München: Feuer und Flamme für die Freiwillige Feuerwehr

In einem Ramersdorfer Keller verbirgt sich ein kleiner Schatz – ein Museum zur Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr München.
| Paul Nöllke
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St. Florian löscht die Frauenkirche: "etwas ganz Besonderes".
Paul Nöllke 4 St. Florian löscht die Frauenkirche: "etwas ganz Besonderes".
Feuerwehrmann und Hydrant Anfang des 20. Jahrhunderts.
Paul Nöllke 4 Feuerwehrmann und Hydrant Anfang des 20. Jahrhunderts.
Früher hatten sogar "Pep" und "Kaufhof" eine eigene Feuerwehr.
Paul Nöllke 4 Früher hatten sogar "Pep" und "Kaufhof" eine eigene Feuerwehr.
Nach dem Krieg gab es in München amerikanische "Fire Marshals".
Paul Nöllke 4 Nach dem Krieg gab es in München amerikanische "Fire Marshals".

München - Andreas Abend war 1866 noch kein Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Doch wenn der 54-Jährige in seiner historischen Uniform vor dem Besucher steht, Geschichten von den ehemaligen "Kameraden" erzählt und Sätze sagt wie: "1914 haben wir endlich auch Lederhelme zu unserer Uniform bekommen", dann könnte man fast denken, Andreas Abend sei schon bei der Gründung vor mehr als 150 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr München gewesen.

Im Keller eines schmucken Altbaus in Ramersdorf befindet sich Abends "Feuerwehrsammlung". Die drei Räume sind voll von Handpumpen, Uniformen, Bierkrügen, Holzleitern, Urkunden und Auszeichnungen. "Eigentlich ist hier viel zu wenig Platz", sagt Abend. "Aber bei den Mietpreisen in München geht gerade nicht mehr."

St. Florian löscht die Frauenkirche: "etwas ganz Besonderes".
St. Florian löscht die Frauenkirche: "etwas ganz Besonderes". © Paul Nöllke

Andreas Abend: Das erste Sammlerstück bekam er mit 15

Die Ausstellungsstücke reichen vom 18. Jahrhundert bis in die heutige Zeit, das älteste ist ein Schriftstück von 1792. Die Faszination für die Freiwillige Feuerwehr begann bei Andreas Abend bereits im Kindesalter. Viele Mitglieder seiner Familie waren Mitglieder der Feuerwehr gewesen: "Das geht bei uns so über die Generationen."

Das erste Sammlerstück bekam er mit 15 Jahren: Es hängt im Museum direkt im Eingangsbereich: ein kleiner unscheinbarer Aufnäher, auf dem "Freiwillige Feuerwehr München" zu lesen ist. Darauf folgten bald weitere Stücke. "Am Anfang sammelte ich in der Wohnung meiner Eltern", erzählt Abend. "Doch da wurde es zu eng."

Also mietete Abend 2016 die ersten Räumlichkeiten für seine Sammlung. "Schnell kamen auch die ersten Besucher", berichtet Abend. "Ich habe dann Führungen gemacht, und langsam wurde das Interesse auch immer größer."

Heute führt Abend im Jahr etwa 300 Besucher durch seine Sammlung und betreibt eine Gruppe auf Facebook, in der sich Feuerwehr-Begeisterte von Neuhausen bis Neuseeland über die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr München austauschen.

Feuerwehrmann und Hydrant Anfang des 20. Jahrhunderts.
Feuerwehrmann und Hydrant Anfang des 20. Jahrhunderts. © Paul Nöllke

Freiwillige Feuerwehr München: Abend kennt jede Jahreszahl

1823 brannte es in der Münchner Oper, 1849 wurde der Vorgänger der Freiwilligen Feuerwehr gegründet und ein Jahr später wieder aufgelöst, 1866 wurde die Feuerwehr wieder gegründet und 1914 umorganisiert: Andreas Abend kennt jede Jahreszahl, kann jedes noch so kleine Detail erklären, ob es die Funktion eines alten Feuerwehrhelms ist oder wie die Feuerwehr im Zweiten Weltkrieg einen Luftschutzkeller evakuierte.

