Mit Stockschlägen und Pfefferspray: Hartes Durchgreifen bei IAA-Protest

Die zunächst friedlichen Demonstrationen rund um die IAA eskalieren zeitweise. Erst versucht das Protestbündnis, eine nicht genehmigte Route zu gehen, am Ende besetzen manche ein Haus in der Karlstraße.
| Hüseyin Ince Lisa Marie Albrecht
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Demonstranten stoßen kurz nach Beginn ihres Demo-Zugs gegen die Automesse IAA-Mobility an der Theresienwiese mit Einsatzkräften der Polizei zusammen.
Peter Kneffel/dpa 7 Demonstranten stoßen kurz nach Beginn ihres Demo-Zugs gegen die Automesse IAA-Mobility an der Theresienwiese mit Einsatzkräften der Polizei zusammen.
Kreuzung Bavariaring, Ecke Hans-Fischer-Straße: Die Polizei stoppt mit Gewalt und Pfefferspray die Demo-Gruppe.
Peter Kneffel/dpa 7 Kreuzung Bavariaring, Ecke Hans-Fischer-Straße: Die Polizei stoppt mit Gewalt und Pfefferspray die Demo-Gruppe.
Route entlang der Hackerbrücke. Hier ist es nach einer ersten Eskalation noch friedlich, mit Musik und recht guter Laune.
Peter Kneffel/dpa 7 Route entlang der Hackerbrücke. Hier ist es nach einer ersten Eskalation noch friedlich, mit Musik und recht guter Laune.
Das Bündnis "No Future IAA" besetzt zwei leere Häuser in der Karlstraße 20 und 22. Die Polizei räumt sie später.
Daniel von Loeper 7 Das Bündnis "No Future IAA" besetzt zwei leere Häuser in der Karlstraße 20 und 22. Die Polizei räumt sie später.
An der Karlstraße eskaliert die Lage. Leere Häuser werden besetzt.
Daniel von Loeper 7 An der Karlstraße eskaliert die Lage. Leere Häuser werden besetzt.
Eine junge Aktivistin wird weggetragen, nachdem Teile des Demonstrationszugs zwei leerstehende Häuser an der Karlstraße besetzen.
Daniel von Loeper 7 Eine junge Aktivistin wird weggetragen, nachdem Teile des Demonstrationszugs zwei leerstehende Häuser an der Karlstraße besetzen.
Ronja Weil (l.), Sprecherin von "Ende Gelände", findet den Polizeieinsatz überzogen. Am Odeonsplatz blockiert sie den Mercedes-Stand.
Daniel von Loeper 7 Ronja Weil (l.), Sprecherin von "Ende Gelände", findet den Polizeieinsatz überzogen. Am Odeonsplatz blockiert sie den Mercedes-Stand.

München - Es ist eigentlich ein ruhiger sonniger Tag, am Freitag, morgens um neun Uhr auf der Theresienwiese. Nur eines fällt auf: Rund um das Areal des Protestcamps stehen nicht nur Beamte in Uniform, sondern auch Dutzende Zivilpolizisten.

Etwas liegt in der Luft, seit die Anti-IAA-Aktivisten am Donnerstag auf dem Protestcamp angekündigt haben, dass sie ab Freitag die Messe blockieren wollen. Fünf Gruppen mit unterschiedlich farbigen Masken sammeln sich gegen 9.30 Uhr auf dem Camp. Die Polizei hat inzwischen Dutzende Mannschaftswagen an der Theresienwiese aufgestellt. Es sind zum Teil fränkische und auch hessische Einsatzkräfte des Unterstützungskommandos (USK) dabei.

