"Massive Streiks" im Nahverkehr angekündigt: Was das für München heißt

Die erste Verhandlungsrunde am 19. Januar für die Beschäftigen im öffentlichen Nahverkehr lief aus Sicht der Gewerkschaft Verdi "sehr enttäuschend", wie die Münchner Bezirksvorsitzende Claudia Weber der AZ bestätigt. Vor der zweiten Runde am 13. Februar kommt jetzt einiges auf die Fahrgäste zu – an Aktionen und eben auch an Warnstreiks.
Verdi München: "Da war jetzt so gar keine Bewegung drin, das ist untypisch"
Immer wieder habe man von der Arbeitgeberseite gehört, dass die sich eine Einigung in den Verhandlungen auch ohne Warnstreiks vorstellen könne, sagt Haris Softic, der zuständige Bezirkssekretär von Verdi München, der AZ: "Da war jetzt so gar keine Bewegung drin, das ist untypisch. Die Arbeitgeber sind mit ihrem Angebot sogar unter dem geblieben, was im vergangenen Jahr im Gespräch war."
Fahrgäste von Bussen sowie Straßen- und U-Bahnen in Bayern müssen in den kommenden Wochen demnach mit Problemen durch Warnstreiks rechnen. Die Gewerkschaft Verdi teilte nach der ersten Verhandlungsrunde mit, man sehe im Streit um mehr Geld für die Mitarbeiter in bayerischen Nahverkehrsunternehmen "keine andere Möglichkeit". Bis zur nächsten Runde drohten deshalb "massive Warnstreiks" im Freistaat.
"Es werden nicht nur Verdi-Mitglieder involviert sein, das wird ein Totalausfall"
Betroffen ist dann auch das Angebot der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), deren Mitarbeiter laut Verdi-Angaben zu mindestens 50 Prozent gewerkschaftlich organisiert und so dem bayerischen Flächentarifvertrag angeschlossen sind.

"Es wird eine Riesenüberraschung geben, das Ganze ist nicht nur ein Thema für München oder für Nürnberg, das geht weit darüber hinaus", verspricht Softic Warnstreiks in großem Stil: "Es werden nicht nur Verdi-Mitglieder involviert sein, das wird ein Totalausfall."
Spätestens Anfang Februar könnte es für die Münchner ernst werden
Wann genau die Warnstreiks beginnen könnten, blieb zunächst unklar. "Wir werden das Ergebnis mit den Menschen in den Betrieben rückkoppeln und uns beraten", hatte der stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiter, Sinan Öztürk mitgeteilt: "Sobald wir einen Termin haben, geben wir ihn bekannt." Es sei üblich, dass man die Maßnahmen steigere, je näher die nächste Verhandlungsrunde komme, betont Claudia Weber. Spätestens Anfang Februar könnte es also für die Fahrgäste in München ernst werden, und sie müssen sich womöglich nach Alternativen beim täglichen Pendeln umsehen.
Bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ist man derzeit noch entspannt. "Wir wissen natürlich von den Streikabsichten", sagt MVG-Sprecher Maximilian Kaltner der AZ: "Ziel der Warnstreiks ist ja, dass sie uns unvorbereitet treffen, aber wir sind gewappnet."
Sicherheitsvorschriften: MVG hat die U-Bahn-Leitstelle im Blick
Für solche Fälle existiere selbstverständlich ein entsprechendes Notprogramm, so Kaltner: "Wir werden bei den Linien priorisieren und vor allem auch die Leitstelle der U-Bahn im Blick haben. Dort ist es angesichts der Sicherheitsvorschriften wichtig, dass das unverzichtbare Fachpersonal arbeitet."
Zudem habe man bei früheren Warnstreiks – 2023 kam es auch dazu, bis zu einer Einigung hatte es insgesamt fünf Verhandlungsrunden gebraucht – Erfahrungen gesammelt und daraus gelernt. Die Aufmerksamkeit gilt demnach vor allem vielfrequentierten Strecken.
MVG-Notprogramm: Busverkehr sollte die wenigsten Probleme bereiten
Beispielsweise liegt laut Kaltner bei der U-Bahn der Fokus auf dem Verkehr der Linien 3 und 6 mit einem Zehn-Minuten-Takt: "Wir müssen dann natürlich zusehen, dass uns die Bahnhöfe nicht überlaufen."
Bei der Tram werde man sich auf die Linien 20 und 25 im 20-Minuten-Takt konzentrieren, leichter lasse sich ein Warnstreik im Busverkehr abfangen, "weil dort eben auch viele Privatunternehmen im Einsatz sind".
Verhandlung mit umfangreichen Forderungen
Die Liste an Forderungen seitens der Gewerkschaft ist lang: Unter anderem enthält sie eine Erhöhung der Tarifgehälter um 668,75 Euro pro Monat sowie den Wechsel von einer 38,5-Stunden-Woche auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich.
Weitere Aspekte sind ein um fünf Prozentpunkte höherer Sonntagszuschlag von 30 Prozent, eine tarifliche Regelung für eine Mindestruhezeit von elf Stunden sowie für die Arbeitnehmer günstigere Regelungen dazu, was vor Fahrtbeginn und nach Fahrtende als Arbeitszeit angerechnet wird. Als Laufzeit strebt Verdi zwölf Monate an.
Vorstellungen liegen weit auseinander
Der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) Bayern nannte die Forderungen der Gewerkschaft nach der Verhandlungsrunde am Montag realitätsfern: "Sie übersteigen das von jedem Unternehmen wirtschaftlich Leistbare bei Weitem". Man habe stattdessen unter anderem eine Erhöhung der Tarifgehälter um mindestens 5,0 Prozent in zwei Schritten vorgeschlagen. Zudem sollten Ausbildungsgehälter in zwei Schritten um insgesamt 150 Euro steigen – jeweils bei einer Laufzeit bis Ende 2027.
Die Verdi-Branchenkoordinatorin für Busse und Bahnen in Bayern, Katharina Wagner, sagte: "Das minimale Angebot, das uns nun vorgelegt wurde, ist Lichtjahre von einer kompromissfähigen Einigung entfernt." Die Arbeitgeberseite sprach dagegen von einem Angebot "am Rande des wirtschaftlich Vertretbaren".