Morddrohung gegen Charlotte Knobloch: Teilnahme an Veranstaltung in München abgesagt
Auf einer Parkbank und einem Mülleimer im südlichen Teil des Englischen Gartens hat ein bisher noch nicht identifizierter Täter eine unmissverständliche Morddrohung an die Holocaust-Überlebende und Münchner Ehrenbürgerin Charlotte Knobloch hinterlassen. Eine Zeugin fand die Morddrohung am Donnerstag und verständigte umgehend die Polizei. Seitdem ermitteln Staatsschutz und die Münchner Staatsanwaltschaft.
Morddrohung auf Parkbank und Mülleimer
Mit einem weißen Edding schrieb der Verfasser laut Polizei den Satz: "Die AfD hat gewonnen, morgen hängen wir die Knobloch.“ Die antisemitische Morddrohung wurde gegen 13.10 Uhr entdeckt. Die Parole stand auf einer Parkbank und einem Mülleimer im südöstlichen Teil des Englischen Gartens. Die Polizei ermittelt wegen Bedrohung und Sachbeschädigung. Zeugen, die verdächtige Beobachtungen im Bereich Lerchenfeld-, Seeaustraße oder um die Sportanlage Hirschanger gemacht haben, werden gebeten, die Polizei zu informieren, Telefon: 089/29 100.
Sicherheitsbehörden verständigen Charlotte Knobloch
Charlotte Knobloch, Holocaust-Überlebende und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, wurde umgehend von den Münchner Sicherheitsbehörden informiert. Sie sollte am Abend eigentlich bei einer Kulturveranstaltung im "Fat Cat“ im Gasteig teilnehmen. Als Gast eingeladen war der Buchautor und "SZ“-Redakteur Ronen Steinke. Es ging bei der Podiumsdiskussion um Steinkes zum Teil umstrittene Thesen und sein jüngstes Buch "Meinungsfreiheit“.
Die Podiumsdiskussion fand statt, aber ohne Charlotte Knobloch, sagt die frühere SPD-Stadträtin Micky Wenngatz. "Wir haben die Sicherheitsvorkehrungen verschärft“, sagte sie der AZ. Es gab Personen- und Taschenkontrollen am Eingang. Charlotte Knobloch rief an, um den Grund für ihre Absage persönlich zu erklären. Micky Wenngatz: "Diese Drohung gegen Charlotte Knobloch ist entsetzlich. Es ist unfassbar, was sie als Münchner Ehrenbürgerin und Überlebende des Holocaust ertragen muss. Es macht mich fassungslos.“
Charlotte Knobloch: "Das macht mir Angst"
Charlotte Knobloch war am Freitag für die AZ nicht zu erreichen. Der Grund ist ein hoher religiöser Feiertag, das jüdische Neujahrsfest "Rosch ha-Schana“, das am Freitag begonnen hat und bis Sonntag dauert. Charlotte Knobloch hatte sich angesichts des Wahlsiegs der AfD in Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag entsetzt gezeigt. "An Tagen wie diesem fällt es mir schwer, meine Heimat noch wiederzuerkennen. Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können“, schrieb sie. Das Wahlergebnis sei "ein Zeichen, dass die Statik der Demokratie in unserem Land nicht mehr funktioniert“. Die Gefahr weise weit über Sachsen-Anhalt hinaus. Weiter schrieb sie: "Ich sage ganz offen: Das macht mir Angst.“ Sie appellierte an alle demokratischen Kräfte im Land, für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit zu kämpfen.
