Michael Amberger: Der Greenkeeper im Olympiastadion

Michael Amberger ist Greenkeeper im Olympiastadion. Seit diesem Frühjahr gibt es dort nun tatsächlich wieder was zu pflegen.
| Florian Zick
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Zu Bundesliga-Zeiten haben er und seine Leute hier 70 Mähgänge im Jahr gemacht: Greenkeeper Michael Amberger im Olympiastadion.
Petra Schramek Zu Bundesliga-Zeiten haben er und seine Leute hier 70 Mähgänge im Jahr gemacht: Greenkeeper Michael Amberger im Olympiastadion.

Am 26. August 1972 wurde in München das olympische Feuer entzündet. Die Spiele haben die Stadt geprägt. Spielstätten, Wohnungen und Parkanlagen sind entstanden. 45 Jahre ist das inzwischen her. Wer kümmert sich heute um das bauliche Erbe? Die AZ hat Menschen besucht, die heute in den Überbleibseln von München ‘72 wohnen oder wirken. Heute: der Greenkeeper im Olympiastadion.

Mei, der Carsten Jancker, sagt Michael Amberger. Nicht, dass er als Bayern-Fan da falsch verstanden wird: "Als Typ fand ich den toll.“ Aber so ein wuchtiger Sturmtank, der hat nun mal ein paar Kilo. "Wenn der vom Kopfball wieder runterkommt, geht schon mal was kaputt“, sagt Amberger.

3.000 Rasenteile beim Bundesligaspiel auswechseln

Als im Olympiastadion noch Bundesliga-Fußball gespielt wurde, mussten er und seine Kollegen um die 3.000 Rasenteile auswechseln – und das nach jedem Spieltag. Die Schäden gingen natürlich nicht allesamt aufs Konto von Carsten Jancker. Aber zu tun war jedenfalls immer genug.

Seit Frühjahr liegt nun wieder Rasen im Olympiastadion. Zwischenzeitlich war das Spielfeld für die DTM asphaltiert worden. "Da hat mein grünes Herz schon geblutet“, sagt Amberger. Nun hat er das Herzstück seines Aufgabenbereichs zurück.

Offiziell obliegt Amberger die "Arealbetreuung für Facilities“. Aber von so neumodischem Firlefanz hält er nichts. Er versteht sich weiter als Gärtnermeister – und eben als Greenkeeper im Olympiastadion. Wenn man sich mit Amberger über seinen Job unterhält, merkt man gleich: Da ist jemand mit ganzem Herzen bei der Sache. Der 55-Jährige kann sich wahnsinnig über alles aufregen, was der Optik des Rasens schadet: über wuchernde Hutpilze, über Kotbatzn von Würmern oder die unschönen Hinterlassenschaften der Graugänse aus dem benachbarten Olympiasee.

Neue Rasenmischung ab September

Um dem Übel frühzeitig entgegenwirken zu können, macht Amberger jeden Tag eine Rasenbegehung. Angepflanzt ist momentan eine Mischung aus Weidelgras und Wiesenrispe. Nach dem Auftritt der Rolling Stones Mitte September kommt dann aber eine neue Mischung drauf.

Der Rasen wird nach dem Konzert ohnehin kaputt sein, schätzt Amberger. Für das danach anstehende Rugby-Turnier wird deshalb dann ein neuer Rasenteppich verlegt – einer mit mehr Wiesenrispe. Die wurzelt horizontal und sollte dem Ansturm der Rugby-Kolosse besser gewachsen sein als das vergleichsweise dann doch etwas sensiblere Weidelgras.

Seit 1991 im Einsatz

Amberger ist seit 1991 Greenkeeper im Olympiastadion. Seitdem hat sich seine Arbeit wesentlich verändert. Begriffe wie Neuansaat oder Regenerationsansaat kennt man in seinem Beruf heute kaum mehr. Ist der Rasen kaputt, wird einfach ein komplett neuer verlegt. Amberger kann Vorträge halten über die Rasen-Lieferanten dieser Welt, über Hendriks aus Holland, Schwab aus Oberbayern und über Zehetbauer aus Österreich. Vier bis sechs Euro den Quadratmeter, Din-Norm 18035-4. Man kann das schade finden, sagt er. Aber mei, so läuft das Geschäft halt.

Bei Fußballübertragungen schaut er sich nicht nur das Spiel an, sondern – typische Berufskrankheit – analysiert auch den Rasen. Auch Aufzeichnungen der Olympischen Spiele 1972 hat er sich im Nachgang noch mal angeschaut. Rotschwingel, Weidelgras und, sehr dominant, die hellgrüne Wiesenrispe. Das habe damals den prägnanten Fleckerlteppich ergeben, sagt Amberger. Exakt 2,8 Zentimeter ist der optimale Grashalm lang. Dafür haben er und seine Leute den Rasen zu Bundesliga-Zeiten bis zu 70 Mal im Jahr gemäht.

Vielleicht kommt der Profi-Fußball irgendwann ja wieder zurück ins Olympiastadion. Bei den Münchner Löwen kursieren immer wieder entsprechende Gerüchte. Auch er als Roter hätte nichts dagegen, den Blauen wieder den Rasen zu bereiten, so Amberger. "Schöne sportliche Veranstaltungen wären mir schon recht“, sagt er.

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