München im 19. Jahrhundert: Eine Stadt voller Gärten

Alte Bilder und Pläne: Bis ins 19. Jahrhundert war die Stadt voller Gärten. Das Planungsreferat erforscht das "Historische Grün" - als Anregung für künftige Freiraumkonzepte.
| Eva von Steinburg
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Der Entwurf von Franz Thurn für einen Karlsplatz mit weitläufigen grünen Rasenflächen von 1799, der jedoch so nie realisiert wurde.
Abbildungen: Münchner Stadtmuseum 6 Der Entwurf von Franz Thurn für einen Karlsplatz mit weitläufigen grünen Rasenflächen von 1799, der jedoch so nie realisiert wurde.
Am Marienplatz 1836: Der Schrannenplatz blieb immer frei von Grün.
Abbildungen: Münchner Stadtmuseum 6 Am Marienplatz 1836: Der Schrannenplatz blieb immer frei von Grün.
Mit Kutsche und Sonnenschirm: Blick in den Englischen Garten um 1800.
Abbildungen: Münchner Stadtmuseum 6 Mit Kutsche und Sonnenschirm: Blick in den Englischen Garten um 1800.
Gartenhäuser 1850 an der heutigen Müllerstraße und Holzstraße.
Abbildungen: Münchner Stadtmuseum 6 Gartenhäuser 1850 an der heutigen Müllerstraße und Holzstraße.
Vor dem Sendlinger Tor: das Schlösschen der Familie La Rosée 1749.
Abbildungen: Münchner Stadtmuseum 6 Vor dem Sendlinger Tor: das Schlösschen der Familie La Rosée 1749.
Mit großem Garten: Haus im Rosental 1903.
Stadtarchiv München 6 Mit großem Garten: Haus im Rosental 1903.

München - Auf den ersten Blick wirkt die Münchner Innenstadt steinern. Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren viele Innenhöfe allerdings sehr grün. "Schon damals hat sich die Münchner Bürgerschaft vielfach stark eingesetzt für das urbane Grün der Stadt", schreibt Klaus Bäumler vom Münchner Forum - im Vorwort zur neuen Broschüre "Historisches Grün in München".

Der Beginn Münchens war grau

Das Planungsreferat hat das 175-Seiten-Heft erarbeitet. Bäumler erklärt darin: "Urbanes und historisches Grün gehört zum städtebaulichen Tafelsilber, das es zu bewahren gilt." Die Entwicklung von Münchner Krautgärten, Alleen und Parks ist in diesem Nachschlagewerk nachzulesen.

Der Beginn der Stadt war sehr grau: Im Mittelalter waren Münchens Straßen und Plätze ohne Grün. Ein gutes Beispiel ist der frühere Schrannenplatz, der heute Marienplatz heißt. Ab 1315 musste er frei bleiben - auch von Grün. Der Marktplatz ist Treffpunkt der Getreidehändler, Ort öffentlicher Hinrichtungen, Platz für Feste und Turniere. Bis heute wächst hier kein Baum. Auch der Jakobsplatz ist damals komplett unbegrünt.

Am Marienplatz 1836: Der Schrannenplatz blieb immer frei von Grün.
Am Marienplatz 1836: Der Schrannenplatz blieb immer frei von Grün. © Abbildungen: Münchner Stadtmuseum

Im 16. Jahrhundert besitzt die Stadt 462 Gärten

In späteren Jahrhunderten ergrünt die Stadt zunehmend: Obstbäume und Gemüse, Rosenstöcke und Hecken werden in den Münchner Höfen und Gärten hinter den Häusern kultiviert. Im Kreuzviertel und im Hackenviertel gehört im 16. Jahrhundert zu jedem zweiten Haus ein kleiner Garten an der Rückseite. Laut den alten Grundbüchern besitzt München Ende des 16. Jahrhunderts 1.230 Häuser, 283 Stallungen und nicht weniger als 462 Gärten, präzisiert die Broschüre.

Romantische Gärten und Lustschlösschen

Innerhalb der Stadtmauern sprießt das Grün in Klostergärten und in den üppigen Krautgärten des Josephspitals und des Herzogspitals. Deren Grünflächen bleiben teils bis ins 20. Jahrhundert erhalten. Den romantischen Garten des Radspielerhauses in der Hackenstraße - mit dem verspielten Delphinbrunnen - kennen viele Münchner von heute.

Vor 300 Jahren erstreckten sich vor den Toren der Stadt Lustschlösschen und Gärtnereien. Nach 1700 sticht der spätere Besitz der Familie La Rosée hervor. Vor dem Sendlinger Tor steht das Sommerschlösschen mit französischem Lustgarten, Hecken und Brunnen. Das Schloss der Familie grenzt direkt an große Nutzgärten. 1869 entsteht an der Stelle des Sommerpalais übrigens ein städtischer Garten.

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Seit dem 18. Jahrhundert wird München verschönert

Denn bereits seit dem 18. Jahrhundert wird die Stadt zu repräsentativen Zwecken verschönert, das städtische Grün entsteht: Eine "wüste Gegend mit Erlengebüsch" wird hierbei in eine schöne Landschaft umgestaltet. Der 1789 begonnene Englische Garten, von Friedrich von Sckell als englischer Landschaftsgarten vollendet, bietet fortan schattige Promenaden für den neuen Trend "Spazierengehen". Schon 1804 sorgt Sckell für "eine Durchlüftung der Altstadt von den Rändern her". Ein sandiger Exerzierplatz des Militärs übergibt er mit Namen "Promenadeplatz" mit Bäumen bepflanzt, "dem Vergnügen des Publikums".

"Das Thema Durchlüftung ist in Zeiten des Klimawandels sehr aktuell"

Gerade anhand dieses Themas kann man Bezüge zur Gegenwart herstellen: "Das Thema Durchlüftung ist in Zeiten des Klimawandels sehr aktuell", meint die Landschaftsarchitektin Gisela Karsch-Frank vom Planungsreferat. Für die Recherche für die Broschüre sei man weit in der Geschichte zurückgegangen, erklärt sie. Der Grund: Genau zu wissen, wie das Grün in München einmal war, ist eine Anregung für zukünftige Freiraum-Konzepte in der City.

Vor dem Sendlinger Tor: das Schlösschen der Familie La Rosée 1749.
Vor dem Sendlinger Tor: das Schlösschen der Familie La Rosée 1749. © Abbildungen: Münchner Stadtmuseum

Der Münchner mochte kleine Gärten schon vor 200 Jahren

Wer die Broschüre durchblättert, kann sich durchaus inspiriert fühlen. Die abgebildeten grünen Oasen von damals wirken mitunter sehr lieblich. Ein Beispiel: Vor 200 Jahren gehört einem begüterten Münchner ein kleines Gartenanwesen im Lehel, der andere genießt einen Landsitz mit Pavillon im Gärtnerplatzviertel.

Das Gemälde eines unbekannten Malers hält solche einfachen Gartenhäuser mit frischen Rasenflächen und Strauchwerk in der Isarvorstadt fest - in einer milden Frühherbst-Stimmung. Um 1850 herum haben diese lauschigen Garten-Anwesen die Zone der heutigen Müller- und Holzstraße geprägt. Heute lockt im Glockenbachviertel das grüne Ufer der renaturierten Isar.


Die Broschüre "Historisches Grün in München" wird kostenlos verschickt. Interessenten schreiben eine E-Mail an: plan.ha2-5@muenchen.de

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