München: Ärger um Standl-Abriss am Elisabethmarkt in Schwabing

23.000 Unterschriften hat die Bürgerinitiative Elisabethmarkt gegen den Abriss gesammelt – trotzdem fühlt sie sich nicht ernstgenommen.
| Lisa Marie Albrecht
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Die Standl am Elisabethmarkt sollen abgerissen werden.
Daniel von Loeper Die Standl am Elisabethmarkt sollen abgerissen werden.

München - Eigentlich ist Hubertus von Medinger ein sehr ruhiger, besonnener Mann. Doch wenn der Initiator der Bürgerinitiative "Pro Elisabethmarkt" über die Pläne des Kommunalreferats spricht, den Schwabinger Markt abzureißen, wird auch er laut. "Man muss diskutieren, man muss Fachleute zu Wort kommen lassen, aber man kann doch nicht einfach sagen: Wir reißen das alles weg!", sagt er.

Diskutieren, das will die Bürgerinitiative, und hat deswegen am Freitag eine Petition an OB Dieter Reiter (SPD) im Rathaus abgegeben. Darin fordert sie einen Friedensgipfel zwischen den Abrissgegnern und der Verwaltung, bei dem eine Lösung gefunden werden soll. Bis dahin, so heißt es in der Petition, solle "jegliche Stadtratsbefassung mit der Thematik" unterbunden werden. OB Reiter solle als Mediator fungieren.

Der Streit zwischen dem Kommunalreferat und der Bürgerinitiative schwelt schon seit Herbst 2016: Das Kommunalreferat will einen kompletten Abriss der 23 Häuschen des Elisabethmarkts und einen Neubau von neun größeren. Die Bürgerinitative dagegen will eine Sanierung im Bestand.

Lesen Sie hier den Kommentar zum Elisabethmarkt: Zuhören, bitte!

Mittlerweile haben sich bereits 23.000 Bürger per Unterschrift für den Erhalt des Elisabethmarkts ausgesprochen. Dazu kommt ein offener Brief, in dem sich 40 bekannte Münchner Persönlichkeiten gegen den Abriss stellen – etwa die Kabarettisten Helmut Schleich und Gerhard Polt, Fußballer Mats Hummels oder die berühmte Buchhändlerin Nina Hugendubel. "23.000 Menschen, das ist doch ein Wort! Das muss man ernst nehmen und offene Fragen klären", findet auch die Schwabinger Landtagsabgeordnete Ruth Waldmann (SPD). Doch die Bürgerinitiative sagt, dass genau das nicht passiert. "Wir fühlen uns sehr schlecht informiert", so von Medinger. Es gab bereits ein Treffen mit dem Kommunalreferat im Oktober, doch haben sich beide Seiten dort nicht auf eine Lösung einigen können.

Kommunalreferat: Händler stehen im Vordergrund

Die Bürgerinitiative sieht auch Möglichkeiten für Zugeständnisse: Die Feuerwehrzufahrt, welche die Stadtsparkasse für den Neubau von Wohnungen benötigt und die auf dem Elisabethmarkt Platz finden soll, wäre auch mit dem jetzigen Bestand möglich, so Medinger. Und die geplante Tiefgarage könne man dort realisieren, wo jetzt die Parkflächen seien – ohne dafür den Markt abzureißen.

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Das Kommunalreferat hat Ende 2016 erste Skizzen über eine Neugestaltung vorgelegt und ist bemüht, sich am Bestand zu orientieren. "Für uns stehen nicht die Häusl, sondern die Händler im Vordergrund", erklärt Sprecher Bernd Plank. Und die könnten nur durch eine Neugestaltung des Markts langfristig überleben.

Wie es weitergeht mit dem Elisabethmarkt wird am 23. März in der Stadtratssitzung entschieden: Wenn der Stadtrat den Entwürfen zustimmt, kann die Vorplanung eingeleitet werden. Immerhin: Am 9. März soll es noch eine öffentliche Infoveranstaltung geben. Ob die Bürgerinitiative dort Gehör findet, wird sich zeigen – es dürfte die letzte Chance für den alten Elisabethmarkt sein.

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