Mehr Vergewaltigungen, mehr Tötungsdelikte: Diese Zahlen trüben Münchens Bilanz

München ist zum 50. Mal Deutschlands sicherste Großstadt über 200.000 Einwohner. Aber die Zahl der Sexualdelikte ist stark gestiegen, die Fälle von Mord und Totschlag haben sich fast verdreifacht. 
von  Ralph Hub
Beamte der Spurensicherung untersuchen den ausgebrannten Transporter des Handwerkers. Der 57-Jährige aus Starnberg soll das Haus seiner Eltern in der Glockenblumenstraße angezündet und Sprengfallen deponiert haben.
Beamte der Spurensicherung untersuchen den ausgebrannten Transporter des Handwerkers. Der 57-Jährige aus Starnberg soll das Haus seiner Eltern in der Glockenblumenstraße angezündet und Sprengfallen deponiert haben. © Felix Hörhager

Wo viel Licht, da ist auch viel Schatten. Schneller und präziser lässt sich die Sicherheitslage in München kaum beschreiben. Die Zahl der angezeigten Straftaten in der Landeshauptstadt ist laut dem am Freitag im Präsidium vorgestellten Sicherheitsreport im vergangenen Jahr leicht gesunken – von 100.338 auf 98.478 Fälle, ein Minus von 1,8 Prozent.

München gegen den bayernweiten Trend

Mit knapp zwei Prozent liegt München aber hinter dem Bayern-Trend. Im restlichen Freistaat sank die Kriminalitätsrate um 3,3 Prozent, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag bekannt gab (AZ berichtete). Vor allem ein Bereich trübt die Erfolgsbilanz der Münchner Polizei. Die Delikte im Bereich der Gewaltkriminalität sind leicht auf 5133 Fälle gestiegen, ein Plus von zwei Prozent. (2024: 5034 Fälle). Darunter fallen beispielsweise Fälle mit gefährlicher und schwerer Körperverletzung 4007 Delikte (2024: 3882).

Deutlich mehr Sexualdelikte in der Stadt

Einen Anstieg um fast 23 Prozent gab es dagegen bei schweren Sexualstraftaten wie Vergewaltigung oder sexueller Nötigung. In diesem Bereich erstatteten im vergangenen Jahr 383 Opfer eine Strafanzeige, 2024 war es dagegen lediglich 312 Anzeigen. "In rund drei Vierteln der Fälle“, sagte Polizeipräsident Thomas Hampel, "bestand zwischen Täter und Opfer eine Vorbeziehung“. Schwere Sexualdelikte im öffentlichen Raum, bei denen Frauen zufällig Opfer werden, seien dagegen die Ausnahme, betonte Hampel. Besondere örtliche Brennpunkte in der Stadt gebe es nicht.

So sicher ist es im ÖPNV

Im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs, also in Zügen und Bahnhöfen, gab es laut Präsidium einen Rückgang. Hier wurden 417 (2024: 472) Anzeigen erstattet. Das entspricht einem Rückgang von 11,7 Prozent. Was das Sicherheitsgefühl von Frauen und Mädchen in München aber nicht spürbar verbessert hat.

Viele Münchnerinnen fühlen sich gerade abends in Bussen und Bahnen, aber auch in den Haltestationen von U- und S-Bahn nicht wohl. Sieben Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung oder schweren sexuellen Übergriffen wurden laut Präsidium im ÖPNV registriert. Im U-Bahnbereich wurde mit 2284 Delikten (2024: 2640) ein Rückgang von 13,5 % registriert. "Die Münchner Verkehrsmittel sind sicher“, betonte der Polizeipräsident.

Mord und Totschlag haben sich fast verdreifacht

Geradezu in die Höhe geschossen sind die Deliktzahlen bei Mord und Totschlag. Sie haben sich laut Kriminalstatistik fast verdreifacht. 2025 ermittelte das Kommissariat 11 in 45 Fällen von Mord und Totschlag. (2024 waren es lediglich 26). Bei zwölf Taten (2024: 4) handelte es sich um vollendete und bei 33 (2024: 22) um versuchte Taten. Allerdings müsse man berücksichtigen, so das Präsidium, dass 2024 mit 26 Fällen von Mord und Totschlag der niedrigste Wert der letzten zehn Jahre erreicht worden war.

Zwei Taten, die die Stadt schockierten

Am meisten schockiert hat in München der islamistisch motivierte Anschlag auf eine Verdi-Demo am 13. Februar 2025, als ein Mann sein Auto in die Menge lenkte: 44 Menschen wurden verletzt, eine Mutter und ihr Kind (2) starben. Der Fahrer steht derzeit vor Gericht.

Ein Familiendrama in der Lerchenau legte sogar das Oktoberfest kurzzeitig lahm. Ein 57-Jähriger hatte sein Elternhaus angezündet und vorher mit Sprengfallen versehen. Der Handwerker erschoss sich selbst am Lerchenauer See. Sein Vater starb, seine Mutter und seine Tochter überlebten. In Drohbriefen hatte der 57-Jährige mit einem Anschlag auf das Oktoberfest gedroht, weshalb die Wiesn aus Sicherheitsgründen vorübergehend gesperrt wurde.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.