Mit Dach zum Aufmachen: Der Donisl wird ein Cabrio-Wirtshaus

Das Traditionsgasthaus am Marienplatz macht im Dezember wieder auf. Wie es darin ausschauen soll, was das Konzept ist, und wie der Wirt die Münchner anlocken will
| Christian Pfaffinger
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Hacker-Pschorr-Chef Andreas Steinfatt, Architekt Andreas Hild und Wirt Karlheinz Reindl (von links) stoßen an: So wie in diesem Musterzimmer wird es auch im neuen Donisl in etwa ausschauen.
Sampics/ho Hacker-Pschorr-Chef Andreas Steinfatt, Architekt Andreas Hild und Wirt Karlheinz Reindl (von links) stoßen an: So wie in diesem Musterzimmer wird es auch im neuen Donisl in etwa ausschauen.

München - Anstatt entweder drinnen oder draußen zu sitzen, können die Gäste im Donisl an schönen Tagen künftig drinnen mitsamt ein bisserl draußen sitzen. Gehen tut schließlich alles. Der Donisl, das Traditionslokal am Marienplatz, macht wieder auf. Nach anderthalb Jahren Umbau, komplett neu. Das spektakulärste Novum: das Glasdach.

Ein solches hat der Donisl zwar vorher schon gehabt, aber das neue kann was: sich öffnen. Es besteht aus zwei Teilen, die auseinandergefahren werden können, so dass der nach dem Vorbild eines Laubenhofs gestaltete Innenbereich oben ohne ist. Der Donisl wird zum Cabrio-Wirtshaus.

Für eine Eröffnung mit offenem Verdeck braucht’s aber einen warmen Wintertag. Denn der neue Donisl soll am 7. Dezember wieder öffnen – auf den Tag genau 61 Jahre nach der Wiedereröffnung des Donisl nach dem Krieg. Das Wirtshaus war im Krieg von Bomben zerstört und erst am 7. Dezember 1954 wiedereröffnet worden. Jetzt ist der Donisl wieder von Grund auf neu gebaut worden, bloß die Fassade blieb in ihren Grundzügen erhalten und wurde renoviert.

Der neue Donisl wird gut 500 Plätze plus weitere auf der Freischankfläche am Marienplatz haben. Wer von dort her ins Lokal tritt, steht zuerst in der Schwemme. „Dort wird es Stehtische geben, wo man zum Beispiel einen Schnitt trinken und eine Brotzeit essen kann“, sagt Andreas Steinfatt, Chef der Brauerei Hacker-Pschorr, die die Wirtschaft für die Bayerische Hausbau verpachtet.

Weiter geht’s in den Innenhof, den Hauptraum. Hier wird eine wuchtige Schänke sein, an der Bier aus dem Holzfass ausgeschenkt wird. Man wird den Donisl auch von der Rückseite her betreten können. Den Innenhof im Erdgeschoss umfasst eine Galerie im Obergeschoss.

Die Gaststätte wird durchaus anders ausschauen als früher. Das Konzept: „echt und urban“. Die Vision des Architekten: „Wir setzen das Reinheitsgebot für Bier auch im neuen Lokal um.“ Will heißen: „natürliche Materialien und eine echt münchnerische Gestaltung“.

So werden die Wände mit massivem Birnenholz vertäfelt, die Stühle und Tische sind ebenso aus diesem Material, bloß die Tischplatten sind aus dem helleren und harten Ahorn. Über den Gästen schwingt sich ein kalkverputztes Gewölbe, kein Zement. Unter den Sohlen werden die Gäste im Parterre Naturstein und auf der Galerie einen Holzboden haben. Und an der Schänke soll viel Kupfer und Messing zu sehen sein.

„Von der Form her ist vieles filigraner, als man es aus anderen Gaststätten kennt“, sagt Architekt Andreas Hild. „Das war auch im München der Jahrhundertwende so.“ Die Stühle sind tatsächlich filigraner als vielerorts, die Tischbeine auch und die Tischplatten dünner. Insgesamt wirke das „weniger alpenländisch-barock, dafür münchnerisch-urban“, sagt Andreas Hild.

Die Materialien seien „echt, ehrlich und altern in Würde.“ Oder wie Andreas Steinfatt es gradaus und recht treffend sagt: „Des lang i gern o.“

Nicht bloß das Inventar, sondern der ganze Donisl soll wieder münchnerischer werden. Denn so beliebt das Lokal bei Touristen war, so sehr fremdelten die Hiesigen zuletzt damit. Stammtisch gab es keinen, und ehrlicherweise fand man sich als Münchner selten im Donisl wieder, außer halt, wenn der Besuch von außerhalb rein wollte. Der neue Wirt Karlheinz Reindl will die Münchnerinnen und Münchner wieder locken.

Stammtische soll es wieder geben, dafür keine Kampfpreisküche

Das bedeute schon eine gewisse „Aufbauarbeit“, sagt er. Stammtische wünscht er sich und verspricht, dass es für Stammgäste die traditionellen Schränke geben wird, in denen die persönlichen Krüge aufbewahrt werden. Einen „Kriagl-Tresor“ quasi.

Musik darf im neu eröffneten Donisl wieder aufspielen, aber nicht als ständiges Touristenspektakel, sondern zu besonderen Anlässen. Und eine Kampfpreisküche à la Alles- unter-6,95-Euro wird es auch nicht mehr geben. „Traditionelle, bayerische Küche mit regionalen Produkten, die ihren Preis wert ist“, will Karlheinz Reindl anbieten.

In die Weinstraße 1 direkt am Rathaus soll nun also echter Münchner Geist einziehen. Da passt so ein Cabrio-Dach ja durchaus gut dazu.

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