"Wenn Sie irgendeine Frage haben, unterbrechen Sie mich einfach", sagt Abend – und kennt dann jede Antwort. Doch Abend ist es auch wichtig, Leben und Schicksal der Feuerwehrler zu beleuchten: "Adolf Heindl", sagt Abend und zeigt auf ein Sterbebildchen, "wurde während des Zweiten Weltkriegs nicht eingezogen. Er starb aber, als bei einem Brand ein Dachgiebel auf ihn stürzte."

Neben dem Sterbebild hat Abend einen Bierkrug stehen, den Adolf Heindl zur Hochzeit bekommen hatte. Den Krug hat er von einem Freund bekommen, es war Zufall, dass er schon das Sterbebildchen hatte. "So fügt sich das alles, es ist schon seltsam", sagt Abend.

Früher hatten sogar "Pep" und "Kaufhof" eine eigene Feuerwehr.
Früher hatten sogar "Pep" und "Kaufhof" eine eigene Feuerwehr. © Paul Nöllke

Andreas Abend: Auch seine Frau ist Teil der Ausstellung

Es gibt viele solcher Zufälle in seiner Sammlung. So hat er zum Beispiel von verschiedenen Verkäufern eine Ehrenmünze, Urkunden und einen Bierkrug von einem "August Grasser" bekommen. "Ich habe die Verkäufer gefragt, die kannten sich alle nicht, waren auch nie Nachbarn gewesen."

Jetzt, sagt Abend stolz, seien August Grassers Sachen wieder unter einem Dach. Am Ende der Führung, im letzten Raum, geht es dann auch um Abends eigene Geschichte. Seit 2004 ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Auf einem Gruppenbild sieht man ihn in Uniform. "Und da vorne ist meine Frau", erzählt Abend stolz. "Die kleinste Feuerwehrfrau Bayerns." Ihre Uniform ist auch Teil der Ausstellung.

Am Ausgang steht eine Figur mit einem Mantel. "Das ist die Uniform für Beerdigungen", sagt Abend. Dahinter hängen Fotos von verstorbenen Kollegen. "Sie haben zur Sammlung beigesteuert", sagt Abend. "Jetzt schauen sie hoffentlich stolz von oben auf alles herab."

Nach dem Krieg gab es in München amerikanische "Fire Marshals".
Nach dem Krieg gab es in München amerikanische "Fire Marshals". © Paul Nöllke

1823: Mit Bier gelöscht

Im Januar 1823 brannte es im Münchner Nationaltheater neben der Residenz. Es war ein verheerendes Feuer, doch keiner konnte es löschen. Der Grund: Es war in dem Monat so kalt gewesen, dass in München alle Löschteiche zugefroren waren, die Feuerwehr kam nicht an das Wasser. Das Feuer drohte sogar bald auf die Residenz überzugreifen, doch da kam jemandem die rettende Idee: Statt mit Wasser könne man doch mit dem Bier aus dem nahegelegenen Hofbräuhaus löschen.

So befahl König Max I. die großen Bierfässer aus dem Bierkeller zu beschlagnahmen und das Feuer so zu löschen. Für das Nationaltheater kam diese Hilfe dennoch zu spät, es musste nach dem Brand fast komplett neugebaut werden.

1860 und die Feuerwehr

"Bei den 1860er Jahren denkt man in München natürlich erstmal an die Löwen", sagt Andreas Abend verschmitzt. "Doch in dem Jahrzehnt wurde auch die Freiwillige Feuerwehr gegründet." Und zu Anfang waren die Organisationen auch eng miteinander verbunden.

"Bei der Feuerwehr brauchte man nämlich Leute, die schwindelfrei waren und gut auf die Dächer und Häuser klettern konnten", erzählt Abend. "Da waren die Sportler aus dem TSV natürlich perfekt dafür geeignet." So kam es, dass nach der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr 1866 eine sehr große Anzahl von Sportlern und Turnern aus dem Verein auch Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr München wurden.
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Führungen (etwa eineinhalb Stunden), Informationen und Kontakt unter: andreas.abend@gmx.de

Lesen Sie hier: Unfall in München - Jugendlicher (15) stürzt vom Friedensengel

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