München: Demo-Aufruf bleibt für Matthias Lilienthal ohne Konsequenzen

Die Münchner Kammerspiele hatten im Sommer zur Teilnahme an der "#ausgehetzt"-Demo aufgerufen – zum Ärger der CSU. Jetzt ist klar, welche Folgen der Aufruf für Intendant Matthias Lilienthal hat.
| AZ, dpa
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Kann mit bayerischer Lebensart schon etwas anfangen – nicht aber mit der CSU: Matthias Lilienthal
Sigi Müller Kann mit bayerischer Lebensart schon etwas anfangen – nicht aber mit der CSU: Matthias Lilienthal

München - Der Chef der Münchner Kammerspiele, Matthias Lilienthal, muss nach einem Aufruf zur "#ausgehetzt im Sommer nicht mit Konsequenzen rechnen.

OB Dieter Reiter (SPD) werde keine dienstaufsichtsrechtlichen Schritte gegen den 59-Jährigen einleiten, teilte die Stadt am Freitag mit. Das Kulturreferat begründete die Entscheidung in einem Antwortschreiben an die CSU-Stadtratsfraktion auch mit der Freiheit der Kunst. "Kunst ist kein Selbstzweck", heißt es in dem vom scheidenden Kulturreferenten Hans-Georg Küppers (SPD) unterzeichneten Schreiben.

Stadtrats-CSU sah Neutralitätspflicht verletzt

Die Münchner Stadtrats-CSU hatte versucht, den städtischen Kammerspielen - und ebenso dem Volkstheater - einen Aufruf zu der Demonstration "#ausgehetzt - gemeinsam gegen die Politik der Angst" zu verbieten, die sich vor allem gegen die Flüchtlingspolitik der CSU und einen Rechtsruck in Deutschland richtete. Die Christsozialen sahen die Neutralitätspflicht für städtische Einrichtungen verletzt und forderten "dienstaufsichtsrechtliche Maßnahmen".

Grundsätzlich seien städtische Einrichtungen zwar gehalten, sich parteipolitisch neutral zu geben. Man könne den Kammerspielen aber nicht grundsätzlich untersagen, "auf ihrer Bühne gesellschaftskritische oder politische Werke aufzuführen, selbst wenn diese sich gegen nur in einzelnen, bestimmten Parteien vertretene Strömungen richten", schreibt Küppers. "Ebenso ist nicht immer dann ein Einschreiten angezeigt, wenn die Kammerspiele für die politische und gesellschaftskritische Ausrichtung ihres Hauses werben."

Liveblog: 30.000 Demonstranten in der Innenstadt

Kunstfreiheit deckt Demonstrationsaufruf

Mit der Berufung Lilienthals zum Chef der renommierten Bühne habe die Stadt sich bewusst für eine "Öffnung des Hauses" entschieden, schreibt Küppers. "Mehr denn je muss sich das Theater Fragen nach seiner Relevanz in einer sich rasant verändernden Welt stellen. Die Kammerspiele reagieren darauf unter Lilienthal mit einer Politik der ästhetischen und gesellschaftlichen Öffnung." Wenn die Kammerspiele sich an zivilgesellschaftlichen Aktionen oder Demonstrationen beteiligten, sei das "vom Wirkbereich der Kunstfreiheit gedeckt".

Lilienthal verlässt die Kammerspiele

Theater in ganz Deutschland hatten sich nach Bekanntwerden der CSU-Forderung mit den Kammerspielen und dem Volkstheater solidarisiert. Wohl auch diese Solidarität bescherte Lilienthal, der die Kammerspiele 2020 verlässt, beinahe die Auszeichnung "Theater des Jahres" 2018. Bei der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Theater heute" schaffte es seine Bühne im August auf Platz zwei. "Auch den umstrittenen, vor allem von der lokalen CSU-Fraktion geschmähten Münchner Kammerspielen, dessen Intendant Matthias Lilienthal nicht verlängern will, zollen die KritikerInnen mit fünf Stimmen Anerkennung", hieß es.

Gut 25.000 Menschen hatten an der Demonstration am 22. Juli in München teilgenommen. OB Reiter selbst war bei der Demo als Redner aufgetreten.

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