München: Fahrschule zum Neustart - So wird man S-Bahn-Lokführer

Die Bahn sucht nach Lokführern für die S-Bahn und wirbt deshalb auch um Quereinsteiger. Die AZ ist mitgefahren.
| Myriam Siegert
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Tradition unter S-Bahn-Zugführern und auch allen anderen Fahrern von öffentlichen Verkehrsmitteln: das gegenseitige Grüßen.
Petra Schramek 10 Tradition unter S-Bahn-Zugführern und auch allen anderen Fahrern von öffentlichen Verkehrsmitteln: das gegenseitige Grüßen.
An Bahnhöfen ohne Abfertigung muss der Lokführer selber schauen.
Petra Schramek 10 An Bahnhöfen ohne Abfertigung muss der Lokführer selber schauen.
Marienplatz: Man sitzt ganz schön hoch im Führerstand.
my 10 Marienplatz: Man sitzt ganz schön hoch im Führerstand.
40 Schichten müssen die angehenden Lokführer bis zur Fahrprüfung absolvieren.
Petra Schramek 10 40 Schichten müssen die angehenden Lokführer bis zur Fahrprüfung absolvieren.
40 Schichten müssen die angehenden Lokführer bis zur Fahrprüfung absolvieren.
Petra Schramek 10 40 Schichten müssen die angehenden Lokführer bis zur Fahrprüfung absolvieren.
40 Schichten müssen die angehenden Lokführer bis zur Fahrprüfung absolvieren.
Petra Schramek 10 40 Schichten müssen die angehenden Lokführer bis zur Fahrprüfung absolvieren.
40 Schichten müssen die angehenden Lokführer bis zur Fahrprüfung absolvieren.
Petra Schramek 10 40 Schichten müssen die angehenden Lokführer bis zur Fahrprüfung absolvieren.
An Bahnhöfen ohne Abfertigung muss der Lokführer selber schauen.
Petra Schramek 10 An Bahnhöfen ohne Abfertigung muss der Lokführer selber schauen.
Marienplatz: Man sitzt ganz schön hoch im Führerstand.
Myriam Siegert 10 Marienplatz: Man sitzt ganz schön hoch im Führerstand.
Tradition unter S-Bahn-Zugführern und auch allen anderen Fahrern von öffentlichen Verkehrsmitteln: das gegenseitige Grüßen.
Petra Schramek 10 Tradition unter S-Bahn-Zugführern und auch allen anderen Fahrern von öffentlichen Verkehrsmitteln: das gegenseitige Grüßen.

München - "Man hat so schön seine Ruhe", sagt Stefan Neubeck. Er lacht. "Ich war vorher Vertreter und musste den ganze Tag Leute bequatschen." Da hat er nun tatsächlich weit weniger Ansprache.

Neubeck, eigentlich Maschinenbaumeister, ist einer von 40, die die Bahn beim letzten Casting für Lokführer im Mai aus 200 Bewerbern ausgewählt hat. Er hatte im Radio von der Aktion gehört und war gleich begeistert. Mit 51 macht er jetzt die kompakte Ausbildung für Quereinsteiger (siehe nächste Seite).

40 Schichten dauert die Ausbildung

Es ist die siebte Schicht, die er fährt, natürlich nicht alleine, sondern mit einem Ausbilder nebendran. Am Ende der Ausbildung werden es 40 sein. Die AZ darf ein Stückerl mitfahren – vom Ostbahnhof, wo alle Lokführer täglich ihren Dienst antreten und beenden, durch den Stammstreckentunnel bis nach Pasing.

Als es los geht, wird einem kurz fast schwindlig, die Bahn legt sich ganz schön in die Kurve und taucht gleich nach dem Ostbahnhof ab in den Untergrund. Im Tunnel ist es stockdunkel, Signale zeigen, ob und wie weit die Strecke nach vorne frei ist. Vom Rosenheimer Platz bis kurz vor Pasing kommuniziert ein Kabel im Gleis mit dem Fahrzeug, wichtige Informationen werden auf den Geräten vorm Lokführer angezeigt, Geschwindigkeit, Zugkraft, der Fahrplan und vieles mehr. Auch eine S-Bahn ist eben in gewisser Weise ein Computer.
 

An Bahnhöfen ohne Abfertigung muss der Lokführer selber schauen.
An Bahnhöfen ohne Abfertigung muss der Lokführer selber schauen. © Petra Schramek

Schwierige Aufgabe: Die Bahnsteig-Markierungen am Isartor

Am Isartor gleich eine schwere Übung: Hier läuft gerade ein Pilotversuch mit Bahnsteig-Markierungen, die den Fahrgästen die optimalen Positionen zum Einsteigen zeigen sollen. Damit der Zug passend steht, muss der Lokführer eine Markierung rechts an der Wand beachten, ein rotes Rechteck, sollte genau im Fenster erscheinen.

