Mann wirft in München Kind (11) auf die Straße: "Wir spüren keine Wut auf ihn"

Ein Mann greift ein Kind und wirft sich mit ihm vor ein Auto. Nun sagen die Eltern des Buben aus vor Gericht aus.
| Paul Nöllke
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Der Angeklagte vor Gericht bei Prozessbeginn  am Dienstag.
Der Angeklagte vor Gericht bei Prozessbeginn am Dienstag. © Sigi Müller

München - Der Angeklagte darf mit dem Kind sprechen. "Es tut mir leid, was passiert ist", sagt er unter Tränen. "Es waren keine bösen Gedanken dabei." Der Elfjährige nickt dem Mann zu, der ihn gegriffen und vor ein fahrendes Auto geworfen hatte, und setzt sich neben seine Mutter.

Die Mutter schaut kurz weg, dann hört sie den Schrei ihres Kindes 

Im August 2020 war der Bub mit seiner Familie in München unterwegs. Sein Bruder hatte Geburtstag, die Familie war aus dem Salzburger Land nach München gefahren. "Es war so ein schöner Tag", erzählt die Mutter des Kindes. Man war in den Bavaria Filmstudios, wollte noch in den Biergarten und schlenderte durchs Tal. Der Vater schaute noch in ein Geschäft, die Mutter blieb mit den Kindern an der Straße stehen, wo sie auf Betonklötzen spielten. Die Mutter schaute kurz in Richtung Schaufenster, als sie den Schrei ihres Kindes hörte.

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Der Angeklagte greift den Bub und wirft sich mit ihm vor ein Auto

In diesem Moment nämlich, so schildern es Zeugen vor Gericht, hat Hans A. (Name geändert) den Bub gegriffen, und sich mit ihm auf die Straße, direkt vor ein Auto geworfen. Die Fahrerin kann gerade noch stoppen, 1,70 Meter trennen ihre Stoßstange von Hans A., der das Kind noch umklammert hält.

"Fahr' uns zusammen" und "Fahr' das Dreckskind zusammen", soll Hans A. ihr entgegengeschrien haben, sagen Zeugen. Die Fahrerin selbst sagt allerdings etwas anderes aus: "Danke, dass sie gebremst haben", soll der Angeklagte gesagt haben, als sie ihr Auto verließ. Der Mann habe ihr direkt in die Augen geschaut.

Hans A. habe sich fast wie ein Prediger vor die Schaulustigen gestellt

Der Bub sei dann zu seiner Mutter gelaufen, er sei glücklicherweise kaum verletzt gewesen. Hans A. habe sich dann fast wie ein Prediger vor die Schaulustigen gestellt: "Da sieht man mal, wie schlimm alles ist", soll er gesagt haben und von schlechten Energien im Raum gesprochen haben. Als die Polizei kommt, um ihn festzunehmen, habe sich Hans A. heftig gewehrt.

"Meine Familie verspürt keine Wut auf Sie"

Vor Gericht sagt gestern auch der elfjährige Bub aus. Er denke nur "hin und wieder mal" an den Vorfall. Tapfer sitzt er nur wenige Meter von Hans A., während seiner Aussage. Doch laut seiner Mutter hat der Vorfall Spuren hinterlassen. "Ich glaube, dass es ihm jetzt schlechter geht als direkt danach", sagt sie. Er wolle nicht mehr in die Schule gehen. "Davor hat er viel geredet", sagt sie, "jetzt redet er fast gar nicht mehr." Dennoch sagt die Mutter zum Angeklagten: "Meine Familie verspürt keine Wut auf Sie." Man wisse, dass er keine Schuld an der Sache habe. "Es tut mir leid", bricht es da aus Hans A. heraus, "es tut mir so leid."

Wieso Herr A. das Kind gegriffen und sich vor das Auto geworfen hatte, ist noch nicht klar. Auf viele Zeugen habe er einen verwirrten Eindruck gemacht, als habe er Drogen genommen. Laut seiner Anwältin Johanna Braun, habe ihr Mandant zwar ein Drogenproblem, in diesem Fall habe er aber gesehen, wie die Kinder auf den Betonklötzen gespielt hatten und um sie gefürchtet.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass A. eine psychische Störung hat

Deshalb habe er sich den Buben gepackt, sei dann ins Taumeln geraten und mit ihm auf die Straße gestürzt. Die Staatsanwaltschaft geht allerdings davon aus, dass A. eine psychische Störung hat, er könnte daher in eine Psychiatrie eingewiesen werden.

Der Prozess, hofft die Mutter, könnte ihrem Sohn helfen, das Geschehene zu verarbeiten. Die Entschuldigung des Angeklagten, so die Mutter, könnte für ihren Bub eine Hilfe sein. Der Prozess wird fortgesetzt.

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