.800 Euro pro Monat für ein Einzelzimmer.

Noch keine Einigung bei Caritas-Heimen

Einfach beschließen, dass die Heime der Caritas von heute auf morgen teurer werden, kann Schneider nicht. Das System, wie die Kosten berechnet werden, ist komplex. Einen Teil übernehmen die Pflegekassen, einen Teil der Bewohner. Können Senioren den Anteil nicht aus eigener Tasche finanzieren, springt der Sozialhilfeträger ein. Im Fall der Caritas ist das der Bezirk Oberbayern. Einmal im Jahr kann Schneider mit diesem die Preise aushandeln. Gerade laufen die Verhandlungen. Eigentlich müssten bereits zum 1. November die Preise von der Hälfte der Caritas-Heime steigen, sagt Schneider. Darunter sind drei Münchner Heime (St. Nikolaus, St. Franziskus, St. Antonius). Doch bis jetzt gibt es keine Einigung. Womöglich müssen Gerichte entscheiden, sagt Schneider.

"Die Kostenerhöhungen im Energiebereich werden uns Sorgen bereiten"

Auch die 13 Heime der Münchenstift könnten ab nächstem Jahr teurer werden. "Die Kostenerhöhungen im Energiebereich werden uns Sorgen bereiten", antwortet die Pressestelle auf eine Anfrage der AZ. In diesem Jahr werde es zwar keine Erhöhung mehr geben, nächsten Mai stehen aber wieder Verhandlungen an. Festlegen, was auf die Bewohner zukommen könnte, will sich die Einrichtung allerdings nicht.

Anders als Hans Kopp, der bei der Arbeiterwohlfahrt für den Bereich Senioren zuständig ist. Er geht davon aus, dass Mitte nächsten Jahres die neun Münchner Awo-Heime um 400 bis 500 Euro teurer werden müssten. Dabei sei der Eigenanteil erst diesen Mai um 170 Euro gestiegen, schildert Kopp. Er fürchtet, dass immer mehr Senioren aufgrund der hohen Kosten immer länger um jeden Preis zuhause bleiben. Schließlich seien Münchner Heime laut Kopp ohnehin 300 bis 500 Euro teurer als in anderen Teilen Bayerns.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Es braucht ein anderes Finanzierungssystem

Doris Schneider von der Caritas beobachtet das (zumindest bis jetzt) nicht. "Jeden Tag rufen bei uns 40 bis 50 verzweifelte Angehörige an, die einen Platz suchen." Längst nicht allen kann sie einen geben. Denn in jedem der 20 Caritas-Heime fehlen zwei, drei Mitarbeiter. Für sie ist deshalb klar, dass es ein grundlegend anderes Finanzierungssystem bräuchte.

Dafür setzt sich auch Stefan Jagel, der Chef der Linken im Stadtrat ein. Er fürchtet, dass auf die Stadt hohe Kosten zukommen, wenn es die Heimbewohner alleine nicht schaffen, ihren Platz zu zahlen. Er beantragte, dass sich der Oberbürgermeister bei der Regierung für eine bessere Finanzierung einsetzen soll. "Pflegebedürftige müssen nahezu ihre komplette Altersvorsorge aufzehren und sind danach auf Sozialhilfe angewiesen. Das können wir nicht weiter akzeptieren."

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
18 Kommentare
Bitte beachten Sie, dass die Kommentarfunktion unserer Artikel nur 72 Stunden nach Veröffentlichung zur Verfügung steht.
Ladesymbol Kommentare