So ganz klappt das nicht, aber Ausbildungsleiter Marc Hildmann ist nachsichtig: "Das sind 140 Meter Zug mit gut 260 Tonnen Leergewicht, da gehört schon was dazu, die punktgenau zum Stehen zu bringen", sagt er.

Bis zu 140 km/h können S-Bahnen fahren

Einfahrt in den Marienplatz: Die Position im Führerstand ist erstaunlich hoch, die Menschen auf dem Bahnsteig erscheinen überraschend weit weg. Man kann sich aber gut vorstellen, wie unschön es ein Lokführer wohl findet, wenn die Menschen zu nah an der Bahnsteigkante herumturnen.

Marienplatz: Man sitzt ganz schön hoch im Führerstand.
Marienplatz: Man sitzt ganz schön hoch im Führerstand. © Myriam Siegert

"Ich glaube, die Leute unterschätzen oft, dass man teils mit 60 Sachen in den Bahnhof einfährt", sagt Fahrschüler Neudeck. Im Tunnel fährt die S-Bahn übrigens 60 bis 80 km/h, draußen auch 90, es gibt Abschnitte, auf denen bis zu 140 km/h möglich sind, etwa auf dem Weg zum Flughafen.

Bremsweg bei 140 km/h: Vom Hauptbahnhof bis zum Stachus

Gas und Bremse sind ein kleiner Steuerknüppel, ein Tuten zeigt, wann gebremst werden muss, der Zug würde das notfalls auch alleine machen. Aber, bei 140 km/h hätte der Zug – im Idealfall – 600 Meter Bremsweg, erklärt Marc Hildmann. Oder anders veranschaulicht, "von vorm Hauptbahnhof bis hinterm Stachus".

Bei der Einfahrt in den Stachus fällt auf, dass der Bahnsteig gar nicht gerade ist. Hildmann erklärt: "Wegen des Untergrunds war es leichter, die Station in S-Form zu bauen."

Der Lokführer ist im Notfall auch der Entertainer

Das Fahren ist nur ein Teil der Ausbildung. Das Pensum ist insgesamt knackig: Zu Beginn geht’s an die Grundlagen, die für alle Lokführer in der EU einheitlich sind, dann geht’s um das Betriebsspezifische. 

Das heißt auch, zusätzlich lernen zuhause. Es gibt Klausuren, mehrere Prüfungen. Es geht um Signale, das Rangieren, die Technik – und alles zum Thema Störung. Da muss man nicht nur mit dem Zug, sondern auch mit den Fahrgästen umgehen können. "Wenn man lange im Tunnel steht, muss man auch mal den Entertainer geben", sagt Hildmann.
 


Lokführer: Das ist der Job

Lokführer, offiziell Triebfahrzeugführer, kann man über die klassische Ausbildung werden, die drei Jahre dauert, oder über den Quereinstieg. Diese "Funktionsausbildung" dauert neun Monate. Bewerber oder Bewerberinnen müssen sich einer medizinischen und psychologischen Tauglichkeitsuntersuchung unterziehen. Die wird später regelmäßig wiederholt.

Voraussetzung sind außerdem eine abgeschlossene Berufsausbildung und ein "sauberes" polizeiliches Führungszeugnis. Auch das Punktekonto ins Flensburg spielt eine Rolle, Rotlicht- oder Alkoholverstöße etwa darf man nicht mitbringen. Lokführer fahren nicht nur die Züge, sie bereiten sie auch auf die Abfahrt vor und erkennen und beseitigen Störungen am Zug.
 

Tradition unter S-Bahn-Zugführern und auch allen anderen Fahrern von öffentlichen Verkehrsmitteln: das gegenseitige Grüßen.
Tradition unter S-Bahn-Zugführern und auch allen anderen Fahrern von öffentlichen Verkehrsmitteln: das gegenseitige Grüßen. © Petra Schramek


Der Verdienst liegt, je nach Berufserfahrung, bei 38 000 bis 50 000 Euro im Jahr. Dazu kommen Weihnachtsgeld und Nacht-, Wochenend- und Feiertagszulagen – denn es wird im 24-Stunden-Schichtwechseldienst gearbeitet.
 


Das Lokführer-Casting

Die Bahn sucht auch weiterhin Lokführer: 100 sollen 2019 eingestellt werden.

Am 22. (6-14 Uhr), 23. (15-22 Uhr) und 25. November (11-18 Uhr) finden daher die nächsten Bewerbertage (auch) für Quereinsteiger statt, und zwar im Containberbau am Orleansplatz 9a.

Wer die Voraussetzungen erfüllt (siehe oben), kann noch am gleichen Tag eine Jobzusage bekommen. Die Bahn freut sich übrigens auch über Bewerbungen von Frauen.

Weitere Infos gibt es auch unter deutschebahn.com/sbahn-jobs.

Lesen Sie auch: S-Bahn München: Dutzende Baustellen im November

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren