Kriminalitätsstatistik: München ist erneut sicherste Großstadt Deutschlands

Die Straftaten gingen im Jahr 2020 erneut zurück. Dennoch gibt es Bereiche, in denen die Ermittler deutlich mehr Taten registrierten, als im Jahr zuvor. Die AZ stellt die wichtigsten Kennzahlen vor.
| Lukas Schauer
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Das Münchner Polizeipräsidium in der Ettstraße.
Das Münchner Polizeipräsidium in der Ettstraße. © imago/imagebroker

München - Das wichtigste vorab: München ist und bleibt die sicherste deutsche Großstadt. Mit 97.439 registrierten Straftaten (bereinigt um Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz) gab es einen weiteren Rückgang der Delikte - das ist zugleich die niedrigste Zahl seit über 40 Jahren. Die Zahl der Einwohner Münchens hat seitdem um fast 19 Prozent zugenommen.

Die Aufklärungsquote im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München lag bei 62,6 Prozent - ein minimaler Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Bei den ermittelten Tatverdächtigen ergibt sich folgendes Bild: 23.074 waren Deutsche (53 Prozent), 20.734 Nicht-Deutsche (47 Prozent). Aus dieser Personengruppe machten die Zuwanderer rund zehn Prozent der Tatverdächtigen aus.

Weniger Einbrüche - weil die Münchner zu Hause waren

Natürlich hat die Corona-Pandemie auch bei der Sicherheit ihre Spuren hinterlassen. Weil Geschäfte und Gaststätten im Lockdown nicht geöffnet hatten und die Münchner zu einem großen Teil zu Hause blieben oder öfters zu Hause waren als sonst,  verzeichnete die Polizei einen deutlichen Rückgang bei den einfachen Diebstahlsdelikten.

Auch bei den Wohnungseinbrüchen gab es einen Rückgang: 1.007 Mal waren Täter hier erfolgreich (-8,7 Prozent). "Das ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 2011", so Polizeipräsident Thomas Hampel. Eine Erklärung dürfte sein, dass viele Menschen schlicht oft zu Hause waren - und internationale Banden durch Reisebeschränkungen und Grenzschließungen ungünstige Rahmenbedingungen hatten.

Internet- und Hasskriminalität gestiegen

Dafür gab es im Bereich der Computerkriminalität eine Steigerung der Delikte um 20,5 Prozent (8.058 Fälle). Besonders auffällig: Knapp 55 Prozent der Taten wurden aus dem Ausland verübt. 

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Darunter fallen oft auch Betrügereien mit falschen Callcenter-Mitarbeitern. Hier registrierte die Polizei 6.113 Taten. Dabei wurden 4,26 Millionen Euro erbeutet. 89 mutmaßliche Täter wurden festgenommen.

Besonders gestiegen ist im letzten Jahr die Zahl der Sexualdelikte, um 30,9 Prozent auf 1.705 Fälle. Vor allem die Verbreitung pornografischer und kinderpornografischer Schriften zahlt auf diesen Wert ein. "Der starke Anstieg macht deutlich, dass unsere Anstrengungen in diesem Deliktsbereich konsequent fortgeführt werden müssen. Derart verwerfliche Straftaten gilt es mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln aufzuklären und zu verfolgen", so Hampel.

Politisch motivierte Krimininalität erneut gestiegen

Im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität registrierte die Polizei 9.308 Fälle, das ist ein Rückgang um gut 11 Prozent. 44 Drogentote waren zu beklagen. Leicht gestiegen ist hingegen die Zahl der häuslichen Delikte  (3.016 Fälle, +2,9 Prozent).

Bei der politisch motivierten Kriminalität sehen die Zahlen wie folgt aus: Aus dem linken Spektrum nahmen die Beamten 584 Fälle auf, das ist ein Plus von 54,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Daneben stehen 674 Taten, die der rechten Szene zuzuordnen sind (plus 19,9 Prozent).

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Ebenfalls gestiegen ist der Deliktbereich "Hasskriminalität": Mit 426 Fällen ein Plus von 38,3 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019. Leicht angestiegen ist auch die Straßenkriminalität (4.077 Delikte). 41 Fälle von Mord oder Totschlag gab es zudem letztes Jahr.

Die Zahlen zur Verkehrssicherheit in München

Bei der Verkehrssicherheit stellte die Polizei 2020  - auch vor allem Corona-bedingt -  einen Rückgang bei den Delikten und Unfällen fest. 44.972 Unfälle gab es (-16 Prozent). Insgesamt wurden dabei 6.781 Menschen verletzt (-8 Prozent). Die Zahl der Schwerverletzten ging um 3,6 Prozent auf 714 zurück.

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"Sorge bereitet jedoch, dass sich die Zahl der Verkehrstoten trotz des zumindest teilweise reduzierten Individualverkehrs auf dem Niveau des Vorjahres bewegt", erklärte Hampel.  21 Personen starben im letzten Jahr auf Münchens Straßen.

Oft sind Radler die Unfallverursacher

Wie im Vorjahr stellten Fußgänger (6) und Radfahrer (7) erneut fast zwei Drittel (61,9 Prozent) aller Verkehrstoten. Das gleiche Bild zeigt sich bei den Schwerverletzten (65,3 Prozent). Und: Bei über der Hälfte der getöteten Verkehrsteilnehmer (12) handelte es sich um Senioren (57,1 Prozent).

Weitere Kennzahlen zum Verkehr:

  • Unter den 3.420 (3.161) Radfahrerunfällen waren 222 (176) mit Pedelecs ( +26,1 Prozent).
  • In 759 (499) Fällen (+52,1 Prozent) war kein anderer Verkehrsteilnehmer beteiligt (Alleinunfall).
  • Bei fast der Hälfte, nämlich 46,2 Prozent, der Radfahrerunfälle waren die Radfahrer die Hauptverursacher.
  • Bei fast jedem vierten Unfall (432 von 1.896), bei dem ein Radfahrer mit einem Pkw oder Lkw kollidierte, hat der Pkw- oder Lkw-Fahrer beim Rechtsabbiegen den in gleicher Richtung fahrenden Radfahrer übersehen.
  • 52 illegale Autorennen wurden festgestellt.
  • 3.154 alkoholisierte Fahrzeugführer wurden festgestellt, -1.722 oder -35,3 Prozent weniger als 2019.
  • Davon waren 1.076 E-Scooter-Fahrer. Damit war fast jeder Dritte alkoholisierte Verkehrsteilnehmer ein E-Scooter-Fahrer.

"Im Raum München leben heißt sicherer leben!", fasste Polizeipräsident Hampel den Bericht zusammen.

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