Kreuzung Bavariaring, Ecke Hans-Fischer-Straße: Die Polizei stoppt mit Gewalt und Pfefferspray die Demo-Gruppe.
Kreuzung Bavariaring, Ecke Hans-Fischer-Straße: Die Polizei stoppt mit Gewalt und Pfefferspray die Demo-Gruppe. © Peter Kneffel/dpa

Polizei setzt Schlagstöcke und Pfefferspray ein

Etwa 500 Demonstranten gehen in Richtung Ruppertstraße, hier am südlichen Ende der Theresienwiese. Zur Überraschung vieler Beobachter eskaliert die Lage gleich. Die Polizei formiert sich. Sie hat offenbar die Anordnung, die Demonstranten auf keinen Fall durchzulassen. Schlagstöcke treffen Demonstranten, das USK sprüht ausgiebig Pfefferspray.

Die Demonstrationszüge sind gestoppt. Die fünf Gruppen geben auf und gehen zurück zum Camp. Ronja Weil, Sprecherin des Bündnisses "Ende Gelände", lief mit der lila Gruppe los. Sie findet den USK-Einsatz völlig überzogen: "Die IAA, ihre Lobby und die Autoindustrie werden vor friedlichen Demonstranten geschützt."

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Ronja Weil ist als erfahrene Klimaaktivistin überrascht, dass sie bereits an dieser Stelle so konsequent von der Polizei aufgehalten wurden.

Ronja Weil (l.), Sprecherin von "Ende Gelände", findet den Polizeieinsatz überzogen. Am Odeonsplatz blockiert sie den Mercedes-Stand.
Ronja Weil (l.), Sprecherin von "Ende Gelände", findet den Polizeieinsatz überzogen. Am Odeonsplatz blockiert sie den Mercedes-Stand. © Daniel von Loeper

Auch Lou Winters von "Sand im Getriebe" war in einer der Gruppen dabei. "Die Interessen der Autokonzerne waren gerade deutlich zu sehen", sagt sie, "die Klüngeleien zwischen Abgas-Andi und der Autolobby verspielen sämtliches Vertrauen."

Andreas Franken, Chef der Presseabteilung der Polizei München, ordnet ein: "Die Demonstrationsgruppen südlich des Protestcamps waren nicht angemeldet. Daher sahen sich die Kollegen gezwungen, die Demonstrationsgruppen zu stoppen", sagt er.

Die angemeldete Demonstration sammelt sich gegen 10.30 Uhr. Friedlich geht es zwar los, aber so bleibt es nicht. Am Stachus und am Sendlinger Tor hätte es vorbeigehen sollen.

Aktivisten besetzten leerstehende Häuser

Als die Gruppe an der Karlstraße 20 vorbeiläuft, kommt es zum Gerangel. Erneut Pfefferspray, erneut Schlagstöcke der Polizei. "Wir sind friedlich, was seid ihr?", skandieren die Demonstranten. Das Bündnis "No Future For IAA" besetzt die dortigen Häuser, die seit Jahren leer stehen. Aktivisten seilen sich vom Fenster ab. Einer klettert auf einen Baum. Laut Polizei zünden Protestler Pyrotechnik.

Das Bündnis "No Future IAA" besetzt zwei leere Häuser in der Karlstraße 20 und 22. Die Polizei räumt sie später.
Das Bündnis "No Future IAA" besetzt zwei leere Häuser in der Karlstraße 20 und 22. Die Polizei räumt sie später. © Daniel von Loeper

Zwischendurch zieht das USK eine Demonstrantin aus der Gruppe. Später am Tag räumt die Polizei beide Häuser an der Nummer 20 und 22. Mehrere Hundert Demonstranten besetzen am Nachmittag die Mercedes-Ausstellung am Odeonsplatz. Sie muss zeitweise schließen. Laut dem Aktivisten von "Sand im Getriebe" wurde auch die "Blue Lane" (A94), die Verbindungsstraße zwischen Messe und Innenstadt, blockiert. Zudem habe es Blockaden der Ausstellungsflächen von Audi und Porsche am Wittelsbacherplatz gegeben.

Die Polizei berichtete am Freitagabend von insgesamt 16 Festnahmen. Zudem wird unter anderem wegen Hausfriedensbruch ermittelt. Aktivisten sprechen von mehreren Verletzten.

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